Tübingen bleibt im Kampf gegen Corona Vorbild. Seit Mitte März können Bürger sich dort testen lassen und erhalten bei negativem Ergebnis ein Tagesticket. Damit können sie in Geschäften einkaufen, in Museen und Kinos und die Außengastronomie nutzen. Das Stuttgarter Sozialministerium hat das Modellprojekt am Freitag um zwei Wochen bis zum 18. April verlängert.

Viele Anträge für Modellregion

Auch im SÜDKURIER-Land wollen immer mehr Städte und Landkreise ebenfalls Modellregion werden. Die Liste wird täglich länger: Darunter sind Städte wie Singen, Villingen-Schwenningen, Waldshut-Tiengen, der Landkreis Tuttlingen, Rottweil, um nur ein paar zu nennen.

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Darunter sind auch Donaueschingen, Blumberg, Hüfingen und Bräunlingen, das Städteviereck der Südbaar. Sie wollen gemeinsam „ländliche Modellregion“ werden, so haben es die Bürgermeister im Antrag an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozialminister Manne Lucha formuliert. Die nötigen Testkapazitäten wären vorhanden. Doch das Sozialministerium in Stuttgart will zuerst die Ergebnisse aus Tübingen auswerten, mit den kommunalen Spitzenverbänden reden und ein Konzept für weitere Modellregionen entwickeln.

Der Arzt Michael Fritzer aus Villingen ist Betriebsarzt für Blumberg und weitere Städte in der Region. Bild: Bernhard Lutz
Der Arzt Michael Fritzer aus Villingen ist Betriebsarzt für Blumberg und weitere Städte in der Region. | Bild: Lutz, Bernhard

Unterstützung erhält namentlich die Südbaar auch vom Wahlkreisabgeordneten und Landesjustizminister Guido Wolf. In einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann bittet Wolf ihn, das Modellprojekt zu unterstützen und weist auch auf die Auswirkungen eines weiteren Lockdowns für die Wirtschaft, die soziale Struktur und die Menschen hin.

Donaueschinger Arzt kritisiert Verzögerung

Unmut über die gefühlte Verzögerung regt sich auch bei den Ärzten: Auf die Berichterstattung des SÜDKURIER meldete sich der Donaueschinger Augenarzt Gerd Walter. Mit Verweis auf ein Interview der Tübinger Ärztin Lisa Feederle beim Sender ntv mit dem Titel „Ich habe einfach losgelegt“ fragt Walter: Warum machen wir nicht einfach? Der Medizinier betont: „Das mögliche Risiko nimmt uns auch Herr Lucha nicht ab.“

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„Warten kostet zu viel Zeit“

Unterstützung erhalten die Südbaar und die anderen Städte auch von dem Arzt und Notarzt Michael Fritzer aus Villingen. Fritzer, Betriebsarzt für Blumberg und im Team auch Betriebsarzt für Unterkirnach, Tuningen, Brigachtal und Bonndorf, begrüßt die Anträge. „Ich finde es wichtig, weil dadurch die Wirtschaft, die Betriebe und Geschäfte wieder länger öffnen und damit auch mehr Umsatz erwirtschaften könnten.“

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Dass das Stuttgarter Sozialministerium vor einer Entscheidung über neue Modellregionen zuerst die Ergebnisse aus Tübingen auswerten will, hält er für den falschen Weg. „Das kostet meiner Meinung nach zu viel Zeit“, erklärt der engagierte Mediziner, der ab 1. April auch noch als einer der Notärzte für Blumberg am neuen Standort beim Längehaus tätig sein wird.

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Wichtig sei neben der Wirtschaft auch der sportliche Bereich: „Als Betriebsarzt erhalte ich oft die Rückmeldung, dass die Leute Corona-Kilos ansetzen, weil sie zu wenig nach draußen kommen und ihrem geliebten Sport nicht nachgehen können.“ Wenn diese Entwicklung so weiterginge, wäre die Gefahr groß, „dass die Bevölkerung noch mehr an Gewicht zunimmt“, sprich dass immer mehr Menschen übergewichtig würden und damit die ganzen Zivilisationskrankheiten wie Zucker oder Herzinfarkte deutlich zunehmen könnten.