Villingen-Schwenningen – Wenige Tage, bevor die Bürger von Villingen-Schwenningen am Sonntag, 21. Oktober, zum zweiten Mal an die Wahlurne treten, um ihre Stimme bei der Wahl des künftigen Oberbürgermeisters ihrer Stadt abzugeben, lud der SÜDKURIER am Montag zu einer finalen Debattenrunde. Rund 350 Zuhörer nutzten die Gelegenheit, die drei erstplatzierten Kandidaten von Wahlgang eins, Jürgen Roth, Jörg Röber und Marina Kloiber-Jung, im direkten Vergleich zu erleben. Im Theater am Ring ging es um Bürgernähe, den Bau neuer Sporthallen und die Frage, ob gemeinsame Vorwahlen die Stadt endlich zusammenbringen. Die drei Kandidaten legten sich mächtig ins Zeug, um die Zuhörer von sich zu überzeugen.

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Bevor sich die Kandidaten den Fragen der Redakteure Claudia Hoffmann und Eberhard Stadler stellten, wollte zunächst SÜDKURIER-Redaktionsleiter Norbert Trippl jeweils im Einzelinterview wissen, wie die Kandidaten „ticken“. Warum wollen sie Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen werden, welche Eigenschaften muss der künftige OB der Doppelstadt mitbringen, welche Maßnahmen stehen ganz oben auf der Agenda. Die Aussagen langen eng beieinander.

  • Kitaplätze: Die Schaffung zusätzlicher Kitaplätze, Schul- und Straßensanierung, Modernisierung der Verwaltung hatten bei allen Kandidaten oberste Priorität. Marina Kloiber-Jung brachte zudem die Schaffung von sozialem Wohnraum ein, Jörg Röber favorisierte zusätzlich die Optimierung des Standortmarketings. Bei der Frage nach der Finanzierung würde Jürgen Roth „einen Schluck aus der Pulle nehmen“ und die notwendigen finanziellen Mittel aus den Rücklagen entnehmen. „Ich glaube, die Seele der Bürger braucht das.“ Als zukünftiger OB wolle er „für die Stadt brennen und ein Anwalt für die Bürger sein.“ Marina Kloiber-Jung wolle genau abwägen, welche Angelegenheiten dringend in Angriff und welche vorerst liegen gelassen werden können. „Die Gelder sind vorhanden, wir müssen uns fokussieren, was wir machen.“ Sie wolle die Verwaltung als guten Dienstleister darstellen und das Wir-Gefühl stärken und als künftige Oberbürgermeisterin bürgernah sein. Jörg Röber wolle zur Umsetzung der Maßnahmen die gute wirtschaftliche Situation nutzen und Haushaltsreste abarbeiten. „Und künftig nur Projekte aufnehmen, die wir auch abarbeiten können.“ Als OB setze er auf Teamgeist in der Verwaltung. „Ein OB ist kein Alleintänzer, sondern braucht ein starkes Team.“
  • Neues Domizil für Stadtverwaltung: Die SÜDKURIER-Redakteure Claudia Hoffmann und Eberhard Stadler wollten von den Kandidaten wissen, wie sie zu verschiedenen Punkten stehen, die in Villingen-Schwenningen derzeit aktuell sind. „Machen oder lassen“, lautete die Frage etwa zum Verwaltungsgebäude auf dem ehemaligen Mangin-Gelände. „Machen, sofern wirtschaftlich“, lautete die einhellige Antwort.
  • Steuersätze: Dass das künftige Stadtoberhaupt den Gewerbesteuerhebesatz senken werde, halten dagegen alle drei Kandidaten nicht für sehr wahrscheinlich. „Die Einnahmen sind notwendig, um die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur, Kindergärten, Straßen, ÖPNV beizubehalten und weiter voranzutreiben“, so Kloiber-Jung. Auch Röber würde den Hebesatz „nicht verändern. Aber ich würde die Rückzahlungen an die Unternehmen verbessern, das haben die Unternehmer verdient. Sie sind das Rückgrat unserer Stadt.“ Auch Roth signalisierte, dass der Hebesatz trotz Rekordeinnahmen von 50 Millionen Euro nicht sinken werde. „Das lassen die bevorstehenden Aufgaben nicht zu.“ Außerdem müsse von den Einnahmen ja auch wieder Geld abgegeben werden.
