Blumberg und die Stadtteile hätten sich ohne den Bau des Klärwerks Achdorf und später des Klärwerks Fützen nicht so entwickelt, wie sie es getan haben. Die geordnete Abwasserbeseitigung samt der damit verbundenen Abwasserbehandlung war Voraussetzung, um neue Baugebiete ausweisen zu können. Nach der am 1. Januar 1971 begonnenen und 1975 vollendeten Eingemeindung der acht umliegenden Ortschaften war dies eine Herkulesaufgabe. Jeder Ort hatte sein eigenes Kanalnetz, und dies musste zu einem Gesamtnetz zusammengeführt werden. Ein Meilenstein war der Bau des Klärwerks Achdorf, das seinen Nutzen in den 1980er Jahren zu entfalten begann.

Dieses Luftbild von 2021 zeigt die komplette Kläranlage in Achdorf aus einer schönen Perspektive. Im Vergleich zum anderen Bild sind hier die während der Erweiterung in den 1990er-Jahren hinzugekommene Halle sowie das weitere Belebungsbecken links gut zu erkennen. Bild: Simon Bäurer
Dieses Luftbild von 2021 zeigt die komplette Kläranlage in Achdorf aus einer schönen Perspektive. Im Vergleich zum anderen Bild sind hier die während der Erweiterung in den 1990er-Jahren hinzugekommene Halle sowie das weitere Belebungsbecken links gut zu erkennen. Bild: Simon Bäurer | Bild: Simon Bäurer

Die Abwasserbeseitigung begann in den 1930er Jahren

Die Abwasserbeseitigung der heutigen Kernstadt Blumberg reicht bis in die 1930er-Jahre zurück, als im Zuge der Entstehung der Bergarbeitersiedlung eine Kanalisation sowie oberhalb der Mühle im „Städtle“ eine Kläreinrichtung gebaut wurden. In diesem Klärwerk wurde das Abwasser mechanisch gereinigt, bevor es dann in den Schleifenbach eingeleitet wurde und hinunter nach Achdorf in die Wutach floss.

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Der Bau des Klärwerks Achdorf

Bedingt durch die ständige Entwicklung der Stadt Blumberg, die mit der Eingemeindung der ersten Ortsteile Mitte der 1970er-Jahre sowie umwelttechnischer Gesichtspunkte wurde ein gesamtstädtisches Abwasserkonzept entwickelt. Kernstück dieser Planung war der Neubau einer mechanisch-biologischen Sammelkläranlage im Ortsteil Achdorf an der Wutach mit einer Ausbaugröße von 16.000 Einwohnerwerten. Während einer zweijährigen Bauzeit in den Jahren 1977 bis 1979 entstanden zunächst ein Vorklärbecken, ein Belebungsbecken, ein Nachklärbecken, der Faulturm sowie das Betriebsgebäude. Zeitgleich erfolgte in dieser Zeit der Bau des Zuleitungssammlers von Blumberg nach Achdorf. Dies gestaltete sich als äußerst schwierig, da dafür die Durchquerung des Schleifenbachtals notwendig war. Durch diesen Anschluss war es schließlich möglich, auch weitere Ortsteile wie Riedböhringen oder Kommingen an das Klärwerk Achdorf anzuschließen.

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Die Erweiterung der Anlage

Ausgelöst durch die in den 1980er-Jahren aufgetretenen Umweltbelastungen in der Nord- und Ostsee durch Stickstoff-Überfrachtungen und dem damit verbundenen Robbensterben, wurden vom damaligen Bundesumweltministerium weitere Reinigungsanforderungen für Kläranlagen vorgeschrieben. Diese bezogen sich vor allem auf den Abbau von Stickstoff- und Phosphorbelastungen, um vermehrte Algenbildung, die dem Wasser Sauerstoff entzog, zu verhindern. 1995 begannen daher die Bauarbeiten für die Erweiterung des Klärwerkes Achdorf. In einer fast vierjährigen Bauzeit musste die biologische Stufe zur Abwasserbehandlung um ein weiteres Belebungsbecken erweitert werden. Im gleichen Zeitraum wurde zur optimalen Schlammentwässerung eine neue Halle mit einer Kammerfilterpresse gebaut. Sie kann den Klärschlamm auf einen Trockengehalt von circa 30 Prozent auspressen.

