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Bertha Boss

Berta Boss, geborene Heimann, erblickte in Oberschlesien das Licht der Welt. Von dort stammt auch ihr Mann Josef Boss. Zwischen 1903 und 1906 wurden ihre Kinder Adolf, Edith und Erwin in Offenburg geboren. Am 31. Mai 1910 zog die Familie nach Villingen. Sie wohnte bis 1923 in der Rietstraße 15, danach besaßen sie das Wohn – und Geschäftshaus an der Oberen Straße 1, das Josef Boss aufwendig restaurierte und zu einem wahren Schmückstück machte. Er war Kaufmann und eröffnete hier ein Damen- und Mädchenbekleidungsgeschäft, das in den 20er Jahren florierte. 

Stolperstein für Bertha Boss
Stolperstein für Bertha Boss | Bild: Fröhlich, Jens

Zur Zeit des Nationalsozialismus nahmen die Schikanen, Boykottaufrufe und Bedrohungen immer mehr zu. Die Zahl der Kunden ging zurück. Nach der Geschäftsaufgabe und dem Hausverkauf im Jahr 1935 zog die Familie im März 1936 nach Stuttgart, wo Josef 1939 starb. Bertha Boss lebte zunächst weiter in Stuttgart. Nach ihrer Enteignung verschleppte man sie zum Schloss Weissenstein bei Geislingen. Dort lebte sie unter Bewachung mit rund 100 anderen Juden in sehr beengten Verhältnissen. Am 22. August 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Wenig später trat sie ihre letzte Reise nach Treplinka an, wo sie noch am Tage der Ankunft ermordet wurde.

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Adolf Boss

Adolf Boss war der älteste Sohn der Familie. Er wohnte von 1910 bis 1923 bei seinen Eltern in der Rietstraße 15 und besuchte das Realgymnasium, ein Zweig des heutigen Romäusgymnasiums. Im Schuljahr 1921/22 legte er erfolgreich seine Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er Medizin in Freiburg und wurde Arzt. Adolf promovierte in Hamburg und arbeitete in Berlin an der Virchow-Klinik. Dort wendete er sich Anfang der 30er Jahre der Kommunistischen Partei zu. Seine Frau Josephine Stapenhorst lernte er 1927 kennen. Nach Hitlers Machtantritt verlor er als Jude und Kommunist sofort seine Arbeit.

Symbolischer Stolperstein für Adolf Boss
Symbolischer Stolperstein für Adolf Boss | Bild: Fröhlich, Jens

Die dreiköpfige Familie – 1932 war ihr Sohn Valentin geboten – verlässt 1933 überstürzt Berlin nach Villingen und reist 1934 in die Schweiz weiter, später zu Verwandten von Josephine nach London. Nach erfolglosen Versuchen dort beruflich Fuß zu fassen, konnte er in der Sowjetunion eine Anstellung als Arzt finden. Die Familie ließ sich 1934 in Moskau nieder. Bald änderte sich die Lage. Adolf Boss versuchte, die UdSSR zu verlassen. Es gelang ihm nicht und er wurde 1938 verhaftet und zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt. Seine Frau konnte flüchten. Adolf Boss soll 1942 in Sewscheldorlag verstorben sein. Adolf Boss war erschossen worden.

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Edith Boss

Edith Boss wurde 1904 in Offenburg geboren. 1910 zog die Familie nach Villingen. Zunächst lebte die Familie in der Rietstraße, dann am Latschariplatz im Haus Obere Straße 1. Von 1917 bis 1918 besuchte sie die St. Ursula Schule. Eine Freundin beschrieb sie als lebensfrohe, humorvolle und sehr lustige Person, deren größtes Hobby das Schwimmen war. Edith Boss war Mitglied im Villinger Schwimmclub und erfolgreich. Doch als Jüdin durfte sie von heute auf morgen nicht mehr ins Schwimmbad. 1935 zog sie nach Karlsruhe und heiratete Karl Seufert, einen Ingenieur.

Symbolischer Stolperstein für Edith Boss
Symbolischer Stolperstein für Edith Boss | Bild: Fröhlich, Jens

Während der Schwangerschaft kam es zu Problemen. Eine Operation führte zur Fehlgeburt und zur Unfruchtbarkeit. Ihr arischer Ehemann hielt weiter zu ihr, was jedoch immer schwieriger wurde. Das Ehepaar zog nach Stuttgart zu den Eltern. Am 1. Dezember 1941 wurden die ersten 1000 Stuttgarter Juden nach Riga deportiert, darunter Edith und ihr Bruder Erwin. Ihren Mann sag sie nie wieder. Dank ihres Überlebenswillens gelang es ihr, die Inhaftierung in mehreren Konzentrationslagern zu überleben. 1945 kehrte sie mittellos nach Villingen zurück, wo man ihr das Heimatrecht verweigerte. Sie verstarb 1974 in Garmisch-Partenkirchen, alt, alleine, aber ungebrochen.

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Erwin Boss

Erwin Boss wohnte zunächst bei den Eltern in der Villinger Innenstadt. Ab 1923 lebte er für zwei Jahre in Freiburg. Vermutlich machte er in dieser Zeit eine Kaufmannsausbildung. 1925 zog er für drei Jahre nach Villingen, ehe er sich in Halle an der Saale niederließ. Vermutlich wegen der Weltwirtschaftskrise und einer hohen Arbeitslosigkeit zog er 1931 erneut nach Villingen, wo er bei seinen Eltern in der Oberen Straße und als Mieter in der Weiherstraße 49 wohnte. In dieser Zeit war er mit einer Villingerin liiert. Ihre Wege trennten sich einvernehmlich aufgrund der neu erlassenen Nürnberger Rassengestze.

Stolperstein für Erwin Boss
Stolperstein für Erwin Boss | Bild: Fröhlich, Jens

Erwin verließ Villingen und zog nach Dresden. Vergeblich suchte er nach einer Festanstellung. Der Schutzhaft im Rahmen des November-Pogroms konnte er durch Flucht entgehen. Seine Bemühungen um eine Auswanderungserlaubnis beim Villinger Bürgermeisteramt scheiterten. Zusammen mit seiner Schwester Edith wurde er 1941 nach Riga im heutigen Lettland deportiert. Männer und Frauen waren in getrennten Lagern inhaftiert. Die Männer mussten bei Temperaturen unter minus 40 Grad ein neues Lager aufbauen. Edith erfuhr im April 1942 von seinem Tod. Im selben Monat wurde Erwin offiziell für tot erklärt.

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Rückblick auf die erste Gedenkveranstaltung in der Gerberstraße

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