Die Kritik am Kultusministerium wird immer lauter: Mitte Mai forderte der Landeselternbeirat Baden-Württemberg in einem offenen Brief an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), dass Entscheidungen nicht länger im Elfenbeinturm getroffen, die Stimmen der Eltern endlich gehört werden.

Nun zieht der Gesamtelternbeirat (GEB) Konstanz nach. Er hat einen Brandbrief geschrieben. „Die Stimmung kippt zunehmend“, schreiben die GEB-Vorsitzenden Johanna Vogt und Petra Rietzler, beinahe täglich erhielten sie Hilferufe von Eltern.

Johanna Vogt hofft auf Antwort aus dem Ministerium.
Johanna Vogt hofft auf Antwort aus dem Ministerium. | Bild: privat

Neun Punkte umfasst der Brief, doch Johanna Vogt wünscht sich vor allem „einen konkreten Plan, ein Konzept“. Ein Beispiel: Was sind eigentlich die Mindestanforderungen für Fernunterricht? Vogt: „Darf ich erwarten, dass ich einmal die Woche angerufen werde? Oder dass es irgendeine Art der Rückmeldung gibt?“

Festgelegt sei nichts, und die Schulen, Eltern und Lehrer fühlten sich ohne konkrete Vorgaben aus dem Ministerium häufig allein gelassen.

Wie geht es nach Sommerferien weiter?

Eltern bräuchten jetzt eine verlässliche Rückmeldung, wie es nach den Sommerferien weitergeht. Besonders für Kinder an sonderpädagogischen Schulen sei es wichtig, dass der normale Betrieb wieder losgeht. Wenn dies nicht geleistet werden könne, dann bräuchten sie und ihre Eltern besondere Betreuung beim Homeschooling, appellieren die beiden Konstanzerinnen. Digitale Infrastruktur vor Ort müsse her, Lehrer sollten technisch fortgebildet werden.

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Eltern zahlen Kopien und Apps selbst

Und was ist eigentlich mit der Lernmittelfreiheit? Es sei aus Sicht des GEB Konstanz nicht akzeptabel, dass Eltern stapelweise Arbeitsblätter ausdrucken, Laptops für ihre Kinder finanzieren und die Kosten für im Unterricht eingesetzte Lernapps oder Instant-Messaging-Dienste tragen müssen, heißt es in dem Brief.

Symbolfoto.
Symbolfoto. | Bild: Waem

„Unser Schulsystem sollte aus dieser Pandemie lernen, denn die nächste kommt sicher irgendwann“, sagt Johanna Vogt. Jetzt zeige sich, dass erstens dringend mehr Lehrkräfte an die Schulen und zweitens Planstellen für Vertretungslehrer aufgestockt werden müssten.

Vorschlag: Studierende könnten doch helfen

Warum, fragen die GEB-Vorsitzenden die Kultusministerin, sei man nicht kreativer? „Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat tausende Medizinstudierende motiviert, im Gesundheitssystem auszuhelfen. Warum gibt es nicht einen Aufruf des Kultusministeriums an alle Lehramtsstudierenden?“

Dann wäre da der Raumbedarf: Das Archäologische Landesmuseum beispielsweise habe dem Humboldt-Gymnasium Räume angeboten. Auch in der Universität Konstanz stünden derzeit viele Räume leer.

„Wir hoffen, dass wir eine Antwort bekommen“, sagt Vogt. Anders als der Landeselternbeirat – der wartet nämlich noch immer auf eine Rückmeldung der Kultusministerin.

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