Auch wenn es sich teuer anhört: Für einen anspruchsvollen privaten Museumsneubau sind heutzutage drei Millionen Euro nicht viel Geld. Im Gegenteil! Um ein jüngeres Beispiel aus Baden-Württemberg zu nennen: Das bereits im Jahr 2004 fertig gestellte Gebäude für die „Sammlung Frieder Burda“ in Baden-Baden, das von dem New Yorker Stararchitekten Richard Meier entworfen wurde, kostete 20 Millionen Euro.

Ambitioniertes Museum am Fuße des Feldbergs

Für einen gemeinnützigen Verein aber, der gerade mal 210 Mitglieder hat, von denen 17 aktiv mitarbeiten, sind drei Millionen Euro alles andere als ein Pappenstiel. Dennoch haben sich Elisabeth Kaiser, die unermüdliche Vorsitzende des Vereins „Winterhalter in Menzenschwand“, und ihre engagierten Mitstreiter viel vorgenommen: Der Verein plant ein neues, ambitioniertes Museum für das am Fuße des Feldbergs gelegene kleine Dorf.

Die barocke Dorfkirche von Menzenschwand, im 17. Jahrhundert erbaut und schon lange nicht mehr für Gottesdienste genutzt, wird zum Museum.
Die barocke Dorfkirche von Menzenschwand, im 17. Jahrhundert erbaut und schon lange nicht mehr für Gottesdienste genutzt, wird zum Museum. | Bild: Jürgen Glocker

In den Jahren 1987 und 1988 würdigten die Londoner National Portrait Gallery und das Pariser Petit Palais in großen Ausstellungen das Werk des aus Menzenschwand stammenden Fürstenmalers Franz Xaver Winterhalter. 2005 folgte in Schloss Bonndorf die erste nennenswerte deutsche Präsentation. Sie widmete sich dem Frühwerk des Künstlers und sorgte weit über die Region hinaus für Furore.

Verein gründet sich 2008

Eine kleine Gruppe um Elisabeth Kaiser fing den Ball auf und ergriff die Initiative. Kaiser & Co. begannen Geld zu sammeln, verkauften Weihnachtsgebäck und lancierten unterschiedliche Werbeaktionen. Im Jahr 2008 gründete die Gruppe mit 3000 Euro Startkapital einen Verein, dessen Vorsitzende Elisabeth Kaiser seitdem ist.

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Am 23. September 2008, dem 200. Geburtstag Hermann Winterhalters, Franz Xavers kongenialem Bruder, war es dann soweit: Das kleine, aber feine Museum „Le Petit Salon“ wurde im ehemaligen Menzenschwander Rathaus aus der Taufe gehoben. Mit ihm nahm eine unglaubliche Erfolgsgeschichte ihren Anfang. Das zirka 550 Einwohner zählende Dorf, das seit dem 1. Juli 1974 zur Stadt St. Blasien gehört, begann Kunstbegeisterte aus aller Welt anzuziehen.

Museum zeigt Werke der Malerbrüder

Mit steigender Tendenz. Das ist auch kein Wunder, denn inzwischen verfügt das Museum über eine stattliche Anzahl von Werken der berühmten Malerbrüder, über Ölgemälde, Zeichnungen und Lithografien. Und immer wieder gelingt es Elisabeth Kaiser, attraktive Wechselausstellungen im „Petit Salon“ mit Leihgaben aus Museen und aus Privatbesitz zu gestalten.

Die Kirche bleibt im Dorf

Nach zehn Jahren kommt das Museum an seine Grenzen: Es ist, obwohl es bereits erweitert werden konnte, längst zu klein, und die Präsentationsmöglichkeiten entsprechen nicht professionellen Standards. Aus diesem Sachverhalt haben Elisabeth Kaiser und der Verein mehrere Konsequenzen gezogen. In einem ersten Schritt erwarben sie die „Erlöserkirche“. Das ist die barocke Dorfkirche von Menzenschwand, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde und schon lange nicht mehr für Gottesdienste genutzt wird.

