Herr Wagner, Sie sind mit 25 Jahren der jüngste Stadtrat in Waldshut-Tiengen. Wie kam es dazu, dass Sie sich als Kandidat zur Wahl aufstellen ließen?

Oberbürgermeister Philipp Frank hat mich im Vorfeld der Wahl angerufen und mich gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte zu kandidieren. Daraufhin habe ich mir vermehrt darüber Gedanken gemacht und parallel kamen auch immer wieder Bürger auf mich zu, die mich darin bestärken wollten, mich aufstellen zu lassen. Ich habe mich dann über das gesamte Spektrum genauer informiert und letztendlich hat mich mein Vater auch dazu ermutigt, indem er zu mir gesagt hat, wenn ich die Chance dazu habe, etwas in der Stadt zu bewegen und meine Ideen und Meinungen einzubringen, soll ich es machen. Für mich war dann klar, dass ich etwas für die Stadt, in der ich meine Zukunft sehe, bewirken möchte.

Waren Sie überrascht, dass Sie gleich im ersten Anlauf zum Stadtrat gewählt wurden?

Da muss ich ehrlich sagen, dass ich mir darüber keine Gedanken gemacht habe. Ich gehe an alles, was ich mache, recht gedankenfrei über den Ausgang ran und versuche, mein Bestes zu geben. Ich habe am Anfang eigentlich nie daran gedacht, dass ich es nicht schaffen werde. Das soll nicht arrogant klingen, sondern ich hatte große Lust auf dieses Amt, um etwas bewegen zu können. Erst kurz vor der Wahl habe ich gedacht, wie viele tolle Kandidaten es gibt. Dann habe ich mir die Listen der vergangenen Wahlen angeschaut und gesehen, wer es alles nicht ins Gremium geschafft hatte. Trotzdem war ich bis zum Schluss immer optimistisch.

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Die Kommunalpolitik ist quasi Neuland für Sie. Konnten Sie sich schon gut einarbeiten?

Natürlich ist die Kommunalpolitik neu für mich, aber ich versuche mich, vollständig in alle Themen einzuarbeiten. Mit einigen Themen habe ich mich im Rahmen der Aktionsgemeinschaft Tiengen, bei der ich seit vier Jahren Mitglied bin, schon zum Teil auseinandergesetzt wie innenstadtrelevante Projekte. Auch Verkehr ist eigentlich schon immer für mich ein Thema gewesen, das ich verfolgt habe.

Sie sitzen im Gemeinderat zwar in der Fraktion der CDU, sind aber kein Mitglied. Warum nicht?

Ich wurde am meisten von der CDU-Fraktion bezüglich einer Kandidatur gefragt, weshalb ich mich auch für diese Fraktion entschieden habe. Weil ich politisch sehr offen bin, will ich mich aber nicht auf eine Partei festlegen. Ich finde, auf kommunaler Ebene ist die Parteizugehörigkeit nicht ausschlaggebend oder wichtig für die Position des Gemeinderats. Es soll doch darum gehen, die Stadt voran zu bringen und weiter zu entwickeln – und das fraktionsübergreifend.

Wie waren die ersten Gemeinderatssitzungen für Sie?

Ich war zuvor noch nie bei einer Sitzung, deshalb war es zunächst einmal sehr interessant für mich. Natürlich fehlen einem anfangs Informationen und auch Hintergrundwissen, weil einige der Themen, die wir jetzt behandeln, ausführlich vom alten Gemeinderat bearbeitet wurden. Aber die großen Themen wie Klettgau-Carree oder generell innenpolitische Themen waren für mich nicht neu, weil ich ja schon vorher viel davon mitbekommen hatte und teils durch die Aktionsgemeinschaft oder auch den Waldshuter Werbe- und Förderungskreis sogar tiefere Einblicke als andere dazu bekommen konnte. Was aber ganz neu für mich ist, ist beispielsweise die Vergabe von Gewerken, aber auch personelle Fragen wie zum Beispiel die Neubesetzung der Geschäftsführung der Stadtwerke.

Was liegt Ihnen als Stadtrat besonders am Herzen?

Ich möchte die Stadt weiter entwickeln, die Vereine und das Ehrenamt fördern, weil ich sehe, wie wichtig das in unserer Region ist. Zudem möchte ich junge Menschen dazu motivieren, sich politisch zu engagieren.

Wurden Sie gut im Gremium aufgenommen?

Definitiv ja. Was sehr gut war, war, dass alle Stadträte bei einer Klausurtagung zusammen gekommen sind. Da hat sich auch die Stadtverwaltung präsentiert und alle sind mit allen in Kontakt gekommen. So konnten wir uns kennenlernen und auch den Menschen dahinter.

Glauben Sie, dass die Stadträte ein Spiegelbild der Bevölkerung abbilden?

Ganz klar ja, denn im Gemeinderat sitzen so viele Charaktere mit unterschiedlichsten Berufen und Schwerpunkten. Dagegen war der alte Gemeinderat doch eher ein wenig pädagogenlastig. Jetzt gibt es vom Handwerker bis zum Anwalt fast alles – also ein Spiegelbild der Bevölkerung.

Welche Herausforderungen gibt für die kommenden Jahre?

Das Städtekonzept beziehungsweise Zentrenkonzept, bei dem wir uns in den vergangenen Jahren etwas verloren haben und eher den Fokus auf die Industriegebiete gelegt haben und nicht auf die Innenstädte. Auch das Thema Verkehr wird uns weiter stark beschäftigen, denn es kann doch nicht sein, dass man 45 Minuten von Waldshut nach Tiengen braucht.

Apropos Waldshut und Tiengen. Fühlen Sie sich als Waldshut-Tiengener oder als Tiengener?

Natürlich bin ich Tiengener, aber für mich gibt es da eigentlich keinen Unterschied. Die kleinen Neckereien zwischen Waldshut und Tiengen, die es früher mal gab und vielleicht auch manchmal noch gibt, nehme ich gar nicht ernst, denn wir sind doch eine Stadt.

Fragen: Susann Duygu-D‘Souza