Der Rollstuhl war für ihn noch nie ein Grund, etwas nicht zu tun. Ganz im Gegenteil: Hellmuth Hannemann ist sogar engagierter als viele andere. Er setzt sich eigentlich schon sein ganzes Leben für seine Mitmenschen ein – auch jetzt im Pflegeheim.

Der 66-Jährige wurde in Bühl geboren und zog später mit seinen Eltern nach Ludwigshafen. Er hat von Geburt an eine spastische Lähmung und ist trotz einer späteren Operation seit einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen. Dennoch konnte Hannemann auf Bestreben seiner Mutter ab dem Alter von 14 Jahren auf die Sernatingenschule in Ludwigshafen gehen. „Die Inklusion war damals ohne Riesenaufwand oder Gesetze möglich“, erzählt er.

Seine Mitschüler hätten ihn unterstützt, wenn er in der nicht barrierefreien Schule Hilfe gebraucht habe. „Sie haben mich die Treppen rauf und runter getragen.“ Seine Eltern hätten ihn nie versteckt und besonders seine Mutter habe ihn immer gefördert.

Ehrenamt im Ort und Landkreis

1975 lernte Hellmuth Hannemann in einer Kur seine Ehefrau Karin kennen, mit der er vor zwei Jahren ins Pflegeheim in Stockach gezogen ist. Das Paar lebte zuvor in Ludwigshafen. Hannemann kümmerte sich immer um Hilfesuchende und seine Mitbürger: Von 1980 bis 2016 war er der Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland im Kreis Konstanz, bekam unter anderem die Landesehrennadel verliehen und war ab 2004 zwei Wahlperioden lang Gemeinderat in Bodman-Ludwigshafen. „Das erste Mal hatte ich 700 Stimmen, beim zweiten Mal 1100 Stimmen. Das ist ein Zeichen, dass ich alles richtig gemacht habe“, sagt er.

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Die Sernatingenschule sei in Hannemanns erster Amtsperiode als Gemeinderat umgebaut worden und habe dabei einen Aufzug bekommen. Plattform-Aufzüge seien in öffentlichen Gebäuden nicht zulässig, deshalb sei es einer mit Schacht geworden, erläutert er. „Ich habe versucht, mit dem Baurechtsamt zu verhandeln, aber da war nichts zu machen.“

Er habe sich immer reingehängt. Er sei so erzogen worden, Versprechen zu halten, sagt er. In Stockach kümmerte er sich gemeinsam mit Ordnungsamtsleiter Peter Fritschi um die Behindertenparkplätze. „Wir sind eine Stunde lang gemeinsam im Auto herumgefahren und haben uns alles angeschaut“, erinnert sich der 66-Jährige.

Wie sich Hellmuth Hannemann heute engagiert

Die Räder drehen sich auch heute immer weiter: Hannemann ist nicht nur für sich in seinem elektrischen Rollstuhl unterwegs, sondern steht auch anderen zur Seite. „Ab und an helfe ich hier im Haus und kümmere mich darum, wenn etwas zu einem Arzt zu bringen ist“, erzählt er.

Außerdem habe er zum Beispiel in allen Räumen die Fernsehsender so in Listen programmiert, dass diese sich nicht mehr beim versehentlichen Herumdrücken auf den Fernbedienungen verstellen können. Es sind Kleinigkeiten, aber für den Alltag wichtig. „Der Hausmeister hätte die Zeit dazu nicht“, erklärt Hellmuth Hannemann, der weiter ehrenamtlich aktiv bleiben will. Aber er hat auch noch ein anderes Ziel: Er ist mit seiner Frau seit 42 Jahren verheiratet und möchte die 50 schaffen.