Géraldine Kortmann ist sehr verärgert. Mitte Dezember hat sie auf dem Stephansplatz geparkt. Als sie zu ihrem Auto zurück kommt, findet sie einen Strafzettel vor. Es ist 17:16 Uhr. Die Parkzeit war genau eine Minute zuvor, um 17:15 Uhr, abgelaufen.

Die aus ihrer Sicht kleinliche Haltung ärgert sie so, dass sie sich per Mail beim Bürgeramt meldet. Auf diese Mail erhält sie lediglich einen automatisch verfassten Standardtext, der zur Zahlung des Bußgeldes innerhalb von einer Woche aufforderte.

Andere Fahrzeuge behindern den Verkehr

Was Kortmann besonders ungerecht erscheint: Ein paar Tage zuvor habe sie beobachtet, wie ein Fahrzeug auf demselben Parkplatz auf schraffierter Fläche stand, auf der das Parken nicht erlaubt ist. Obwohl sie eine Mitarbeiterin des Vollzugsdienstes gesehen habe, die gerade den Parkplatz verließ, habe dieses Auto keinen Strafzettel erhalten. Das scheint ihr nicht richtig: Immerhin habe das Auto verkehrsbehindernd den Weg versperrt.

Welche Kulanz bringt die Stadtverwaltung auf?

Letztlich musste Geraldine Kortmann den Strafzettel, den sie erhalten hatte, doch nicht zahlen. Auf Nachfrage des SÜDKURIER heißt es in einer Stellungnahme aus dem Bürgeramt, dass man den Sachverhalt nach Erhalt der Mail überprüft habe.

Da der Parkschein da war, braucht‘s kein Bußgeld

Das elektronische Parkticket wurde der Mitarbeiterin des Ordnungsamts vor Ort nicht angezeigt, heißt es weiter, vermutlich wegen einer Serverstörung. „Da auch im Fahrzeug nichts vorlag, wurde der Fahrzeughalter verwarnt.“ Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ein Parkschein vorgelegen habe, der nur eine Minute zuvor abgelaufen war. Die Geldbuße sei deshalb zurückgenommen worden.

Karenzzeit von zehn Minuten

Üblicherweise gelte in Konstanz eine Karenzzeit von zehn Minuten zwischen Ungültigkeit des Parkscheins und dem Ausstellen der Verwarnung. In diesem Fall sei diese leider nicht eingehalten worden, heißt es aus dem Bürgeramt.

Was passiert bei einer Verkehrsbehinderung?

Was den geschilderten Fall der Verkehrsbehinderung betrifft, den Géraldine Kortmann schildert, verweist das Bürgeramt auf den Einzelfall. Es gebe beispielsweise die Situation, dass ein Autofahrer die Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdiensts frage, ob er das Auto an der Stelle für eine schnelle Erledigung kurz abstellen dürfe. „In solchen Fällen kann der Mitarbeiter je nach Einschätzung der Situation und unter Abwägung einer möglichen Behinderung des Verkehrs dies zulassen oder nicht.“