Waltraud Silberhorn sagt: „Es ist schon seit zehn Jahren schlimm.“ Doch ums „Stiefkind Schwaketenstraße“ kümmere sich keiner, so ihr Vorwurf. Tatsächlich aber würden gerade wichtige Schritte getan, um zu klären, ob aufgrund der Lärmwerte durchgehend Tempo 30 in der Schwaketenstraße und auf anderen Verbindungen möglich sei, stellt Walter Rügert fest, Sprecher der Stadt Konstanz. Bis Dezember sollen die Ergebnisse vorliegen. Die Corona-Krise habe die Analyse verzögert.

Die Schwaketenstraße gehört zu einem Bündel von Straßen, die nach einem Beschluss im Technischen Ausschuss vor anderthalb Jahren zurück gestuft wurden und so durchgehend für Tempo 30 in Frage kommen (siehe Infokasten). Um eine klassische Tempo-30-Zone zu schaffen, wären Umbauten im größeren Maßstab notwendig. Die Stadt prüft nun, ob sie im Rahmen der Fortschreibung des Lärmaktionsplans Tempo 30 anordnen kann. Für alle Straßen, auf denen mehr als 8200 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden unterwegs sind, müssen Kommunen sowieso solche Pläne aufstellen.

Stadt warnt vor zu hohen Erwartungen

Derzeit arbeite die Stadt an der Fortschreibung. Dazu benötigten die Planer Verkehrszahlen von Durchschnittstagen, also nicht von Spitzentagen oder besonders schwachen Tagen (wie zum Höhepunkt der Corona-Krise). Die entsprechenden Daten würden gerade ermittelt. Dann werde der Lärm berechnet und erfasst, ob es Überschreitungen der rechtlichen Vorgaben gebe. Sollte dies der Fall sein, kann die Stadt wegen des Lärmaufkommens Tempo 30 anordnen.

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Die Stadt warnt vor zu hohen Erwartungen. Walter Rügert schreibt: „In keiner Planung kann individuelles (Fehl-)Verhalten einfließen.“ Das Rasen, Posen und Aufmotzen von Autos und Motorrädern sei nach der Straßenverkehrsordnung unzulässig. Mit Geschwindigkeitsmessungen und Blitzern an festen Orten versuche die Stadt im Verbund mit der Landespolizei, Übeltäter zu fassen: „Die Möglichkeiten, gegen Poser vorzugehen, sind begrenzt.“

Es läuft alles auf markierte Radwege hinaus

Sollten die Lärmwerte Tempo 30 in der Schwaketenstraße rechtfertigen, dann werde die Straße voraussichtlich breitere Radwege bekommen, um die Fahrbahn für die Autos zu verengen, schreibt Walter Rügert auf Anfragen. Der Radverkehr solle in der Schwaketenstraße möglichst separat geführt, die Aufwendungen für die Umgestaltung aber dennoch so gering wie möglich gehalten werden. Es laufe alles auf markierte Radwege hinaus, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung.

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Teilweise gilt in der Schwaketenstraße schon Tempo 30, und zwar im Umfeld der Wollmatinger Grundschule und der Geschwister-Scholl-Schule. Es wurden Verengungen angelegt und Querungshilfen für Fußgänger. Ganz ohne bauliche Kniffe wird sich in der besonders breiten Schwaketenstraße Tempo 30 kaum durchsetzen lassen, zu diesem Schluss ist die Stadtverwaltung selbst schon vor eineinhalb Jahren gekommen.

Lärmschutzwände sind hocheffizient auch bei zunehmendem Verkehr

In den Unterlagen für den Technischen Ausschuss wies sie auf den Charakter der Straße hin, welcher der Akzeptanz von Tempo 30 entgegen stehe, vor allem im Norden, wo es wenig Wohnbebauung, aber viel Grün gebe. Als Beleg dienten der Stadtverwaltung Tempomessungen an der früheren Flüchtlingsunterkunft auf dem Parkplatz des Schwaketenbads. 28 Prozent der Fahrer seien zu schnell unterwegs gewesen.Vor anderthalb Jahren hatte das Amt für Stadtplanung selbst noch bauliche Veränderungen empfohlen, um Tempo 30 zu unterstreichen.

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Im Rahmen des Lärmaktionsplans überprüft die Stadt Konstanz auch Verbindungen wie die Grenzbachstraße. Dort klagen Anwohner auch immer wieder über zunehmenden Verkehrslärm und dass der Lärmschutz dort nicht mehr ausreiche. Dafür gebe es nach Erkenntnissen der Stadtverwaltung aber keine Anhaltspunkte: Lärmschutzwände und Einhausungen seien hocheffizient auch bei zunehmendem Verkehr. Selbst die Verdoppelung der Verkehrslast führe nur zu einer Lärmzunahme um drei Dezibel.

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