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Bertha Schwarz

Bertha Schwarz, Mädchenname Fröhlich, war eine Frohnatur. Sie kam am 3. Juni 1863 in Rexingen nahe Horb zur Welt und wuchs mit drei Geschwistern auf. Schon bald lernte sie dort ihren späteren Mann Louis Schwarz kennen, der wie ihr Vater und viele andere Menschen im Ort mit Vieh handelte. Fünf gemeinsame Kinder kamen in Rexingen zur Welt: Jakob, Hugo, Sofie, Julius und Max. Die Geschäfte liefen gut und die Familie zog nach Villingen, wo 1903 das jüngste Kind Julie zur Welt kam. Drei Enkelkinder forderten die Großmutter. 1934 starb ihr geliebter Mann und die Geschäfte liefen immer schlechter, nachdem die Nationalsozialisten das Sagen hatten. 1936 musste die Familie ihr Geschäft aufgeben und das Haus verkaufen.

Stolperstein für Bertha Schwarz
Stolperstein für Bertha Schwarz | Bild: Fröhlich, Jens

Die Situation wurde immer bedrohlicher. Im November 1938 wurde das Haus und der Betsaal von einem Mob verwüstet. Das Geld aus dem Hausverkauf reichte nur für die Flucht der drei Enkelkinder in die Schweiz. Zusammen mit Hugo, Irma und Julie wurde Bertha 1940 in das Lager Gurs deportiert. Die Situation dort war furchtbar. Die anderen drei wurden 1942 nach Auschwitz gebracht und ermordet. Bertha, zu krank und gezeichnet für diese Reise, starb am 19. März 1943 in Gurs.

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Hugo Schwarz

Hugo Schwarz, der den Viehhandel in der Gerberstraße von seinem Vater übernommen hatte, ist Teil der Villinger Geschichte. Er war beim FC 08 zunächst als Stürmer, dann als Funktionär aktiv. Bald zweiter Vorsitzender übernahm er 1916 bis 1918 die Vereinsführung. Lokalen Traditionen war er zugetan. Er war Hästräger und Sponsor der Narrozunft, organisierte Weihnachtsfeiern und Fasnetveranstaltungen. 1914 meldet er sich freiwillig zum Militärdienst und kehrte als Kriegsschwerbeschädigter zurück. Am 8. November 1926 heiratete er Irma Schwarz.

Stolperstein für Hugo Heinrich Schwarz
Stolperstein für Hugo Heinrich Schwarz | Bild: Fröhlich, Jens

Aus der glücklichen Ehe gingen drei Kinder hervor: Margarete, Heinz Julius und Manfred. Hoffnungsvoll blickten sie in die Zukunft, bis zur „Kristallnacht“. Der jüdische Betsaal sowie Teile der Wohnung wurden zerstört. Hugo wurde brutal behandelt und zusammen mit anderen in Schutzhaft im KZ Dachau genommen und mehrfach gefoltert. Zurückgekehrt wurde das Haus verkauft. Die Kinder konnten in die Schweiz gebracht werden. Hugo, Irma, Bertha und Julie mussten bleiben. Zusammen mit sieben Villingern wurden sie ins Lager Gurs deportiert. Im August 1942 wurde Hugo im Convoy 17 nach Auschwitz gebracht und ermordert.

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Irma Schwarz

Irma Schwarz ist 17. Februar 1900 in Archshofen bei Mergentheim als Irma Oberndörfer geboren. 1926 heiratete sie in Stuttgart Hugo Schwarz und zog mit ihm nach Villingen. Irma und Hugo hatten drei Kinder: Margarete, Heinz und Manfred. Sie sind in den Jahren von 1928 bis 1931 geboren. Die Angeben sind ungenau, da kaum Aufzeichnungen aus den Jahren vor 1933 vorliegen. Nur eine Anzeige der Geburt der Kinder und einer Rechnung vom Krankenhaus liegen vor. Erzählungen ihrer Kinder zufolge lag ihre Mutter während der „Kristallnacht“ krank im Bett als NS-Leute das Haus stürmten, den Betsaal zerstörten und vieles auf die Straße warfen.

Stolperstein für Irma Schwarz
Stolperstein für Irma Schwarz | Bild: Fröhlich, Jens

Die Kinder konnten Ende Februar 1939 in die Schweiz gebracht werden, wo sie die Nazi-Zeit überlebten. Das war für die Mutter sicher eine Erleichterung. Vor der Abreise hatte sie ihnen noch neue Kleider genäht. Am 22. Oktober 1940 wurde Irma Schwarz mit ihrem Mann, ihrer Schwägerin und ihrer Schwiegermutter nach Gurs deportiert. Da hatte sie noch Hoffnung, dem Lager zu entkommen und ihre Kinder wieder zu sehen. Irma wurde im August 1942 von Gurs über Drancy nach Auschwitz deportiert und dort noch am Tage ihrer Ankunft umgebracht.

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Julie Schwarz

Juli Schwarz ist am 27. Juni 1903 in Villingen geboren, als jüngstes der sechs Kinder von Bertha und Louis Schwarz. Sie blieb ledig, im Unterschied zu ihren fünf Brüdern. Die meiste Zeit hatte sie in Villingen gelebt, als Haustochter in der Wohnung zusammen mit ihren Eltern in der Gerberstraße 33. Von Herbst 1917 bis Ostern 1919 besuchte sie die St. Ursula Schule. Ihre Verhaltensnoten waren sehr gut, wohingegen ihre Leistungen schwächer waren. Von 1920 bis 1926 wechselte sie immer wieder den Wohnsitz: erst nach Freiburg, dann nach Karlsruhe, von dort nach Mannheim.

Stolperstein für Julie Schwarz
Stolperstein für Julie Schwarz | Bild: Fröhlich, Jens

An einer Stelle ist Verkäuferin als Beruf angegeben. Diesen Beruf hat sie vermutlich auch während der Jahre von 1923 bis 1926 in Karlsruhe ausgeübt, ehe sie nach Villingen zurückkehrte. In den VS-Amtsunterlagen findet sich von ihr lediglich der Geburtsschein sowie ein Vermerk, dass sie zwei Mal bei Wahlen auswärts war. 1940 wurde sie mit sieben Villingern ins Lager Gurs deportiert. Bemühungen um eine Auswanderung schlugen fehl. Julie wurde wenig später mit Convoy 33, wie zuvor ihr Bruder Hugo und Schwägerin Irma, nach Auschwitz gebracht. Bei der Selektion an der Rampe hatte sie keine Chance. Noch am Tag ihrer Ankunft wurde sie ermordet.

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Weitere Termine

Am kommenden Freitag, 18.30 Uhr, geht die Veranstaltungsreihe in die zweite Runde, jedoch nicht wie angekündigt in der Rietstraße, sondern vor dem Haus in der Oberen Straße 1. Hier wird der Familie Boss gedacht. Am 15. Januar findet die Veranstaltung in der Waldstraße 11 statt, am 17. Januar folgt die verschobene Veranstaltung in der Rietstraße 40. Die beiden letzten Treffen finden am 21. und 24. Januar in der Herdstraße 16 und in der Sebastian Kneipp-Straße 36 statt.

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