Die Regierung hat am Mittwochabend verkündet, dass alle Großveranstaltungen bis Ende August aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden müssen. Was das für Konstanz bedeutet, war gestern Thema Nummer eins – in der Stadtverwaltung, am Theater, bei Veranstaltern. Vieles ist noch unklar.

Was zählt überhaupt als Großveranstaltung?

Denn: „Wir warten auf die Verordnung des Landes, in dem festgelegt ist, was überhaupt als Großveranstaltung zählt“, so der städtische Pressesprecher Walter Rügert. Ab 1000 Leute, ab 500?

Bild: Felix Kästle

An dieser Information hängt es für viele. Im Rathaus rechnet man damit, dass die Verordnung im Laufe des morgigen Nachmittags kommt. Im Anschluss folgen Beratungen. Bei anderen Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem Seenachtfest hingegen, ist jetzt schon klar: Der Termin kann in seine bisherigen Form nicht gehalten werden.

Seenachtfest: Am 8. August sollte das Konstanzer Seenachtfest stattfinden – ein letztes Mal in bisheriger Form mit großem Feuerwerk, bevor es in verkleinerter Ausgabe weitergehen soll. Die Pläne für dieses Jahr sind nun hinfällig. Die Stadt Konstanz teilt mit: „Das für August 2020 geplante Seenachtfest wird nicht wie geplant stattfinden.“ Die weiteren Maßnahmen wolle die Stadt in der kommenden Woche besprechen, erklärt Pressesprecher Walter Rügert. Hierzu gehörten ein Austausch mit dem Gemeinderat in der Sitzung am Dienstag, 21. April, und der Stadt Kreuzlingen. Sowie ein Austausch mit dem Veranstalter Full Moon. Laut Björn Borg von Full Moon soll es dann auch um mögliche alternative Formate gehen. Eine komplette Absage sei ebenso möglich wie eine Änderung im Festkonzept.

Bild: DPA

Die Toten Hosen: Eigentlich erst für die Zeit nach dem Veranstaltungsverbot angedacht, wird auch das seit Wochen ausverkaufte Konzert der Toten Hosen im Bodenseestadion nicht stattfinden – zumindest nicht wie geplant am 5. September. Die Rock-Band verschiebt ihre gesamte Tour und teilt ihren Fans via Facebook mit, dass derzeit an Möglichkeiten gearbeitet werde, „die Termine zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können“. Xhavit Hyseni, der den Auftritt im Bodenseestadion zusammen mit Dieter Bös veranstaltet, erklärt: „Das Konzert der Toten Hosen in Konstanz wird 2021 in jedem Fall nachgeholt.“

Veranstalter: „Haben Situation damals richtig eingeschätzt.“

Geplant werde mit einem ähnlichen Zeitfenster, gegen Ende der Sommerferien. Tickets behielten ihre Gültigkeit, der Kaufpreis könne auch zurückerstattet werden. Er hatte als einer der ersten Veranstalter auf die Corona-Krise reagiert. Nach dem ursprünglich bis Mitte Juni geltenden Versammlungsverbot durch die Landesregierung war aus Hysenis Sicht nicht mehr am Termin für das diesjährige Campus-Festival an der Universität (5. und 6. Juni) festzuhalten. Die jetzige Verlängerung der Veranstaltungsverbote „haben uns gezeigt, dass wir damals nicht vorschnell handelten, sondern die Situation richtig einschätzten“, sagt Xhavit Hyseni.

