Man sei weit entfernt von italienischen Verhältnissen, doch nun gelte es frühzeitig und schnell zu handeln. Das sagte Oberbürgermeister Martin Staab während einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz, zu der auch Bürgermeisterin Monika Laule, Holger Vetter, Fachbereich Bürgerdienste, Helmut Richter, Fachbereichsleiter Feuerwehr und Bevölkerungsschutz sowie Andreas Reinhardt von den Stadtwerken Radolfzell zugegen waren. Vorgestellt wurden die Maßnahmen, mit der die Ausbreitung des Corona-Virus gebremst werden sollen.

Arzt soll mit Corona-Symptomen noch tagelang praktiziert haben

Stand Freitagabend gibt es in Radolfzell neun nachgewiesene Fälle des Covid-19-Virus. Die Zahl dürfte allerdings in den kommenden Tagen deutlich steigen. Ein Radolfzeller Arzt soll mehrere Tage mit Krankheitssymptomen den Praxisbetrieb fortgeführt haben. Das Landratsamt hat bis zu 160 Kontaktpersonen festgestellt. Folgende Maßnahmen sind ab morgen oder ab kommender Woche für Radolfzell vorgesehen.

  • Absage aller Veranstaltungen: Entgegen der Vorgabe des Landes, Veranstaltungen bis zu einer Teilnehmerzahl von 100 abzusagen, hat die Radolfzeller Stadtverwaltung alle Veranstaltungen untersagt. Egal wie viele Teilnehmer erwartet werden. „Wir wissen, wir greifen sehr ins öffentliche Leben ein“, so Staab. Doch halte er diese Maßnahme für erforderlich. Die Städte Singen und Konstanz haben ebenfalls alle Veranstaltungen unabhängig von der Teilnehmerzahl untersagt. Unklar sei, ob der Gottesdienst am Sonntag noch stattfinden werde. Die Kirche sei mit Sonderrechten ausgestattet und könne selbst entscheiden, ob sie ihre Gottesdienste abhalten möchte, so Staab. Stadtpfarrer Heinz Vogel signalisierte unserer Zeitung gegenüber, den Sonntagsgottesdienst am 15. März noch durchzuführen und dann die Gemeinde entsprechend zu informieren.
  • Notfallbetreuung in Schulen und Kindergärten: Ab Dienstag, 17. März, sind alle Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen in Baden-Württemberg geschlossen. Dies gab die Landesregierung am Freitagnachmittag bekannt. Für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, wird die Radolfzeller Stadtverwaltung Gruppen zur Notfallbetreuung einrichten. Einen Anspruch darauf hat jede Familie deren beide Eltern oder das alleinerziehende Elternteil in diesen Berufsgruppen tätig ist und die Betreuung des Kindes während der Schließung nicht gewährleisten können. Die Notfallgruppen sollen im Kita-Bereich und auch in der Kinderzeit angesiedelt sein. Am Montag, 16. März, werde es in den Einrichtungen eine Bedarfsabfrage bei den Eltern geben, sagte Bürgermeisterin Monika Laule. Der Fragebogen dazu stünde bereits auf der Homepage der Stadtverwaltung online. Zu den systemrelevanten Berufen gehören sämtliche Arbeitnehmer im medizinischen und pflegerischen Bereich, alle Angehörige der Blaulichteinrichtungen, Mitarbeiter der Ver- und Entsorgungsbetriebe, Angestellte des öffentlichen Personennahverkehrs sowie Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel und Apotheken. Für den Zeitraum, den die Einrichtungen geschlossen haben, wird die Stadt keine Gebühren erheben.
  • Alle öffentlichen Einrichtungen sind geschlossen: Ab Samstag, 14. März, sind alle öffentlichen Einrichtungen der Stadt Radolfzell geschlossen. Dazu gehören Milchwerk, Stadtbibliothek, Stadtarchiv, Villa Bosch, Stadtmuseum, Musikschule und Café Connect sowie sämtliche Sporthallen. Das Rathaus, die Tourist-Information und die Geschäftsstelle der Stadtwerke sind weiterhin geöffnet und besetzt. Doch bittet OB Staab darum, Anliegen in erster Linie schriftlich oder telefonisch klären zu wollen. Unnötige Besuche der Einrichten sollen vermieden werden. Die Stadt werde keine Corona-Hotline einrichten. Die Hotline des Landratsamtes ist laut Staab völlig überlastet, aber dennoch der Ansprechpartner, falls man bei sich Symptome feststellt. Diese ist werktags zwischen 9 und 15.30 Uhr unter der Telefon (07531) 800 2600 erreichbar. Der Wochenmarkt auf dem Marktplatz werde weiterhin stattfinden, da dieser für die Lebensmittelversorgung notwendig sei. Die Tagespflege im Pflegeheim „Heilig Geist„ sei ebenfalls geschlossen.
  • Feuerwehr und Bevölkerungsschutz: Die Freiwillige Feuerwehr Radolfzell habe jegliche Tätigkeiten außerhalb der eigentlichen Einsätze abgesagt, erklärte Feuerwehrkommandant Helmut Richter. Es fänden aktuell keine Ausbildungs- oder Nachwuchstrainingseinheiten statt. Auch seien die Feuerwehrangehörigen angehalten, soziale Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. „Alles außer einem Einsatz darf nicht mehr stattfinden“, so Richter.
  • Stadtwerke: Um die Versorgung mit Strom, Gas, Wasser und Internet zu garantieren, arbeiten die Stadtwerke Radolfzell in getrennten Teams. Mitarbeiter sollen so wenig Kontakt mit Außenstehenden, aber auch mit Kollegen haben, sodass der Betrieb und die Versorgung der Haushalte gewährleistet werden kann.
  • Mettnaukur: Der Betrieb der Mettnau-Kur läuft laut OB Staab erst einmal wie gewohnt weiter. Nur dass bereits bei der Anmeldung die Gäste nach entsprechenden Risikofaktoren befragt werden. Wer sich in einem der bekannten Risikoregionen aufgehalten habe, werde gar nicht erst angenommen. Bei der Ankunft würde noch einmal eine weitere Prüfung des Gesundheitszustandes erfolgen. „Es kann auch sein, dass Gäste wieder abreisen müssen“, so Staab.
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