Seinen Weg zum Helfer in der Flüchtlingsarbeit beschreibt Rainer Herzog so: „Im November 2014 las ich in der Zeitung einen Bericht über die Flüchtlinge und dass Helfer gesucht wurden“. Es habe sich damals um Tätigkeiten wie das Sammeln von Kleidern, Möbeln und Fahrrädern gehandelt – Gegenstände, die man den Flüchtlingen zur Verfügung stellte.

Aus diesen Anfangstätigkeiten des damaligen Helferkreises, der aus Mitarbeitern der Stadt und der Kirchen bestand, entwickelten sich weitere Aufgaben, die ungleich schwieriger waren als das Einsammeln von Gütern des täglichen Bedarfs: Das Finden von Wohnungen und Arbeitsplätzen für die Geflüchteten und ihre Familien.

Vermieter sind oft verunsichert

Herzog beschreibt, wie schwierig es für einen Geflüchteten ist, eine Wohnung und einen Arbeitsplatz zu finden. „Oft bekommt man auf Anfragen nicht mal eine Antwort“, erklärt er und sagt, dass Vermieter einer Wohnung oft verunsichert seien, wenn es sich bei der Anfrage um einen Flüchtling handele. Ähnlich verhalte es sich bei der Suche nach einem Arbeitsplatz.

Bereits 40 Geflüchtete vermittelt

Allerdings kann Herzog hier auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken. Er hat in seiner Tätigkeit als Arbeitsvermittler für den Verein Kulturbrücke, der aus dem Helferkreis hervorgegangen ist, seit 2015 über 40 Flüchtlinge in Arbeitsverhältnisse bringen können – vom IT-Mitarbeiter über Elektrobauhelfer, Pflegehelfer, Maurer, Bauhelfer, Produktionshelfer bis zum Metallbauhelfer und Polsterer.

Besonders freut sich Herzog, wenn es ihm gelingt, Flüchtlingen eine Ausbildungsstelle zu vermitteln. „Ich gehe zu den Bewerbungsgesprächen mit, was nicht nur für den Flüchtling hilfreich ist, sondern auch dem Arbeitgeber seine Entscheidung erleichtert“, erklärt Herzog eines seiner Erfolgsgeheimnisse.

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Er betreut zum Beispiel seit 2015 den Palästinenser Khaled Shreeh, der 2014 ohne Familie nach Deutschland kam und nach dreiwöchigem Kirchenasyl in Engen einen bis 2023 befristeten Aufenthaltsstatus hat. Herzog hat für den 31-Jährigen eine Stelle in der Altenpflege gefunden. In der Zwischenzeit war Shreehs Frau mit den zwei gemeinsamen Kindern in Dortmund angekommen, wo es Herzog wiederum gelungen ist, für seinen Schützling eine Arbeitsstelle zu finden.

Jobs in der Altepflege und auf dem Bau

Ein weiterer Fall, über den Herzog nicht ohne Stolz berichtet, ist der des 62-jährigen Mohamed Husein aus Aleppo in Syrien, dem er bei einer Firma in Überlingen eine Arbeit als Bauhelfer vermitteln konnte. „Mohamed ist eigentlich Stahlbetonbauer, aber ich bin froh, dass er angenommen wurde, wenn auch nur als Bauhelfer“, erläutert Herzog, der nach einiger Zeit nach einer Lohnerhöhung für Mohamed fragen will.

„Sprache ist der wichtigste Schlüssel“

Obwohl Herzogs Haupttätigkeit in der Flüchtlingsarbeit die Arbeitsvermittlung ist, betont er die Wichtigkeit der Sprache für sämtliche Aktivitäten die Flüchtlinge. Er fordert mehr sprachliche Unterstützung auch seitens der Schulen. Herzog schlägt vor, die Lehrzeit für Flüchtlinge zu verlängern, um damit mehr Zeit für den Spracherwerb zu haben. „Sprache ist der wichtigste Schlüssel für die Integration“, betont er, der auch die wichtige Unterstützung durch Sprachpaten hervorhebt.