Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren, nämlich am 19. Mai 1971, fand im Foyer der damals neuen Sporthalle Oberlauchringen die erste gemeinsame Sitzung der beiden Gemeinderatsgremien von Ober- und Unterlauchringen statt, bei der die Zusammenlegung der bisher selbstständigen Gemeinden Oberlauchringen und Unterlauchringen endgültig beschlossen wurde. Nach langer Vorbereitungszeit waren die damaligen Bürgermeister Bertold Schmidt von Oberlauchringen und August Strittmatter von Unterlauchringen zusammen mit ihren Ratsgremien übereingekommen, zum 1. Juli 1971 die beiden Gemeinden zur neuen Gemeinde Lauchringen zu vereinigen.

  • Verwaltungsreform als Ausgangspunkt: Die Vereinigung erfolgte im Zuge der damaligen Gebiets- und Verwaltungsreform, die im Jahre 1968 durch das Land Baden-Württemberg gesetzlich festgelegt wurde. Bei dieser Reform war es Ziel der Landesregierung, aus der Vielzahl kleiner Gemeinden in Baden-Württemberg leistungsfähige Verwaltungseinheiten von mindestens 5000 Einwohnern zu schaffen. Zunächst wurde den in Betracht kommenden Gemeinden eine fünfjährige Frist zur Möglichkeit freiwilliger Zusammenschlüsse eingeräumt.
  • Meinungsbildung in der Bevölkerung: Diese Zeit nutzten damals die Bürgermeister und Gemeinderäte von Ober- und Unterlauchringen, sowie die Vertreter der etablierten Parteien, vor allem der CDU, zur intensiven Meinungsbildung in mehreren Sitzungen, öffentlichen Versammlungen und Frühschoppengesprächen.
Das alte Rathaus (rechter Gebäudeteil ehemaliges Gasthaus „Grüner Baum“) im Jahre 1958 mit Kinoanbau (links) in der Hauptstraße in Unterlauchringen. Das Gebäude rechts diente von 1939 bis 1985 als Rathaus. Der Gebäudekomplex wurde 1989 abgerissen.
Das alte Rathaus (rechter Gebäudeteil ehemaliges Gasthaus „Grüner Baum“) im Jahre 1958 mit Kinoanbau (links) in der Hauptstraße in Unterlauchringen. Das Gebäude rechts diente von 1939 bis 1985 als Rathaus. Der Gebäudekomplex wurde 1989 abgerissen. | Bild: Repro Rudi Franck
  • Günstige Bedingungen für die Fusion: Neben der günstigen geographischen Lage bot es sich durch viele gemeinsame Projekte (zum Beispiel Zweckverband Abwasserbeseitigung Klettgau-West, Zweckverband zum Bau eines beheizten Freibades oder gemeinsamer Flächennutzungsplan) förmlich an, sich zusammen zu schließen. Nach einer Bürgerversammlung am 16. April 1971 und einer Bürgerbefragung am 25. April 1971 mit überwiegender Zustimmung zur geplanten Fusion (siehe Kasten), erfolgte in der gemeinsamen Sitzung der beiden Ratsgremien am 19. Mai 1971 einstimmig die Vereinbarung zum Zusammenschluss der beiden Gemeinden mit Wirkung vom 1. Juli 1971.
Altes Rathaus Oberlauchringen (rechts) und alte Schule (links) aus dem Jahre 1991.
Altes Rathaus Oberlauchringen (rechts) und alte Schule (links) aus dem Jahre 1991. | Bild: Rudi Franck
  • Altgemeinderäte ziehen Bilanz: Kurt Müller (81), Schulamtsdirektor i.R. und früherer Gemeinderat in Unterlauchringen, erinnert sich, dass es Befürchtungen gab, dass Unterlauchringen der Stadt Tiengen zugeschlagen werden könnte, weshalb sich die Gemeinderäte und die Bevölkerung eindeutig für den Zusammenschluss mit Oberlauchringen stark gemacht hatten. Aus heutiger Sicht meine er: „Ich halte es für einen sehr großen Glücksfall, dass sich die damaligen Einzelgemeinden freiwillig und rechtzeitig zu einer Gesamtgemeinde zusammen geschlossen haben.“ Auch Franz Höhl (89), Steinmetzmeister i.R. und ehemaliger Gemeinderat in Oberlauchringen, sieht es positiv: „Das Zusammenwachsen in der Bevölkerung hat sich erst durch die errichteten Gemeinschaftseinrichtungen wie Schwimmbad, Hauptschule, oder Sporthalle so richtig vollzogen“. Beide sind der Auffassung, dass sich die Gesamtgemeinde bis heute durch enorme bauliche Erweiterungen, durch eine besonders gute ärztliche Versorgung, sowie im Bereich Handel, Gewerbe, Kleinindustrie und Verwaltung äußerst positiv entwickelt habe.
Franz Höhl (89). Bild: Herbert Schnäbele
Franz Höhl (89). Bild: Herbert Schnäbele | Bild: Herbert Schnäbele
Kurt Müller (81). Bild: Schnäbele
Kurt Müller (81). Bild: Schnäbele | Bild: Herbert Schnäbele