Angemessener Rahmen für Ausstellungen

Zuletzt hatte das Gebäude der evangelischen Kirchengemeinde gehört. In einem zweiten Schritt erhielt das Freiburger Architekturbüro Spiecker Sautter Lauer einen Planungsauftrag für den Neubau eines Winterhalter-Museums. Er soll einen angemessenen Rahmen für die Präsentation der Sammlung bieten und ein gelingendes Zusammenspiel von Dauer- und Wechselausstellungen ermöglichen.

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Dieser Entwurf liegt jetzt vor. Er musste in gewisser Weise eine Quadratur des Kreises erreichen. Die größte Herausforderung für die Planer bestand darin, die Kirche und den sie umgebenden Friedhof als eingetragenes Kulturdenkmal durch die Umnutzung nicht zu überformen, sondern ihnen – angesichts ihrer Geschichte und der großen Bedeutung für das Dorf und sein Erscheinungsbild – respektvoll zu begegnen. Die Planer haben äußerst intelligent auf die städtebauliche und architektonische Situation reagiert. Die neu konzipierten Ausstellungsflächen sind auf zwei Etagen räumlich und konstruktiv als „Raum-im-Raum-System“ angelegt, das auch nach dem Umbau ein Erleben des Innenraums der Kirche erlaubt.

Infrastruktur kommt in den Anbau

Im Hinblick auf die Infrastruktur, die ein Museum benötigt, also Kasse, Cafeteria, Shop, Aufzug, Technik und Toiletten, die erhebliche Eingriffe in die historische Bausubstanz mit sich bringen würden, sieht der Plan einen Anbau in Form einer direkten Verlängerung des Kirchenschiffes in einer reduzierten Architektursprache vor. Das bedeutet: Das Gebäude wird im Ortsbild als wichtiger Solitär erhalten, „die Kirche bleibt im Dorf“. Zugleich wird die moderne Erweiterung auch für spätere Generationen klar erkennbar. Alt und neu begeben sich in einen reizvollen Dialog.

Als Fürstenmaler bekannt wurde Franz Xaver Winterhalter. Hier zu sehen ist ein Porträt der Zarin Marie Alexandrowna von Russland, datiert mit dem Jahr 1857.
Als Fürstenmaler bekannt wurde Franz Xaver Winterhalter. Hier zu sehen ist ein Porträt der Zarin Marie Alexandrowna von Russland, datiert mit dem Jahr 1857. | Bild: Hessische Hausstiftung

Etwas Anderes kommt hinzu: Der Neubau erscheint nicht nur in kultureller und kulturtouristischer Hinsicht wichtig, denn die Menzenschwander „Erlöserkirche“ steht bereits seit einigen Jahren leer, und die Spuren der Alterung werden nun mehr und mehr sichtbar. Eine Erhaltung des für das Dorf wichtigen Gebäudes ist aber nur mit einer sinnvollen Nutzung denkbar. Ein Umbau und eine Umwidmung der Kirche zum Museum würden also nicht nur dem Verein Winterhalter in Menzenschwand ganz neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnen; sie wären auch nicht nur unter kulturtouristischem Aspekt von Belang, sondern gäben gleichfalls dem ehrwürdigen Gebäude eine neue Zukunft.

Eine echte Chance

Unter dem Titel „La Chance“ hat der Verein einen Flyer herausgebracht, mit dem er um Spenden für sein großes Projekt wirbt. Darin heißt es unter anderem: „Das geplante Winterhalter Museum ist mehr als eine Bildergalerie. Es bringt dem Besucher den außergewöhnlichen Lebensweg und das Lebenswerk der Brüder Franz Xaver und Hermann Winterhalter nahe. Wechselnde Ausstellungen, begleitet durch kompetente Führungen, ermöglichen eine persönliche ‚Begegnung’ mit den Malern und ihren Bildern und lassen ihre Zeit lebendig werden.“

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Elisabeth Kaiser weiß, dass es nicht einfach sein wird, das Vorhaben umzusetzen, und dass sie großzügige Unterstützer braucht. Sie wird Zuschussanträge an die öffentliche Hand und zugleich an Unternehmen innerhalb und außerhalb der Region richten. Und lachend sagt sie: „Ich freue mich auf das Projekt und bin zuversichtlich!“