Bild: Scherrer, Aurelia

Gute-Zeit-Karten gelten auch nächstes Jahr

Gute Zeit: Ebenfalls im Bodenseestadion stattfinden sollte das Gute-Zeit-Festival. Mit geplantem Termin am 30. Mai ist das Elektro-Konzert eine der ersten Großveranstaltungen in diesem Sommer. Für ein ganzes Jahr aussetzen wollen es die Veranstalter nicht. „Wir haben schon seit einigen Wochen mit der Stadtverwaltung einen Ausweichtermin vereinbart, der auch schon nach dem 31. August angesetzt war“, erklärt Veranstalter Ümit Dagdelen. Bevor es zu einer Entscheidung kommen sollte, wollten er und sein Kollege Kay Brüggemann die weiteren Entwicklungen der Corona-Krise abwarten. „Das wurde uns jetzt quasi abgenommen“, sagt er. Als neuen Termin haben sich die Gute-Zeit-Gastgeber auf Samstag, 19. September, festgelegt. Ticketinhaber, die dann keine Zeit haben, können ihre Karten laut Dagdelen fürs nächste Jahr nutzen.

Bild: Scherrer, Aurelia

Weinfest, Rathausoper, Flohmarkt: Vom 29. Juli bis 1. August sollten tausende Besucher auf den St.-Stephans-Platz strömen. Dass das Weinfest in seiner bisherigen Form als Großveranstaltung zählt, steht eigentlich außer Frage. Mitveranstalter Nikolas Brinkschulte erklärt: „Wir müssen jetzt erst einmal intern beraten – ob es eventuell einen Ausweichtermin gibt. Dann äußern wir uns dazu.“ Man wolle die Verordnung des Landes abwarten. Ähnliches sagt Andrea Mauch von der MTK zum grenzüberschreitenden Flohmarkt, der vom 20. bis 21. Juni stattfinden sollte: Die Situation werde noch geprüft. „Wir geben im Laufe der kommenden Woche Bescheid, ob und auf wann der Flohmarkt verschoben wird.“ Auch in Sachen Rathausoper müssen sich die Konstanzer vorerst gedulden, wie Ruth Bader erklärt.

Fertige Stücke, die nur auf Einsatz warten

Münsterfestspiele: Das diesjährige Freilichttheater am Münsterplatz sollte am 19. Juni starten. Dani Behnke, Pressesprecherin des Stadttheaters, sagt: „Wir haben etwa 600 Besucher pro Aufführung. Hoffen wir, dass dies nicht als Großveranstaltung zählt.“ Genaueres wisse man wohl am Montag, wenn die Landesverordnung vorliege und die Besprechungen mit der Stadt Konstanz gelaufen seien. Behnke: „Es geht nicht nur um die Münsterfestspiele, auch um die Stücke, die fix und fertig sind. Am 13. März hätten wir die Premiere von `‘Wein und Brot‘ gehabt. Da steckt so viel Arbeit drin, das würden wir gerne irgendwo irgendwie noch zeigen.“ Ebenso das Stück mit den afrikanischen Schauspielern, die in Konstanz festsitzen. „Es ist so gut wie fertig. Da steckt so viel Herzblut drin.“

Das sagen die Konstanzer zum Verbot von Großveranstaltungen

Wie reagieren die Bürger auf das Verbot der Bundesregierung? Welche Befürchtungen oder Hoffnungen haben sie?

Sarah Boulgoura (26): Ich finde es blöd und schade, aber die Gesundheit geht vor. Das ist im Moment das Wichtigste. Meine Hochzeit im Mai musste ich auch absagen.“

Sara Boulgoura
Sara Boulgoura | Bild: Julia Leiber

Katharina Obert (34): „Wir haben zuvor in extremer Freiheit gelebt. Natürlich würde ich gerne eine Veranstaltung besuchen und feiern, aber es geht nicht mehr darum, was ich will, sondern was für die Gesellschaft gut ist.“

Katharina Obert
Katharina Obert | Bild: Julia Leiber

Hermann Brinkert (69): „Ich finde es in Ordnung, dass Großveranstaltungen abgesagt werden. Mehr kann man nicht machen. Ich gehe sowieso nicht oft zu einem Konzert. Den Rummel um Musiker verstehe ich nicht.“

Hermann Brinkert
Hermann Brinkert | Bild: Julia Leiber

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