Wie empfinden Sie den Schul-Lockdown für sich und Ihr Kind?

Mutter: Die Situation zehrt sehr an den Nerven und bringt einen wirklich an seine Grenzen. Natürlich versucht man immer das Beste aus allem zu machen, aber es gibt auch Tage, an denen dies nicht so gut funktioniert.

Welche Faktoren führen denn dazu, dass manchmal Ihre Nerven blank liegen?

Mutter: Einerseits ist es gut, dass die Kinder zu Hause bleiben, um so wenig Kontakte wie möglich zu haben. Jedoch schlägt das stetige Daheimsein auf die Stimmung. Die fehlenden sozialen Kontakte belasten enorm. Gerade in Familien mit mehreren Kindern ist der Alltag besonders schwer. Wenn die Kinder noch jünger sind, benötigen sie viel Aufmerksamkeit. Viele Eltern können diese aber nicht aufbringen, da sie im Homeoffice sind und selbst arbeiten müssen. Es stellt sich außerdem die Frage, ob die technischen Voraussetzungen überhaupt gegeben sind.

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Habt ihr beziehungsweise haben Sie die technische Ausstattung, die für den digitalen Fernunterricht nötig ist?

Emin (8): Die technische Ausstattung wäre bei mir kein Problem. In der Grundschule arbeiten wir jedoch gerade noch mit Lernplänen. Allerdings möchte unsere Lehrerin bald mit uns unsere erste Videokonferenz machen.

Petar (16): Die technische Ausstattung war bei mir anfangs ein Problem. Glücklicherweise gab es am BSZ Stockach das Angebot, dass wir Schüler, wenn nötig, ein Tablet ausleihen können.

Basil Ott: Wir Lehrkräfte am BSZ Stockach haben das Glück, dass jeder von uns mit einem Tablet ausgestattet ist. Dies erleichtert den Unterricht mithilfe von Videokonferenzen, aber auch das Einstellen und Einsammeln von Arbeitsaufträgen mithilfe der Plattform Moodle.

Kommt ihr beziehungsweise kommen Sie zurecht mit der Organisation und der Aufteilung der Aufgaben?

Emin (8): Es kommt sehr darauf an, wie schwierig die Aufgaben sind. Bei schwierigeren und längeren Aufgaben brauche ich Hilfe, bei einfacheren nicht.

Petar (16): Die Online-Aufgaben machen mir keine Probleme, jedoch überfordert mich teilweise die Fülle der Aufgaben und ich verliere den Überblick. Die meisten Lehrer lassen uns aber genügend Zeit für die Aufgaben.

Basil Ott: Das Unterrichten in Form von Onlineunterricht hat seine Besonderheiten und erfordert neue Herangehensweisen. Wir haben aus dem ersten Lockdown gelernt und versuchen, das Beste daraus zu machen. Dies sieht man am diesjährigen Karrieretag, der erstmalig digital stattfand.

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Würdet ihr oder würden Sie den Online- oder Präsenzunterricht bevorzugen?

Emin (8): Eindeutig den Präsenzunterricht! Da wird dir alles erklärt und man kann in der Pause mit seinen Freunden spielen.

Petar (16): Ich bevorzuge den Präsenzunterricht, weil man im Fernunterricht weniger lernbereit ist und die Lehrer uns weniger zeigen können. Die sozialen Kontakte in der Schule fehlen einfach.

Basil Ott: Der Fernunterricht ist derzeit noch nicht in der Lage, den Präsenzunterricht vollständig zu ersetzen, da das Zwischenmenschliche nur eingeschränkt möglich ist und Gestik und Mimik verloren gehen. Auch ist es leichter, Schüler im Präsenzunterricht zu motivieren.

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Wie würden Sie als Mutter die Situation im Schul-Lockdown 2.0 beurteilen?

Mutter: Generell finde ich, dass der Schul-Lockdown die richtige Entscheidung war. Man sollte sich jedoch fragen, ob nicht zu spät gehandelt wurde. Bei vielen, egal ob bei Eltern oder Schülern, ist die Luft raus.

Die Klasse!-Reporter führten dieses Interview mit einer Mutter, dem Grundschüler Emin (8), dem Berufsschüler Petar (16) und Basil Ott, Lehrer am Berufsschulzentrum Stockach.