Im Harpolinger Baugebiet „Schweizerblick“ beginnt in wenigen Wochen ein neues Zeitalter auf dem Weg in die digitale Zukunft. Die Bewohner von rund 50 Häusern können sich auf schnelles Internet mit 400 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) freuen. Der Einsatz des Bürgervereins Daheim in Harpolingen und dort insbesondere in Eigeninitiative des Fachvorsitzenden für den Bereich schnelles Internet, Christoph Schneider, hat sich gelohnt. Das heißt: Während die anderen Bereiche des Ortsteils Harpolingen bereits schnelleres Internet haben, kann nun auch der Schweizerblick nachziehen.

Anstoßen auf gemeinsamen Kraftakt: Im vergangenen Frühjahr haben Bürger in Harpolingen Leerrohre für schnelles Internet verlegt und feierten das gemeinsam mit Bürgermeister Alexander Guhl (Vierter von links).
Anstoßen auf gemeinsamen Kraftakt: Im vergangenen Frühjahr haben Bürger in Harpolingen Leerrohre für schnelles Internet verlegt und feierten das gemeinsam mit Bürgermeister Alexander Guhl (Vierter von links). | Bild: Hans-Walter Mark

Derzeit verlegt die Firma Reh-Bau aus Heilbronn im Auftrag von Unitymedia die Kabel im Schweizerblick bis zum Hausübergabepunkt. Die sechs benötigten Kabel zur optimalen Leistung für jeden Anschluss in den Straßen und Gehwegen laufen zu einem Verstärkerpunkt in Höhe des Anwesens Thomas Rufle. In diesem Kasten ist auch die Sende- und Empfangstechnik für Telefonie und Internet untergebracht. Von diesem Ort führt eine direkte Leitung zum Hauptverteilerkasten auf der Landstraße am Ortsausgang in Richtung Murg. Diese direkte Leitung mit circa 750 Metern Länge wurde von Harpolinger Bürgern in Eigenarbeit gelegt.

Die weiteren Installationsarbeiten in den Häusern bis zum Standort des Routers übernehmen anschließend Elektrotechniker. Wenn diese das Haus verlassen, ist die neue Anlage betriebsbereit. Über den Zeitpunkt, wann die Fachleute ihre Arbeiten durchführen, werden die Hausbesitzer rechtzeitig informiert.

Abschluss soll Ende März sein

Stefan Wassmuth, Bauleiter von Unitymedia, rechnet mit dem Abschluss aller Arbeiten bis Ende März dieses Jahres, wenn die Witterung es zulässt und alles nach Plan läuft. Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich auf circa 180 000 Euro. Davon geht rund ein Drittel, also 60 000 Euro zulasten der Hauseigentümer. Bei diesen Kosten handelt es sich um die Hausanschlüsse, die von den 50 Eigentümern getragen werden. Zwischenfinanziert wurde dies über die Stadt Bad Säckingen. Die übrigen Kosten trägt Unitymedia als Bereitsteller des Netzes.

Lob für die Bürger

Besonders lobend spricht sich Wassmuth über den Harpolinger Bürgerverein aus, der die Initiative ergriffen habe und ohne den es sicherlich auf absehbare Zeit keinen Breitbandausbau im Harpolinger Osten gegeben hätte. „Die Lehrrohre, die Bürger im Frühjahr unter der Regie von Christoph Schneider verlegt haben, konnten wir nutzen und damit Arbeitszeit sparen“, zeigt sich der Bauleiter von Unitymedia beeindruckt von einem so großen Einsatz der Bürger. Insgesamt ist Wasmuth der Meinung, dass Harpolingen ein Vorbild für andere Gemeinden sein kann, denn Bürgerinitiativen seien ein geeignetes Instrument, um etwas zu bewegen und die Politik wachzurütteln.

Schnelles Internet im Schweizerblick

  • Der Ist-Zustand: Bis heute ist das Wohngebiet Schweizerblick mit extrem langsamen Internet ausgestattet. Der restliche Teil von Harpolingen verfügt bereits über schnelles Kabel von Unitymedia. Bereits vor 30 Jahren war der Ortsteil mit dem Kabel ausgestattet worden, nur eben das Wohngebiet „Schweizerblick“ nicht. Künftig sollen Im Schweizerblick bis zu 400 Mbit/s möglich sein. Zum Vergleich: Die bisherige Leitung hat gerade einmal drei bis vier Mbit/s zu bieten.
  • Der Anstoß: Christoph Schneider nahm im Januar 2015 mit der Stadtverwaltung Bad Säckingen Kontakt auf, um auf die Misere der Internetversorgung im Osten von Harpolingen hinzuweisen. Die Übergabe einer Unterschriftenliste im November 2015 diente ebenso diesem Anliegen. Es folgten Treffen mit Bürgermeister und Telekom sowie mehrere Vorträge zu diesem Thema im Gemeinderat der Stadt und im Ortschaftsrat in Harpolingen. Handlungsbedarf war angezeigt, als die Telekom von der Analog- auf die Digitaltechnik umstellte.
  • Erster Schritt: Anfang 2018 beschloss der Gemeinderat, zunächst mit einem Masterplan die Internetsituation in Stadt und Ortsteilen zu ergründen.
  • Dynamik: Mit dem Verlegen von Leerrohren im Frühjahr 2018 unter der Regie des Bürgervereins kam dann aber erst Bewegung in das Projekt.
  • Anstrengung: Die Unterstützung von Bürgermeister Alexander Guhl, zahlreiche Sitzungen und Verhandlungen mit Unitymedia sowie die Hausbesitzer des Baugebiets „Schweizerblick“ ins Boot zu holen, bedeutete noch einmal einen großen Kraftakt.