Hinter Dustin Renz und seiner Familie liegt eine Nacht, die er gerne vergessen würde. Aufgrund der Schneemaßen, die von Donnerstag auf Freitag vom Himmel fielen, wurde ein Zelt der Zirkusfamilie Renz völlig zerstört. Diese hat aktuell ihr Winterlager im Welschinger Industriegebiet aufgeschlagen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt, das waren bestimmt Tonnen“, sagt Dustin Renz am Morgen danach.

Zu viel Schnee in der letzten Nacht: Unter der Last ist das Zelt eingestürzt.
Zu viel Schnee in der letzten Nacht: Unter der Last ist das Zelt eingestürzt. | Bild: Matthias Güntert

Er steht vor der Zeltruine und erzählt, dass normalerweise bis zu 25 Tiere dort untergebracht sind. Jetzt herrscht dort, wo normal die tierischen Stars des Circus Renz wohnen, Chaos. Im Inneren sind nur noch wenige Tiere untergebracht, zumeist die kleineren wie Ziegen und Lamas. Die Pferde und Ponys sowie die beiden Kamele und der Bulle stehen in ihren Transportwägen. Überall hängen gerissene Zeltplanen. In der Mitte des Zeltdaches klafft ein großes Loch. „Wir haben in der Nacht noch versucht, zu retten, was zu retten ist. Aber das Zelt hat es förmlich zerrissen“, so Renz weiter. Es sei nicht mehr zu reparieren und völlig zerstört.

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Aber die Zirkusfamilie Renz hatte Glück im Unglück: Verletzt wurde bei dem Einsturz niemand. Alle menschlichen Mitglieder sowie alle Tiere sind wohl auf. „Wir haben Glück gehabt. Die beiden tragenden Stahlträger in der Mitte haben irgendwann nachgegeben und sind eingestürzt“, berichtet Renz aus der Unglücksnacht. Das Zelt hatte eine Höhe von acht Metern, nun liegt alles am Boden.

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Dass weder Mensch noch Tier bei dem Unfall Verletzung davon getragen habe, liegt auch an der Ausbildung der Tiere, wie Mutter Manuela Renz berichtet. „Als wir merkten, dass nichts mehr zu retten ist, haben wir die Tiere an die Zäune der Gehege gerufen“, sagt sie. Dadurch konnten die Renz‘ verhindern, dass sie sich weiter im Gefahrenbereich in der Mitte des Zelten befanden. Noch immer merkt man, dass die Nacht Manuela Renz an die Nieren geht: „So etwas ist uns noch nie passiert.“

Die beiden Kamele Emil und Ali sind derzeit in einem der Transportwägen untergebracht. Von Dustin Renz gibt es ein Stückchen Brot und Streicheleinheiten.
Die beiden Kamele Emil und Ali sind derzeit in einem der Transportwägen untergebracht. Von Dustin Renz gibt es ein Stückchen Brot und Streicheleinheiten. | Bild: Matthias Güntert

Die beiden Kamele Ali und Emil stehen in ihrem provisorischen Lager in einem der Transportwägen. Sie teilen sich ihre Unterkunft mit dem Bullen Mogli. Sie bilden derzeit aufgrund des Unglücks eine tierische Wohngemeinschaft auf Zeit. Als sich Dustin Renz mit einem Stückchen Brot in der Hand nähert, strecken sie die Hälse aus der Türe und fressen ihm genüsslich aus der Hand. „Wir sind wirklich froh, dass den Tieren nichts passiert ist. Sie gehören quasi zur Familie“, sagt er.

Auch jetzt noch ist die Last durch den Schnee auf dem eingestürzten Zeltdach deutlich zu sehen.
Auch jetzt noch ist die Last durch den Schnee auf dem eingestürzten Zeltdach deutlich zu sehen. | Bild: Matthias Güntert

Doch die Unterbringung gehe laut Dustin Renz nur vorübergehend. „Die Tiere können dort nicht ewig drinnen stehen bleiben“, betont er. Die Tiere würden langsam unruhig werden und scharren sprichwörtlich mit den Hufen.

Das Veterinäramt sagt: „Alle Tiere sind wohlauf.“

An diesem Morgen sind auch zwei Vertreter des Veterinäramtes aus Konstanz vor Ort, um sich ein Bild der Lage zu machen. Einer von ihnen ist Hans Pfeilsticker. „Alle Tiere sind wohlauf und unter den gegebenen Bedingungen bestmöglich untergebracht. Die aktuelle Unterbringung kann aber nur eine auf Zeit sein“, sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Wie geht es nun weiter?

Für Dustin Renz ist der Einsturz des Zeltes eine kleine Katastrophe. Denn der Circus Renz sitzt quasi seit März des vergangenen Jahres in Welschingen fest. Schuld daran ist die Corona-Pandemie. „Wir hatten seit einem ganzen Jahr kein Gastspiel mehr und nun kommt dieser Schlag obendrauf“, sagt er.

Die finanziellen Reserven sind aufgebraucht

Die finanziellen Reserven und Rücklagen der Familie seien aufgebraucht. „Aber wir brauchen irgendwann wieder ein neues Zelt“, so Renz weiter. Doch klagen wolle er nicht. Vielmehr sei er dankbar, dass seine Familie so viel Unterstützung von den Menschen hier in der Region erhalten haben. „Wir packen auch dies“, ist er sich sicher.

Schnee wohin man schaut: Dem Circus Renz, der sein Winterlager im Welschinger Industriegebiet aufgeschlagen hat, haben die Schneemassen zugesetzt.
Schnee wohin man schaut: Dem Circus Renz, der sein Winterlager im Welschinger Industriegebiet aufgeschlagen hat, haben die Schneemassen zugesetzt. | Bild: Matthias Güntert

Mit einer benachbarter Firma sei man bereits im Austausch, ob man die Tiere dort in einem leerstehenden Objekt auf deren Grundstück unterbringen könne. „Einer der Besitzer war heute Morgen schon bei uns und hat sich ein Bild gemacht“, sagt Vater Johann Renz. Die Renz‘ bleiben optimistisch. Sie hoffen, im März oder April wieder auf Tour gehen zu können, so Johann Renz weiter. Wenige Minuten später fangen er und sein Sohn Dustin an, die Gehege der Tiere zu bergen, an die sie gefahrlos dran kommen – es muss schließlich weitergehen beim Circus Renz.