Im normalen Leben sind Camillo Pohl und Ruben Schleuter Schüler der Waldorfschule im Stockacher Stadtteil Wahlwies. Doch einmal in der Woche, mittwochs um 17.30 Uhr, schlüpfen sie in ihre zweite Identität. Dann verwandeln sich die beiden Schüler mit ihrem Mentor Adil Asfoor in die Reboots. Mit dem Projekt wollen Adil Asfoor, Camillo Pohl und Ruben Schleuter Hilfe zu Selbsthilfe leisten.

Selbst mitanpacken ist bei den Reboots gefragt (v.l.): Adil Asfoor zeigt Ilyas Ilyas und Saman Dawood wie sie ihre kaputen Geräte wieder zum Leben erwecken können.
Selbst mitanpacken ist bei den Reboots gefragt (v.l.): Adil Asfoor zeigt Ilyas Ilyas und Saman Dawood wie sie ihre kaputen Geräte wieder zum Leben erwecken können. | Bild: Matthias Güntert

Gemeinsam mit Flüchtlingen aus der Gemeinschaftsunterkunft in der Zoznegger Straße reparieren sie PCs, Laptops und Handys. Die beiden Schüler bieten eine qualifizierte und leicht verständliche Anleitung, damit geflüchtete Jugendliche Schritt für Schritt lernen, kaputte Geräte wieder zum Leben zu erwecken. „Wir wollen eine Begegnung auf Augenhöhe schaffen, keine Klassenzimmeratmosphäre“, sagt Adil Asfoor.

Technik im Blut: Ruben Pohl erklärt das Innenleben eines Laptops.
Technik im Blut: Ruben Pohl erklärt das Innenleben eines Laptops. | Bild: Matthias Güntert

Einfach die nicht mehr funktionsfähigen Geräte bei den Reboots abgeben, geht aber nicht. „Wir sind keine Reparaturwerkstatt“, sagt Adil Asfoor. Vielmehr heißt es selber kräftig anpacken: Bei kniffligen Reparaturproblemen soll gemeinsam nach Lösungen gesucht werden. „Jeder kann so seine Fähigkeiten einbringen“, erklärt Ute Kohlmann von der Kulturbrücke Stockach.

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Der Verein arbeitet ehrenamtlich und hat es sich zum Ziel gesetzt, seinen Beitrag zur Integration zu leisten. Seit Anfang des Jahres hat die Kulturbrücke die Reboots in ihr Programm aufgenommen. Laut Ute Kohlmann wird das Projekt über die Stadt Stockach und durch das Ministerium für Soziales und Integration aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg gefördert.

Viele Teilnehmer bei den Treffen

Neben Adil Asfoor, der für die Organisation zuständig ist, sind Camillo Pohl und Ruben Schleuter die wichtigsten Stützen der Reboots. So auch an diesem Mittwochnachmittag. Der Raum in der Gemeinschaftsunterkunft ist gut besucht. Rund zehn Teilnehmer sind mit Feuereifer dabei, Laptops und Computer wieder zum Leben zu erwecken.

Während Camillo Pohl einen Teil der Besucher in die Weiten von Schaltkreisen und Platinen einführt, werkeln die anderen Teilnehmer mit Ruben Schleuter mit Schraubenzieher und Lötkolben an einem alten PC-Tower. „Ohne die zwei wäre das alles hier nicht möglich“, betont Ute Kohlmann.

Wie wertvoll die Arbeit der Reboots ist, macht Ute Kohlmann an einem einfachen Beispiel fest: „Wie Deutschland funktioniert, das kann man heutzutage nicht mehr ohne Laptop oder PC erfahren.“ Deshalb gibt es in der Gemeinschaftsunterkunft mittlerweile zwei Gemeinschafts-Rechner – instandgesetzt und repariert von den Reboots.

Die Arbeit ist für sie Ehrensache

Für Ruben Schleuter und Camillo Pohl, die beide in die Waldorfschule nach Wahlwies gehen, ist diese Arbeit Ehrensache. Das Tüfteln mit den anderen mache viel Spaß, sagen sie. Es sei ein tolles Gefühl, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und diese im besten Fall auch zu finden. „Die Geflüchteten zwingt keiner hierher und dennoch sind immer viele dabei“, betont Ruben Schleuter.

Camillo Pohl nennt noch einen weiteren Aspekt: Die Reboots wirken mit ihrer Arbeit der Wegwerfgesellschaft entgegen. Denn hier werde altes wieder zu neuem Leben erweckt. „Nicht alle Geräte müssen weggeworfen werden, wenn der Akku nur noch zwei Stunden hält“, betont er.

Beinahe wie ein kleiner Volkshochschulkurs: Camillo Pohl (rechts) führt die Teilnehmer in die Computerwelt ein.
Beinahe wie ein kleiner Volkshochschulkurs: Camillo Pohl (rechts) führt die Teilnehmer in die Computerwelt ein. | Bild: Matthias Güntert

Bei den Teilnehmern scheinen die drei Reboots jedenfalls bestens anzukommen: Im Schnitt sind zehn Teilnehmer pro Mittwoch anwesend. Saman Dawood und Ilyas Ilyas sind auch heute mit dabei. Die beiden gehören zu den jüngsten Teilnehmern. Auch sie sind mit Feuereifer dabei und machen einen alten Rechner wieder flott. „Es macht Spaß zu reparieren. Wenn ich groß bin, will ich Automechaniker werden“, sagt Ilyas Ilyas. Doch bis es soweit ist, bleibt er erst einmal ein Reboot.