Der Todtmooser Gemeinderat Georg Boedeker bezeichnet seinen Ausschluss aus der Fraktion der Freien Wähler (FW) als „sehr befremdlich“. In einer Presseerklärung weist er den von sechs Altgemeinderäten der FW erhobenen Vorwurf zurück, er habe seine Haltung zum Biosphärengebiet Südschwarzwald kurzfristig geändert und sein Abstimmungsverhalten zu diesem Punkt mit anderen Themen verknüpft. Boedeker betont, dass er künftig als Fraktionsloser im Gemeinderat arbeiten wolle. „Obwohl dieses Vorgehen keiner gerichtlichen Überprüfung standhalten würde, akzeptiere ich den Ausschluss im Interesse der notwendigen weiteren Arbeit im Gemeinderatsgremium“, so Boedeker.

„Entgegen allen Behauptungen und Unterstellungen habe ich mein Abstimmungsverhalten im Gemeinderat von Todtmoos bezüglich des Beitritts in das Biosphärengebiet weder kurzfristig geändert noch mit anderen kommunalpolitischen Themen wie etwa der neuen Flüchtlingsunterkunft in Todtmoos-Weg verknüpft, ich habe mich im Gegenteil stets sehr kritisch zu diesem Thema geäußert und meine Gemeinderatskollegen über mein finales Votum rechtzeitig informiert“, schreibt Boedeker. Es sei für ihn indiskutabel, die über 1600 schriftlichen Anträge auf Herausnahme von Grundstücken aus dem Biosphärengebiet, die Proteste und Petitionen sowie die nahezu ausschließlich kritischen Stimmen zu ignorieren. Auch andernorts, so in der Gemeinde Feldberg und im Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald, gebe es eine ablehnende Haltung zum Biosphärengebiet.

Jene FW-Altgemeinderäte, die ihn zum Rücktritt als Gemeinderat aufgefordert haben, hätten nie das Gespräch mit ihm gesucht, so Boedeker. Dass FW-Vorsitzender Jörg Oehler in unserer Zeitung erklärt habe, der Ausschluss sei nicht wegen dem Abstimmungsverhalten in Sachen Biosphärengebiet erfolgt, es habe auch andere Gründe gegeben, die das Vertrauensverhältnis gestört hätten, „verdeutlicht die Fragwürdigkeit der vorgetragenen Argumente“, so Boedeker. Wegen seines Ausschlusses sei bereits der halbe Vorstand der FW Todtmoos zurückgetreten und mehrere Mitglieder aus dem Verein ausgetreten. Die FW hätten „unter dieser internen Stimmungsmache gelitten“.

Viel bedenklicher noch seien die Folgen der Auseinandersetzung ums Biosphärengebiet für das Zusammenleben in Todtmoos. So seien im Blog der Gemeinde die Biosphären-Gegner im Gemeinderat als „korrupt und mit Mafiamethoden arbeitend“ beschrieben worden. „Ganz offensichtlich wird aber dieser neue Stil im Umgang der Menschen miteinander toleriert.“

Boedeker betont, er wolle weiter „im Sinne der Bevölkerung handeln und nicht eigene Interessen und Animositäten in den Vordergrund“ stellen. „Daher werde ich auch zukünftig aktiv und konstruktiv im Gemeinderat von Todtmoos mitarbeiten, mich mit voller Kraft zum Wohl der Gemeinde einsetzen und mich für die Interessen und Bedürfnisse der Bevölkerung engagieren.“