Der Fußverkehrscheck 2021/22 ist in seiner letzten Phase angekommen. Beim Abschlussworkshop hatten Bürgerinnen und Bürger nochmals Gelegenheit, Verbesserungsvorschläge zu machen. Der nun von der Planersocietät aus Karlsruhe erstellte Abschlussbericht wird im Herbst dem Gemeinderat vorgelegt.

Bis zum Jahr 2030 möchte das Land, dass der Anteil des Fußverkehrs 30 Prozent beträgt. Dafür müssen die Städte und Gemeinden allerdings ihre Wege für Fußgänger sicherer und attraktiver machen. In Singen haben sich Interessierte nun nochmals mit Annika Jung und Manuel Kitzmann von der Planersocietät sowie Axel Huber von der Geschäftsstelle Mobilität der Stadtverwaltung und der städtischen Radverkehrsbeauftragten Petra Jacobi getroffen.

Diese Stelle an der Kreuzung von Bahnhofstraße und Hauptstraße führt immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern ...
Diese Stelle an der Kreuzung von Bahnhofstraße und Hauptstraße führt immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern – hier ein Archivbild von einer früheren Begehung im Rahmen des Fußverkehrschecks. Die Teilnehmer (von rechts) Annika Jung, Manuel Kitzmann (beide von der Planersocietät) sowie Benedikt Oexle, Petra Jacobi, Helga Wittenmeier, Thomas Mügge und Dietrich Bubeck überlegten, wie man dies ändern könnte. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Anfang April waren bei einer Begehung der Innenstadt neuralgische Punkte angesteuert worden. Besonders sehr lange Ampelschaltungen, wie an der Kreuzung Hauptstraße/Ekkehardstraße beim Rathaus, können Fußgänger schon mal dazu verleiten, bei Rot über die Straße zu gehen. Seit Kurzem ist der neue Verkehrsrechner programmiert und in Richtung Rathaus schaffen es Fußgänger bereits in einer Grünphase. Sie müssen also nicht mehr in der Mitte der Straße warten. Noch Verbesserungsbedarf ist auf der anderen Seite der Kreuzung.

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Oberbürgermeister Bernd Häusler sieht die Verbesserung der Situation für Fußgänger als einen Aspekt, um die Mobilitätswende zu schaffen. „Wir werden aber aufgrund der baulichen Situation nicht alle Vorschläge realisieren können“, sagt er. So wäre eine Idee, den Radverkehr an der Ecke Bahnhofstraße/Hauptstraße auf die Straße zu verlegen. Dafür müsste aber eine Fahrspur wegfallen, sagte Annika Jung. Aktuell gibt es an dieser Stelle immer wieder Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern auf dem gemeinsamen Weg durch die Unterführung.

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Elterntaxis als Problem

Von Verkehrschaos morgens kurz vor acht Uhr berichtete Martina Kaiser, die in der Nähe des Hegau-Gymnasiums wohnt. Dort mündet an der Ecke Widerholdstraße/Schillerstraße/Gymnasiumweg die Fahrradstraße. Aber die Radler müssen dort warten, wenn sie die Widerholdstraße überqueren wollen. Hol- und Bringverkehr, also sogenannte Elterntaxis, sind an Schulen fast überall ein Problem. Das Friedrich-Wöhler-Gymnasium hatte dazu im März einen Aktionstag veranstaltet, um aufzuzeigen, dass Schüler nicht mit dem Auto bis vor die Tür gebracht werden müssen. An der Waldeck-Schule funktioniert es seit einiger Zeit ganz gut, sagte die Grünen-Stadträtin Karin Leyhe-Schröpfer. Dort wurden beispielsweise Hol- und Bringzonen eingerichtet.

Solche Aktionen, wie vor ein paar Wochen am Friedrich-Wöhler-Gymnasium, sollen Eltern davon überzeugen, dass sie ihre Kinder nicht ...
Solche Aktionen, wie vor ein paar Wochen am Friedrich-Wöhler-Gymnasium, sollen Eltern davon überzeugen, dass sie ihre Kinder nicht direkt bis vor den Schuleingang fahren müssen. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Annika Jung zeigte aber auch positive Dinge in der Singener Innenstadt auf. Es gebe eine attraktive Fußgängerzone, kurze Entfernungen, gute Ansätze für Barrierefreiheit, Sitz- und Spielgelegenheiten sowie einen Mängelmelder. Eine Schwäche sei die Situation an Ampeln, die über eine Bundesstraße führen.

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Wo es in Singen zu Konflikten kommt

Konflikte gebe es immer wieder auch zwischen Fußgängern und Radfahrern, mit Lieferverkehr in der Fußgängerzone sowie bei schlechter Sicht wegen parkender Autos. An mehreren großen Kreuzungen in der Innenstadt müssten die Grünphasen attraktiver gestaltet werden und die Ampeln mit Zusatzeinrichtungen für Blinde ausgerüstet werden, damit diese die gesamte Furtlänge in einer Grünphase zurücklegen können, so Jung. Teilweise fehlen an Ampeln auch sogenannte Doppelborde, damit zum Beispiel Sehbehinderte und Menschen mit Rollator oder Rollstuhl besser zurechtkommen.

Ampelschaltungen und Wartezeiten für Fußgänger waren beim Fußgängercheck ein großes Thema – hier ein Archivbild von einer früheren ...
Ampelschaltungen und Wartezeiten für Fußgänger waren beim Fußgängercheck ein großes Thema – hier ein Archivbild von einer früheren Begehung an der Kreuzung beim Rathaus. Der neue Verkehrsrechner bringt hier nun Verbesserungen. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Schlechte Sicht wegen viel ruhendem Verkehr – gemeint sind damit parkende Autos – gibt es im näheren Umfeld des Hegau-Gymnasiums, was Fünftklässler bei der Begehung im November bemängelt hatten. Zu Verbesserungen führen könnten in diesem Fall Fahrbahnverengungen durch vorgezogene Seitenräume oder sogenannten Gehwegnasen und die Reduzierung von Parkplätzen.

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Die Situation für Sehbehinderte bei der Überquerung am Bahnhof beschäftigt Manuel Binder vom Blindenverein. Demnächst habe er einen Termin mit dem Oberbürgermeister und der Verkehrspolizei, um die Probleme zu erörtern. „Eine gute Überquerungsmöglichkeit fehlt auch am Seehas-Haltepunkt Industrie über das Pfaffenhäule“, sagte Binder.