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Ebenfalls eingebaut wurde eine Gasumwälzung, um die Gasgewinnung zu erhöhen. Mit dem erzeugten Klärgas und einem neu erstellten Blockheizkraftwerk kann heute circa 40 Prozent des Strombedarfs der Anlage selbst erzeugt werden. Die dabei entstehende Abwärme wird zum Beheizen des Faulturmes sowie des Gebäudes genutzt. Durch ein installiertes vollelektronisches Prozessleitsystem können die Mitarbeiter die weiteren im Einzugsgebiet liegenden Anlagenteile, wie in Fützen, von Achdorf aus steuern und überwachen. Zusammen mit der Anlage in Fützen kommt die Kläranlage insgesamt auf eine Leistungsfähigkeit von 28.100 Einwohnerwerte. Das Abwasser von Nordhalden und Neuhaus wird in der gemeinsamen Kläranlage „Oberes Bibertal“ der Stadt Tengen und den Schweizer Reiat-Gemeinden gereinigt. Die jüngste Erneuerung der Kläranlage war die Ersatzbeschaffung eines neuen Rechens im Jahr 2018, mit welchem die Grobreinigung von zum Beispiel Feuchttüchern besser gelingt.

Der Weg vom Abwasser in die Wutach

Sobald das Abwasser über das Kanalnetz im Klärwerk Achdorf angekommen ist, findet zunächst die Grobreinigung des Abwassers statt. Hierzu gehören das Durchlaufen des Rechens, welcher allerlei Klopapier, Feuchttücher und ähnliches siebt. Anschließend gelangt das Abwasser zum einen in den Sandfang sowie den Fettfang, in dem eine weitere Behandlung des Wassers stattfindet. Danach wird das Wasser in das sogenannte Vorklärbecken geleitet. Bis zu diesem Schritt spricht man von einer reinen mechanischen Reinigung des Abwassers. Ist dieser Arbeitsgang beendet, wird das Wasser in das Belebungsbecken geleitet, in welchem die im Abwasser gelösten organischen Stoffe wie Phosphate und Stickstoffverbindungen durch Bakterien und andere Mikroorganismen abgebaut werden. Im Nachklärbecken kann sich der enthaltene Klärschlamm absetzen und wird dann in den Faulturm geleitet. Das nun gereinigte Wasser wird der Wutach zugeführt. Bei Regenwetter können bis zu 230 Liter pro Sekunde an gereinigtem Wasser in die Wutach abgeführt werden. In Trockenzeiten können dies auch nur 100 Liter pro Sekunde sein.

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Wasser ist für die Menschheit und die gesamte Natur unentbehrlich. Da die Mengen an sauberem Trinkwasser aber endlich sind ist es notwendig, das verschmutzte Abwasser wieder zu reinigen und in den natürlichen Wasserkreislauf zurückzugeben. Die Reinnigung erfolgt in den beiden Kläranlagen Achdorf und Fützen erfolgt.

Diese Orte sind angeschlossen

98 Prozent der Haushalte der Gemeinde Blumberg mit allen Ortsteilen sowie den Ortsteilen Ewattingen und Münchingen der Gemeinde Wutach sind an eine der beiden Kläranlagen angeschlossen. Aussiedlerhöfe wie der Steppacher Hof oder die Schabelhöfe bei Riedöschingen sind aktuell nicht an das Kanalnetz angeschlossen. Sie besitzen eigenständige unterirdische Sammelbecken, von welchen in regelmäßigen Abständen das Abwasser in das Klärwerk Achdorf abgefahren wird.