Von 2003 bis 2018 wirkte er als Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen. Seither bereitet er sich für seine Berufung vor. Er wollte zum Kleriker werden – am 20. November wird er von Bischof Peter Birkhofer im Freiburger Münster tatsächlich die höhere Weihe erhalten. Rupert Kubon ist dann ein sogenannter Ständiger Diakon.

Für ihn ist klar, wo er wirken will: „Das ist die Seelsorgeeinheit Villingen, alle Kirchen, die dazu gehören.“ Auferlegt sind ihm zahlreiche Vorgaben: „Mehr als fünf Stunden die Woche darf ich nicht arbeiten, als Entgelt bekomme ich 250 Euro im Monat, das ist also gerade einmal der Mindestlohn.“

Er darf als Diakon Menschen taufen, Ehen kirchlich schließen, Beerdigungen anhalten, das Evangelium verkünden und Predigten halten. Die höchsten Sakramente bleiben ihm verwehrt und den Priestern vorbehalten: Das ist einerseits die Wandlung und zweitens die Abnahme der Beichte.

Kubons Wirken für die Kirche ist schon heute ein Stück weit meditativ. Ruhe findet er zuhause.
Kubons Wirken für die Kirche ist schon heute ein Stück weit meditativ. Ruhe findet er zuhause. | Bild: Trippl, Norbert

Ein Büro im Münster-Pfarrhaus wird er nicht erhalten. Gleichwohl wirkt er schon heute genau dort. In der Hofeinfahrt des Pfarrhauses sitzt er 40 Meter von seinem alten OB-Büro entfernt neuerdings öfters am Samstagvormittag. Zwei Stühle, ein Tisch. Der gebürtige Friedrichshafener bietet hier Gespräche zu Kirche und Gesellschaft an. Das ist auch Teil seiner Ausbildung zum Diakon.

Kubon hat dabei ein Schwerpunktthema gefunden. Er geht auf Menschen zu, die mit der Kirche hadern. „Dass Gläubige die Missbrauchsfälle in der Kirche verurteilen, verstehe ich. Auch ich finde das furchtbar“, sagt er. Kubon weist aber darauf hin, dass die Kirche ein viel facettenreicheres Konstrukt ist, das auch eine vielfältige Betrachtung verdiene, wie er am Fallbeispiel des Wirkens der Caritas erklärt.

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Die Dalmatik-Gewänder hat er sich bereits anpassen lassen, im Freiburger Münster wird er sie erstmalig offiziell tragen. Auch die so Stola des Diakons hat er schon. Sie ist im Vergleich zur Stola eines Priesters zusammengenäht, sie kann nicht einfach umgehängt werden, ein Reinschlüpfen ist erforderlich. Das Kirchenjahr kennt auch vier Farben: Violett für die Buße, Weiß für die Zeit des Feierns, Grün für den Alltag und Rot für Blut und damit für Tage wie Pfingsten (die Feuerzungen). Kubons Stola ist grün und rot, ein goldenes Kreuz glänzt dezent aus der Tiefe des Stoffs.

„Ich bin als Diakon direkt dem Bischof untergeordnet und weisungsgebunden“, erklärt der verheiratete Vater von zwei Töchtern. Mit dem Münsterpfarrer und anderen Geistlichen wird er Wochen- und Monatspläne aufstellen.

Die Stola des Diakons Rupert Kubon. Das liturgische Kleidungsstück ist auch Amts- und Rangabzeichen gleichermaßen. Die Farben spiegeln ...
Die Stola des Diakons Rupert Kubon. Das liturgische Kleidungsstück ist auch Amts- und Rangabzeichen gleichermaßen. Die Farben spiegeln die Phasen des Kirchenjahrs. | Bild: Trippl, Norbert

Ein Projekt aus seinen Lehrjahren zum Diakon will Kubon fortsetzen: Das kontemplative Gebet. Immer am dritten Dienstag im Monat und wieder ab dem 30. August lädt er auf 17 Uhr in die Liobakapelle. Meditativ geht es dabei ums Atmen und Hören. Kubon will Menschen anbieten, sie aus der Sorge des Alltags herauszulösen und mit einer besseren Wahrnehmung auch mehr Lebenskraft ermöglichen. Kubon hat das einst selbst im Kloster gelernt, „komm in die Gegenwart“, habe ihm damals immer wieder der Abt zu seinen damaligen Problemen geantwortet.

Der neue Amtsträger der Kirche sagt, dass „die Form der Kirchenarbeit auf die Veränderungen in der Gesellschaft eingehen sollte“. Kubon praktiziert solche Angebote bereits heute mit seinem Samstags-Treff am Münsterplatz und den Lioba-Gebetsstunden.

Er wirkt dabei wie ein Freigeist und manchmal auch wie ein kleiner Junge, wenn er plötzlich über die Messe in der Osternacht schwärmt und sich schon heute darauf freut, ebenso wie auf seine Weihe in Freiburg im Kreise von sieben weiteren Schülern wie er.

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„Wir werden dann ausgestreckt auf dem Boden liegen“, bestätigt er das alte Ritual: Handauflegen, Gebet. Und dann graust es ihm ein bisschen: „Wie kalt das sein wird, muss man sehen, es hat ja keine Fußbodenheizung im Münster.“ Der Alt-OB ahnt nur, „dass wir da länger liegen werden“.

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, sang einst Udo Jürgens. Kubon wird als Ständiger Diakon kein Angestellter der Kirche sein. Was führt er noch im Schilde?

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Seit er im Zorn wegen des Stopps des Baus eines Verwaltungszentrums auf dem Villinger Kasernenareal aus der SPD ausgetreten und bei den Grünen eingetreten ist, wird ihm allerhand zugetraut. Kandidiert er fürs Europaparlament? Für den Landtag? Expertise brächte er als Kommanditist einer Windkraftanlage in Norddeutschland mit. Der Alt-Oberbürgermeister lacht über seine Kaffeetasse hinweg: „Nein, ich darf gar nicht mehr kandidieren. Die katholische Kirche verbietet das im Gegensatz zu den Protestanten.“

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