„Mir geht es gut. Aber es wäre schon schön, wieder in der Schule zu sein“, so Schülerin Amber auf die Frage ihres Lehrers Jochen Stegmaier. Heute halten Vanessa und Anna ihr Referat über die Reformpädagogin Maria Montessori. Die 24 Schüler der elften Klasse sitzen daheim vor ihren Tabletts und verfolgen die Präsentation auf dem Bildschirm.

Anna erklärt, der Lehrer stellt Zwischenfragen, ganz wie im analogen Klassenzimmer auch. Allerdings fällt es ohne den Sichtkontakt leichter, auch mal abzutauchen – Stegmaier achtet gut darauf, dass alle sich in die Diskussion einbringen. Fällt niemandem die Antwort ein, ist es ausdrücklich erwünscht, im Internet zu recherchieren.

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Jochen Stegmaier ist als Medienpädagoge die Speerspitze der Digitalisierung an der Hauswirtschaftlichen Schulen. Trotzdem sei der Unterricht in der Schule nicht zu ersetzten: „Wir haben neben dem Bildungsauftrag auch einen Erziehungsauftrag. Das ist aber nur vor Ort möglich“, so Stegmaier.

Heute bleibt die Küche kalt: Konrektor Alexander Emmerich und Schulleiter Carsten Schnell in der verwaisten Leerküche der Hauswirtschaftliche Schulen. Normalerweise werden hier junge Menschen für die Arbeit in der Gastronomie ausgebildet. Auch die praktischen Übungen im Pflegebereich können aktuell nicht mehr stattfinden.
Heute bleibt die Küche kalt: Konrektor Alexander Emmerich und Schulleiter Carsten Schnell in der verwaisten Leerküche der Hauswirtschaftliche Schulen. Normalerweise werden hier junge Menschen für die Arbeit in der Gastronomie ausgebildet. Auch die praktischen Übungen im Pflegebereich können aktuell nicht mehr stattfinden. | Bild: Julia Becker

So unterschiedlich wie die Ausbildungswege an der Hauswirtschaftlichen Schule sind, so vielfältig sind aktuell auch die Wege, auf denen die Lehrer in Kontakt mit ihren Schüler bleiben. Am Gymnasium wird mehrheitlich auf das Tablet gesetzt. „Manche Lehrer kommen für den Unterricht zu uns in die Schule, weil daheim das Netz zu schlecht ist“, erklärt Rektor Carsten Schnell. Die Schule habe dafür ihre Netzkapazität aufgestockt, ergänzt Konrektor Alexander Emmerich. Auf Anregung eines Schülers nutze man außerdem ein Tutorprogramm zum Selberlernen.

„Da gibt es aktuell die passenden Inhalte wie in unserem Unterricht. Dazu ist das Programm in der Testphase kostenlos und danach ohne lange Vertragsbindung“, freut sich Schnell. Viele Anbieter seien aktuell auf ihn zugekommen, aber nicht alles würde passen. In Verwendung habe man aber auch eine App, um sich unter der Lehrerschaft zu koordinieren. In anderen Schulzweigen senden Lehrer Aufgaben per Email oder haben vor der Schließung noch Kopien verteilt. Den persönlichen Kontakt wird telefonisch oder mit Nachrichtendiensten gehalten. Eigentlich haben alle Schüler ein Smartphone, weiß Emmerich. Zu Beachten sei aber, dass gerade bei einkommensschwächeren Familien die Schüler kein Datenvolumen hätten und auf WLAN angewiesen seien. „Wir müssen uns nichts vormachen: Das ist nicht der reguläre Unterricht“, bedauert Rektor Schnell.

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Digitales Lernen

Das bislang nur die rund 150 Schüler gymnasialen Oberstufe mit Tablets ausgestattet wurde habe verschiedene Gründe, erklärt Schulleiter Schnell. Der Umgang mit dem Medium will auch für die Schüler geübt sein. Darum habe man mit der Einarbeitung der längerfristigen Schüler begonnen. Auch müssen die Geräte von den Eltern finanziert werden. „Das Konzept, sein eigenes Gerät mitzubringen ist leider gescheitert“, bedauert Schnell.

Die unterschiedlichen Betriebssysteme und Programme hätten immer wieder zu Problemen geführt. Dazu erfordere der Fernunterricht Disziplin beim Schüler: Es gebe auch Klassen, bei denen bereits der regelmäßige Schulbesuch eine Herausforderung sei, so Schnell. Auch bei den Lehrern sei leider nicht jeder so begeistert wie Jochen Stegmaier, ergänzt der Rektor. Schon seit 2010 nutzt die Schule das Programm Moodle. Hiermit können zusätzliche Infomaterialien bereitgestellt werden und auch Informationen unter den Lehrern geteilt werden.

Nach der Schulung habe sich hier aber bei einigen Kollegen nicht mehr viel getan. Denn die eigenen Inhalte zu übertragen und den Schülern so zu vermitteln sei auch für Lehrer eine Herausforderung. Umgekehrt dürfe man auch nicht übers Ziel hinausschießen, weiß Stegmaier: „Da findet man hier noch ein Video und dort noch einen interessanten Text und bald hat man die Schüler überfordert.“ Als Lehrer müsse man den Lehrstoff auch didaktisch gut aufbereiten und kanalisieren können. „Die Balance ist wichtig“, so auch der Schulleiter.

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