Im Hegau hält man einfach zusammen: Nachdem die Schneemassen in der vergangen Wochen dafür gesorgt haben, dass ein Zirkuszelt beim Circus Renz eingestürzt ist, hat die Zirkusfamilie Renz überraschend Hilfe bekommen. Gemeinsam mit der Feuerwehr hat eine Firma aus Welschingen für archäologische Ausgrabungen am Samstag ein besonderes Geschenk mitgebracht und auch gleich aufgebaut: ein neues Zelt, in dem die Zirkusfamilie Renz einen Großteil ihrer rund 45 Tiere unterbringen kann. „Die beiden Kamele Emil und Ali sowie die Pferde stehen in einem Holzunterstand auf dem Grundstück einer weiteren benachbarten Firma“, sagt Dustin Renz.

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Der kleine Zirkus befindet sich derzeit im Welschinger Industriegebiet im Winterlager. Er könne sein Glück kaum fassen, dass sich nur wenige Stunden nach dem Winterunglück und dem Einsturz des Zeltes eine Lösung gefunden habe. „Das war einfach unfassbar. Am Samstag kamen ein Auto nach dem anderen mit Helfern angefahren – und auf einmal hatten wir ein neues Zelt“, sagt Dustin Renz. Darin seien die Lamas und Ziegen nun untergebracht und könnten sich von den hochwinterlichen Temperaturen erholen.

Von Oben ist das ganze Ausmaß der Zerstörung zu sehen. Teile des alten Zeltes sind noch sichtbar, aber im Inneren erhebt sich schon die neue Unterbringung. Bild: Georg Häußler
Von Oben ist das ganze Ausmaß der Zerstörung zu sehen. Teile des alten Zeltes sind noch sichtbar, aber im Inneren erhebt sich schon die neue Unterbringung. Bild: Georg Häußler | Bild: Georg Häußler

Die Männer, die dies alles möglich gemacht haben, sind Armin Höfler und Georg Häußler. Sie sind Geschäftsführer der Archaeo Task GmbH. „Wir haben am Samstag im SÜDKURIER von dem Unglück der Familie gelesen und haben uns dann gedacht: Hier müssen wir helfen“, sagt Höfler, der gemeinsam mit seinem Geschäftsführer Georg Häußler nochmal im Winterquartier des Circus Renz vorbeikommt, um nach dem Rechten zu sehen.

Zu viel Schnee: Unter der Last ist das Zelt des Circus Renz, in dem die rund 45 Tiere untergebracht sind, in der vergangenen Woche eingestürzt.
Zu viel Schnee: Unter der Last ist das Zelt des Circus Renz, in dem die rund 45 Tiere untergebracht sind, in der vergangenen Woche eingestürzt. | Bild: Matthias Güntert

Gemeinsam mit Freiwilligen der Feuerwehr, die ehrenamtlich im Einsatz waren, und weiteren Unterstützern einer angrenzenden Zimmerei, die sich um die Logistik gekümmert hatte, wurde in Windeseile ein Zelt aufgebaut. „Wir brauchen das Zelt eigentlich, um sensible Grabungen zu schützen oder zum Schutz gegen die Witterung. Aber aktuell war es aufgrund des Winters nicht im Einsatz“, so Höfler weiter. Aber das sei nur eine temporäre Lösung, denn irgendwann bräuchten sie das Zelt für ihre Ausgrabungen zurück.

Neues Zirkuszelt kostet 10.000 Euro

Für Dustin Renz und seinen Vater Johann ein unerwarteter Segen. „Nachdem das Zelt eingestürzt ist, wussten wir erst einmal nicht weiter“, sagt der Zirkusbetreiber. Solch eine Unterstützung hätten sie in ihrem Leben noch nie erlebt. Gerade in Zeiten der Pandemie seien sie auf jede Unterstützung angewiesen. „Wir hatten seit einem Jahr kein einziges Gastspiel mehr, die finanziellen Rücklagen sind aufgebraucht“, sagt Dustin Renz.

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Um das eingestürzte Zelt zu ersetzen, rechne er mit Kosten von rund 10.000 Euro. „Wir brauchen dieses Zelt aber, wenn wir weiterziehen“, sagt Vater Johann Renz. Bereits das ganze Jahr über hätten sie viel Hilfe aus der Bevölkerung erfahren – etwa mit Futter- oder Heuspenden. „Wir kennen diese Menschen gar nicht, sind Fremde für sie und trotzdem helfen sie uns. Wir können ihnen gar nicht genug danken“, betont Dustin Renz. Für Armin Höfler eine Selbstverständlichkeit: „Im Hegau halten wir zusammen.“

Auch die beiden Kamele Emil und Ali haben eine neue Unterbringung in einem angrenzenden Holzunterstand einer benachbarten Firma gefunden.
Auch die beiden Kamele Emil und Ali haben eine neue Unterbringung in einem angrenzenden Holzunterstand einer benachbarten Firma gefunden. | Bild: Matthias Güntert

Für das alte Zirkuszelt gab es laut Dustin Renz keine Hoffnung mehr: „Die Plane hat es regelrecht zerrissen, wir konnten da nichts mehr retten.“ Solche Schneemassen hätte die Zirkusfamilie in all denn Jahren auf Wanderschaft noch nie erlebt. „Das müssen Tonnen gewesen sein“, lautet Dustin Renz Einschätzung. Er sei froh, dass sich bei dem Einsturz niemand – weder Tier noch Mensch – verletzt hätten. Man sei mit dem Schrecken davon gekommen. Die Gehege, die im Zirkuszelt standen, sind mittlerweile geborgen. Sie wurden im neuen Zelt und in dem benachbarten Holzunterstand wieder aufgebaut. „Damit unsere Tiere natürlich nicht abhauen und sicher sind“, sagt Johann Renz.

Spendenkonto soll weiter helfen

Und dann kommt es für die kleine Circusfamilie Renz noch besser. Noch vor Ort klingelt das Telefon von Armin Höfler. Nach einem kurzen Gespräch legt er auf und wendet sich an Dustin und Johann Renz. „Wir richten gerade ein Spendenkonto für Sie ein, damit wir Sie beim Neukauf des Zeltes unterstützen können“, sagt er. Als ob die beiden Kamele Emil und Ali verstanden hätten, was gerade geschehen ist, schnauben sie im Einklang. Ganz scheint es so, als ob auch die zwei größten Tiere des Circus Renz den unerwarteten Helfen ihren Dank aussprechen wollen. Dieses ist wenige Tage später geschehen, wie Georg Häußler auf SÜDKURIER-Nachfrage bestätigt.