Nur mit knapper Not rettete sich Jörg Röber, der von Grünen und SPD unterstützte unabhängige Kandidat, in den zweiten Wahlgang. Die Nervenanspannung hielt gestern Abend lange an, erst nach dem Auszählen der letzten Wahlbezirke war es klar. Sein Kontrahent, der unter anderem von der CDU unterstützte Tuninger Bürgermeister Jürgen Roth verfehlte knapp die absolute Mehrheit: 48,1 Prozent erzielte Roth, Röber kam auf 35,4 Prozent, bereits weit abgeschlagen lag die Leiterin der Technischen Dienste, Marina Kloiber-Jung, mit 12,2 Prozent auf dem dritten Rang.

Enges Ergebnis in Villingen

Röber dürfte dabei ausgerechnet sein vergleichsweise gutes Abschneiden in Villingen geholfen haben, sein Mindestziel zu erreichen: Dort kam er auf ansehnliche 40,1 Prozent, Jürgen Roth dagegen, der in Villingen aufwuchs, erzielte ausgerechnet hier nur 43,3 Prozent. Kloiber-Jung erhielt 12,8 Prozent. Roths Erfolge liegen überraschenderweise anderswo: in Schwenningen mit 53,5 Prozent und den früheren Schwenninger Stadtbezirken Mühlhausen (60,7 Prozent) sowie Weigheim (71,7 Prozent). Hier räumte Roth richtig ab, und die Frage nach dem Warum dürfte sich in den nächsten zwei Wochen stellen.

Liegt es am nahen Tuningen, an der niedrigen Wahlbeteiligung, wie Kontrahent Röber vermutete, oder eben doch auch daran, dass sich die Schwenninger von der Politik des bisherigen Amtsinhabers Rupert Kubon abgehängt fühlen und Röber indirekt einen Denkzettel verpassten? Hier, vor allem in Schwenningen selbst, wird Jörg Röber in zwei Wochen besser als die jetzt erzielten 29,6 Prozent punkten müssen, möchte er als Oberbürgermeister der Stadt VS gewählt werden.

Cristilli chancenlos

Die Reihenfolge in den meisten Stadtbezirken war mir Roth an der Spitze und einem mit einem mehr oder weniger großen Abstand folgenden Röber festzementiert: Nur selten gelang es, dies zu durchbrechen. So ging Weilersbach mit 45,8 Prozent an Roth, Rietheim sogar mit 49,5 Prozent, Pfaffenweiler mit 44,9 Prozent und Obereschach mit 51,6 Prozent. In Marbach dagegen kam Jörg Röber auf 41,5 Prozent, Jürgen Roth auf 37,9 Prozent. In Tannheim schaffte OB-Referent Röber 37,9 Prozent, Roth 37,3 Prozent und Kloiber-Jung immerhin 22,2 Prozent. In Herzogenweiler, dem kleinsten Stadtbezirk, schob sich Kloiber-Jung mit 29,4 Prozent einmal auf den zweiten Platz vor. Roth lag auch hier mit 48,2 Prozent in Front. Röber erzielte seine besten Ergebnisse in Villingens Innenstadt mit 47,1 Prozent (Wahllokale Karl-Brachat und Kaufmännische Schulen).

Melissa Wall und Harald Schabinger bringen die Stimmen aus der Wöschhalde ins Rathaus. Bild: Claudia Hoffmann
Melissa Wall und Harald Schabinger bringen die Stimmen aus der Wöschhalde ins Rathaus. Bild: Claudia Hoffmann | Bild: Hoffmann, Claudia

Noch ein Wort zu den anderen Kandidaten – sie rangierten meist unter ferner liefen. Dabei machte auch der etwas höher eingeschätzte Betreiber eines Fitnessclubs und ehemalige Geschäftsführer des Fußballvereins FC 08, Gaetano Cristilli, keine Ausnahme. Er erhielt stadtweit nur 2,2 Prozent der Stimmen, eine Ausnahme bildete dabei das Wahllokal im David-Fuchs-Haus an seinem Wohnort, dem Schilterhäusle: Bei diesem Heimspiel erreichte er mit 14,9 Prozent sein weitaus bestes Ergebnis. Inzwischen zog er die Konsequenzen aus seinem stadtweit schlechten Abschneiden, er wird im zweiten Wahlgang nicht mehr antreten. Die zwei anderen Kandidaten liegen weit abgeschlagen zurück, der Schwenninger Cem Yazici erzielte 1,5 Prozent (mit einem kleinen Achtungserfolg in der Neckarschule) und die Sindelfinger Dauerkandidatin Fridi Miller 0,5 Prozent.

Zwischen Hoffen und Bangen: Jörg Röber und seine Frau Christine Röber-Nägele bei der Wahlparty im Gerber-Eck. Bild: Gerhard Hauser
Zwischen Hoffen und Bangen: Jörg Röber und seine Frau Christine Röber-Nägele bei der Wahlparty im Gerber-Eck. Bild: Gerhard Hauser | Bild: Hauser, Gerhard

Bei der Briefwahl stimmten etwas über 6300 Bürger ab – auch hier gewann Jürgen Roth (49,8 Prozent) vor Jörg Röber (35,5 Prozent) und Marina Kloiber-Jung (11,4 Prozent).

Nicole Kostka und Kim Mink (von links) erfassen die Wahlergebnisse im Rathaus und überprüfen diese gleich. Um 18.20 Uhr liegt das erste Ergebnis vor. Bild: Claudia Hoffmann
Nicole Kostka und Kim Mink (von links) erfassen die Wahlergebnisse im Rathaus und überprüfen diese gleich. Um 18.20 Uhr liegt das erste Ergebnis vor. Bild: Claudia Hoffmann | Bild: Hoffmann, Claudia