Den ganzen Tag Menschen im Auto herumfahren, wenn man sich einen entspannten Ruhestand machen könnte – warum tut man das? Reinhard Eppler muss nicht lange überlegen. Als er in Rente gegangen sei, habe ein Vereinskollege ihn auf die ehrenamtliche Arbeit im Fahrdienst der Stockacher Malteser aufmerksam gemacht. „Wenn man gesund ist, kann man auch anderen Menschen helfen“, sagt Eppler. Seit zwei Jahren gehört er nun zu den Ehrenamtlichen, die die Fahrdienste übernehmen. In der Regel ist er montags dran. Diese Tätigkeit gibt ihm auch Erfüllung, erzählt der 65-Jährige: „Wenn man sieht, dass sich die Leute freuen, freut es einen auch selbst.“

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Doch was hat es mit den Fahrdiensten der Malteser überhaupt auf sich? Menschen, die Hilfe brauchen und nur über einen kleinen Geldbeutel verfügen, können diese in Anspruch nehmen, erklärt Ulf Wieczorek, Stadtbeauftragter der Malteser für Stockach. Konkret geht es dabei darum, Menschen Besorgungen zu ermöglichen, die sie sonst nicht machen könnten, weil sie in Ortsteilen leben, in denen es wenig Infrastruktur gibt, weil sie sich ein Taxi nicht leisten können oder weil sie sonst niemanden haben, der sie fahren könnte – etwa wenn alle Angehörigen im Berufsleben stehen.

Häufig seien die Menschen, die die Fahrdienste in Anspruch nehmen, auch krank oder nicht mehr gut zu Fuß. „Für ältere Leute, die nicht mehr Auto fahren oder zu Fuß gehen können, ist das auf dem Land ein echtes Defizit“, sagt Wieczorek. Aber: „Wer mitfährt, muss selber in ein Auto einsteigen können“, erklärt Eppler. Für den Rollstuhltransport hätten die Fahrer keine Ausbildung.

Der Dienst der Malteser sei indes nicht als Konkurrenz zu Taxi-Unternehmen zu verstehen, das betont Wieczorek. Daher sind die Fahrdienste auf die Personengruppe der Hilfsbedürftigen beschränkt – wie überhaupt die ganze Arbeit der Stockacher Malteser sich auf diese Gruppe konzentriere. Deswegen brauchen die Fahrer der Malteser auch keinen Personenbeförderungsschein wie ein Taxifahrer. Die Fahrtauglichkeit werde aber regelmäßig untersucht, so Wieczorek.

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Und mit dem Privatauto treten die Malteser auch nicht an. Der Ortsverein hat ein eigenes Auto, allein schon wegen der Versicherung. Außerdem müssen alle, die von einem Malteser-Fahrer mitgenommen werden wollen, sich mindestens einen Tag vorher anmelden. Der Bürodienst im Quartier in der Kaufhausstraße plant dann die Fahrten.

Die Art der Besorgungen, um die es bei den Fahrdiensten geht, ist vielfältig. Ein Rezept vom Arzt abholen, zu Bank oder Post gehen oder auch einfach nur Lebensmittel einkaufen – das alles zählt Wieczorek auf. Ein Ursprung des heutigen Fahrdienstes liege indes ganz woanders, sagt er, nämlich bei den Friedhofsfahrten, die einst auf Anregung des inzwischen verstorbenen Stockacher Ehrenbürgers Heinrich Wagner entstanden seien. Die Idee dahinter: Ältere Leute haben es häufig schwer, die Gräber von verstorbenen Angehörigen aufzusuchen. Auch Einkaufsfahrten gibt es schon länger.

Von den Mitfahrern werde ein eher symbolischer Preis verlangt, sagt Wieczorek – und das wiederum sei möglich, weil die Bürgerstiftung Stockach den Verein unterstütze. Die Fahrer machen ihre Arbeit komplett ehrenamtlich. Die Fahrgelder fließen beispielsweise in den Unterhalt des Autos. Für viele Menschen seien die Fahrer der Malteser wirklich von Bedeutung, sagt Wieczorek. Und sein Stellvertreter Heinz Martin kann das mit einer Zahl unterfüttern: Seit Jahresbeginn bis Mitte Juli habe man etwa 500 Einzelfahrten gezählt. Etwa 50 bis 60 Personen würden den Dienst derzeit nutzen, schätzt er.

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Wie bei vielen ehrenamtlich tätigen Organisationen, gibt es auch bei den Maltesern Personalsorgen: „Bei Krankheiten oder Urlaub könnte es knapp werden“, sagt Fahrer Reinhard Eppler. Dabei ist für ihn klar: „Das ist eine absolut erfüllende Tätigkeit.“

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