Herr Scholz, wie hoch ist die Auslastung der Mettnaukur in der aktuellen Corona-Krise?

Die Gesamtauslastung aller Kliniken der METTNAU liegt im stationären Bereich derzeit bei circa 50 Prozent (Anmerkung der Redaktion: Die Rehabilitationseinrichtungen auf der Mettnau haben sich als Eigenname den Namen METTNAU in Großbuchstaben gegeben). Planbare Vorsorge und Rehabilitationsmaßnahmen werden im Einzelfall in Abstimmung mit dem zuständigen Kostenträger soweit möglich verschoben. Ambulante und teilstationäre Angebote finden derzeit keine statt. Stationäre Anschlussheilbehandlungen werden, auch zur Entlastung der Krankenhäuser, weiterhin durchgeführt.

Kurdirektor Eckhard Scholz.
Kurdirektor Eckhard Scholz. | Bild: Jarausch, Gerald

Wie viele Absagen von Patienten, Kurgästen hat es gegeben, weil sie sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben?

Im Bereiche der Vorsorge- und allgemeinen Heilverfahren haben wir eine große Anzahl an Absagen unserer Gäste und Patienten und entsprechende Anfragen auf mögliche Verschiebungen der geplanten Aufenthalte. Wie viele davon aufgrund möglicher, vorheriger Reisen in Risikogebiete abgesagt haben, ist uns nicht bekannt.

Welche präventive Maßnahmen für Mitarbeiter und Patienten hat die Mettnaukur im laufenden Betrieb getroffen?

Zusätzlich zu unseren bereits hohen Hygienestandards setzen wir in allen Kliniken der METTNAU die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes zum Schutz unserer Patienten und Mitarbeiter um. Wir informieren unsere Patienten regelmäßig über die aktuellen Gegebenheiten und Schutzmaßnahmen. Dazu gehören unter anderem auch die Information und Anweisung, die regelmäßige und vollständige Reinigung und Desinfektion der Hände durchzuführen sowie die Abstandsregelungen einzuhalten. Darüber hinaus setzen wir die jeweils aktuellen Verfügungen der Landesregierung Baden-Württemberg und möglichen örtlichen Ergänzungen der Stadt Radolfzell vollumfänglich um.

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Gibt es eine Voruntersuchung, bevor Patienten ihre Kur antreten?

Wir informieren derzeit alle Patienten vor ihrer Anreise über die notwendigen präventiven Maßnahmen in unseren Einrichtungen. Diese beinhalten, dass bei einem aktuellen Infekt – dies trifft auch auf einen allgemeinen grippalen Infekt zu – eine Anreise nicht empfohlen wird. In diesem Fall ist die Teilnahme an den Therapien nicht möglich. Darüber hinaus weisen wir daraufhin, dass Personen, die sich innerhalb der letzten 14 Tage in einem vom Robert-Koch-Institut benannten Risikogebiet aufgehalten haben, selbst Symptome aufweisen oder mit einer bestätigt infizierten Person direkten Kontakt hatten, unsere Einrichtungen nicht betreten dürfen. In Ergänzung dazu führen wir bei den Patienten nach der Anreise einen Erst-Check inklusive Körpertemperaturmessung durch. Wir übergeben Merkblätter für das Verhalten und die Hygienemaßnahmen. In unseren Kliniken besteht derzeit ein absolutes Besuchsverbot. Mitarbeiter von Fremdfirmen, die Leistungen in unseren Einrichtungen erbringen, unterliegen den selben Anforderungen und müssen im Vorfeld für jede Einzelperson entsprechende Selbstauskünfte geben.

Ist Kurzarbeit geplant und wenn ja, wie viele Mitarbeiter sind betroffen?

Als Eigenbetrieb der Stadt Radolfzell kann die METTNAU als öffentlich rechtlicher Arbeitgeber aufgrund der derzeitigen rechtlichen Voraussetzungen noch keinen Antrag auf Kurzarbeit stellen. Aktuell erfolgt über den notwendigen Bedarf hinaus ein Ausgleich der bestehenden Mehrarbeitsstundenkonten. Darüber hinaus sind wir mit der örtlichen Personalvertretung über die Umsetzung weiterer Maßnahmen im Gespräch.

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Inwieweit ist die Mettnaukur in das Grobkonzept Infrastruktur Krankenhaus eingebunden, das vorsieht, dass Reha-Einrichtungen Behandlungskapazitäten für leichtere Behandlungsverläufe von Corona-Erkrankten aufbauen sollen?

Die einzelnen Standorte der METTNAU fallen als Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtung grundsätzlich unter das zwischen Bund und Länder verabschiedete Grobkonzept „Infrastruktur Krankenhaus“. Ob und inwieweit ein Standort der METTNAU gemäß den geltenden Regelungen zur Entlastung der Akutkrankenhäuser als Reservekrankenhaus zum Beispiel für weniger schwer erkrankte Patienten definiert wird, ist derzeit noch nicht festgelegt. Dies erfolgt bei einem entsprechenden Bedarf in gemeinsamer Abstimmung aller Beteiligten auf Landkreisebene.

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Wie beurteilen Sie die weitere Lage für ein Arbeiten in den Reha-Einrichtungen auf der Mettnau?

Gesundheitseinrichtungen wie die Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen bilden eine wichtige Versorgungseinheit innerhalb des Gesundheitswesens. Die medizinischen Reha-Einrichtungen der Stadt Radolfzell haben im Jahr 2018 ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert. Die METTNAU ist eines der traditionsreichsten Therapiezentren in Deutschland in den Bereichen kardiologische Prävention, Rehabilitation und Anschlussrehabilitation. Die vier Kliniken liegen in attraktiver Lage in unmittelbarer Nähe zum Bodensee. Wir sind Mitglied im Qualitätsverbund Gesundheit Baden-Württemberg. Wir gehen davon aus, dass wir nach der aktuellen Ausnahmesituation unsere Leistungen wieder anbieten können und wir dafür eine entsprechende Nachfrage unserer Gäste und Patienten erhalten.

Gibt es Signale von den Kostenträgern, ob diese weiter Patienten nach Radolfzell schicken?

Die vorher genannten Hinweise treffen auch auf die Zuweisung der Kostenträger zu. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass in enger Abstimmung mit unseren Kostenträgern die dringend notwendigen Angebote der Rehabilitation und Anschlussheilbehandlungen erfolgen.

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