Für manche Autofahrer ist sie zum Hassobjekt geworden: die Fahrradstraße. Die Einbahnstraßenregelung in der Jahnstraße soll diese vom Autoverkehr entlasten und sicherer machen. Manchen Anliegern und Anwohnern ist das zu viel an Veränderung.

Die Sicht der Geschäftsinhaber

Luciano Rossetti ist Inhaber des Fahrradgeschäfts in der Petershauser Straße. „Im Moment ist hier sehr viel Verkehr“, sagt er und führt diesen auf die Sanierung des Sternenplatzes und die über die Petershauser Straße geführte Umleitung zurück. „Das war der eigentliche Sündenfall. Vorher war die Lösung gar nicht so schlecht“, glaubt Rossetti.

Eine vollständige Sperrung für den Autoverkehr will Rossetti nicht

Die neue Einbahnstraßenregel in der Jahnstraße sei für ihn weitgehend in Ordnung. Eine komplette Sperrung der Fahrradstraße für Autos wäre ihm weniger recht. „Wir sind auf Schweizer als Kunden angewiesen“, sagt er. Wäre das Geschäft von Süden her nicht mit dem Auto erreichbar, würde sich dies auf den Umsatz auswirken. Zur Reparatur kämen die meisten mit dem Rad – doch beim Neukauf setzten viele aufs Auto.

Das Miteinander muss funktionieren

Die Radstraße begrüßt Rossetti: „Es bräuchte aber eine klare Regelung anstelle der ständigen Veränderungen.“ Seit 2014 werde an dieser Stelle geplant und verändert. Er plädiert für mehr gegenseitige Rücksichtnahme von Auto- und Radfahrern. In Dänemark funktioniere das schließlich auch.

Liliana Papudariu, Inhaberin eines Friseurgeschäfts, schätzt die Lage ähnlich ein. „Wir haben viele Kunden aus der Schweiz und viele, die mit dem Auto kommen“, sagt sie. Solange es wie jetzt möglich sei, das Geschäft mit dem Auto zu erreichen, sei die Regelung für sie in Ordnung: „Ich wohne in Dettingen und fahre selbst mit dem Auto hierher.“

Von der Radstraße hält die Inhaberin nichts

Von der Fahrradstraße hält Papudariu grundsätzlich allerdings nicht viel: „In letzter Zeit war das hier ein schönes Theater, viele Fahrräder, viele Autos, zerkratzte parkende Autos.“ Aus ihrer Sicht habe die Aggressivität zwischen Rad- und Autofahrern zugenommen. Die Geschäftsfrau wünscht sich eine Rückkehr zu dem vorherigen Zustand, als die Fahrbahnen für Autos und Radfahrer getrennt verliefen.

Die Inhaberin eines Babybedarfsgeschäfts will das Thema nicht kommentieren. Vor fünf Jahren, zu Beginn der Planungen zur Fahrradstraße, hatte Stefan Lischka eine Online-Petition mit dem Ziel initiiert, dass Jahn- und Petershauser Straße für den Autoverkehr offen bleiben.

Hinweis: In einer früheren Fassung dieses Artikels war von mehreren Inhabern eines Babybedarfsgeschäfts die Rede. Außerdem stand dort, dass die Inhaber des Geschäfts die Online-Petition initiiert haben. Beides ist nicht korrekt. Das Geschäft hat nur eine Inhaberin und die Petition wurde nicht von der Inhaberin, sondern von Stefan Lischka, (...), initiiert. Beides haben wir korrigiert und bitten um Verständnis.

Hinweis zum Hinweis: Das Geschäft legt Wert auf die Feststellung, dass die Petition und das Geschäft in keiner Verbindung zu dem Gewerbebetrieb steht. Der Initiator von damals habe als Privatperson gehandelt. Wir haben deshalb einen anderslautenden Verweis auf Stefan Lischka im Ausgangstext sowie im oben stehenden ersten Hinweis entfernt.

Die Sache mit den Strafzetteln – So sieht es ein Anwohner

„Sie parkten in der Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung.“ Strafzettel, auf dem dies als Ordnungswidrigkeit vermerkt war, klemmten Anfang der Woche hinter etlichen Scheibenwischern von Autos, die stadteinwärts an der Jahnstraße abgestellt waren. 15 Euro beträgt das Verwarngeld, das Anwohner wütend macht.

Bild: Brumm, Benjamin

Durch die teilweise Sperrung der Fahrradstraße wurde dieser Bereich zur Einbahnstraße. Wer zuvor jahrelang korrekt parkte, parkt jetzt falsch. Die Stadt Konstanz ist beim Verhängen der Verwarnungsgelder im Recht. Dies betont Walter Rügert, Sprecher der Stadtverwaltung, auf Anfrage. Durch die Umfunktionierung der Jahnstraße in eine Einbahnstraße „ist eben das Parken nur noch in Fahrtrichtung möglich. Wer das nicht beachtet, muss mit einem Knöllchen rechnen“, sagt Rügert.

Wunsch nach mehr Fingerspitzengefühl

Anwohner wie Olaf Maisch, der dort ebenfalls mit 15 Euro verwarnt wurde, wünschen sich mehr Fingerspitzengefühl seitens des Bürgeramts. „Würde so kurz nach der geänderten Verkehrsführung nicht ein Vermerk für Autofahrer ausreichen, dass man einen Fehler gemacht hat und hier demnächst Verwarnungsgelder drohen?“ Eine Frist, bis es zum Strafzettel komme, empfinde er als fair. „In anderen Städten funktioniert das doch auch“, sagt Maisch.

An der Schule bleibt es vorerst ruhig

Bisher wenig gravierende Veränderungen hat Elke Großkreutz, Rektorin der Gemeinschaftsschule, in der Steinstraße bemerkt. Autofahrer, die in der Jahnstraße stadteinwärts unterwegs sind, müssen in die Steinstraße abbiegen, da die Weiterfahrt gesperrt ist. Eine allzu starke Belastung könne sie dort nicht erkennen, sagt Großkreutz, außer während des Berufsverkehrs zwischen 16 und 17 Uhr.

Autofahrer, die Richtung Seerhein fahren, müssen in der Jahnstraße in die Steinstraße abbiegen, die Weiterfahrt ist inzwischen gesperrt.
Autofahrer, die Richtung Seerhein fahren, müssen in der Jahnstraße in die Steinstraße abbiegen, die Weiterfahrt ist inzwischen gesperrt. | Bild: Oliver Hanser

„Ab sofort wird bei der Schule eine Baustelle eingerichtet, dann werden Autofahrer ohnehin nicht mehr gern auf die Steinstraße ausweichen“, glaubt die Rektorin. Die Fahrradstraße hält sie wegen des vielen Verkehrs dort für ein schwieriges Konstrukt. „Es ist kompliziert und man weiß nicht genau, wer welche Rechte hat“, sagt sie. Großkreutz hofft, dass die Einbahnstraßenregel auf Dauer Entlastung bringen werde.