  • Teilorte: Wie die schlechte Stimmung in den Ortsteilen verbessert werden könne, die in der Ausweisung neuer Baugebiete derzeit beschnitten sind, wollten die Fragensteller ebenfalls wissen. Auch hier die nahezu deckungsgleiche Antwort der Kandidaten. Man müsse den Ortsteilen Raum zur Weiterentwicklung geben. Gegen eine maßvolle Entwicklung habe man keine Einwände, allerdings müsse berücksichtigt werden, dass auch die Infrastruktur wie Straßen und Kindergärten, mit einer wachsenden Einwohnerzahl in den Ortsteilen mitwachsen müsse.
  • Müllsünder in der Stadt: Weiter sprachen sich die Kandidaten für eine bessere Überwachung gegen Müllsünder und Verschmutzung durch zusätzliches Personal aus, ein sauberes Stadtbild steigere die Lebensqualität.
  • Tourismus: Auch wolle sich jeder einzelne der Kandidaten dafür stark machen, dass dem Wald neben seiner wirtschaftlichen Funktion mehr touristische Bedeutung beigemessen wird, auch wenn dadurch die Walderlöse sinken. Und auch den Ausbau von Radwegen sehen Roth, Röber und Kloiber-Jung als „dringend erforderlich, um den Bedarf zu decken, den Radverkehr in der Stadt und in den Ortsteilen zu stärken und so auch die Straßen zu einem gewissen Teil zu entlasten“.
  • Die Fragen des Gewerbevereins: Auch die Zuhörer hatten Gelegenheit, Fragen an die Kandidaten zu richten. Rainer Böck vom Gewerbeverband Oberzentrum GVO wollte wissen, welchen Stellenwert die im Stadtentwicklungsprogramm ISEK aufgeführten Projekte haben. Und wen sich der künftige OB als Koordinationspartner vorstellen könne. Die Konzepte seien gut und dürfen nicht in der Schublade verschwinden, so die Meinung. Als starke Koordinationspartner könne man sich etwa den GVO sowie die Industrie- und Handelskammer vorstellen. „Auf die Expertisen aus dem Expertenkreis kann man nicht verzichten“, so Roth. Die Frage von Tanja Broghammer zielte auf die künftige Zusammenarbeit zwischen Einzelhandel und Stadt ab, die in der Vergangenheit nicht optimal war. Hier betonten die Kandidaten, man wolle auf Augenhöhe zusammenarbeiten, um die großen Herausforderungen gemeinsam zu bestehen, so Kloiber-Jung.
  • Die Frage des Chefarztes: Die Frage von Paul Graf La Rosée, Chefarzt für Innere Medizin am Schwarzwald-Baar-Klinikum, zielte auf die Gewinnung nicht nur von Fachkräften im Gesundheitsbereich für die Region ab, die in starker Konkurrenz zur nahen Schweiz stehe. Wie Roth sagte, müsse die Bleibekultur insbesondere für ausländische Mitarbeiter ausgebaut und mit allen Mitteln versucht werden, hochqualifizierte Fachkräfte zu halten. Jörg Röber konkretisierte, dass bestimmte Faktoren wie Kindergartenplatz und zur Verfügung stehender Wohnraum wichtige Kriterien seien, Fachkräfte zu halten. Marina Kloiber-Jung sagte, man müsse „ein guter Arbeitgeber mit Vorbildfunktion hat zufriedene Mitarbeiter. Hier müssen alle Register gezogen werden, um die Mitarbeiter zu halten.“
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