Seit Langem ein Begriff in der St. Blasier Musikszene ist Michael Neymeyer, nicht nur als Musiklehrer am Kolleg, als künstlerischer Leiter der Klosterkonzerte und als Leiter des Domchors. Auch sein Faible für ausgefallene Instrumente dürfte sich herumgesprochen haben, nachdem er bereits mehrere Veranstaltungen mittels ausgefeilter Technik musikalisch umrahmt hat, als stünde ihm ein ganzes Orchester zur Verfügung.

Seine neueste Errungenschaft, das Continuum Fingerboard mit dem Onde genannten zugehörigen Lautsprecher, hat er erst kürzlich beim „Klingenden Wald“ auf dem Dachsberg vorgestellt. Es hat sozusagen das Seaboard abgelöst, mit dem er zuvor experimentiert hatte und bereits mehrfach erfolgreich in Erscheinung getreten war.

Mit diesen beiden Instrumenten gehört Michael Neymeyer zu einer ganz bestimmten Musikerszene, die eine Klaviatur sucht, auf der man nicht nur, wie er selbst das beim Keyboard etwas abfällig charakterisiert, „Ton an und Ton, aus, laut, leise, dazu grade mal noch dämpfen“ unterscheiden kann, sondern Effekte wie Glissandi, Vibrato oder gar das Spiel mit Mikrotönen und kleinsten Frequenzmodulationen zur Verfügung hat.

Welche Möglichkeiten bietet das Seabord?

Das Seaboard, 2016 von Neymeyer auf der Musikmesse in Frankfurt entdeckt und sofort bestellt, ist ein solches Instrument, eine Tastatur aus Silikon, angeschlossen an eine spezielle Software zur Erzeugung der unterschiedlichsten Instrumente und Klangfarben.

Hat man beispielsweise einen Streicherchor ausgewählt, so lassen sich zudem mittels Veränderung der Druckstärke einzelne Instrumente hervorheben, auch Halleffekte und bei Bläsern sogar das Anblasen lassen sich elektronisch erzeugen. Die Instrumente sind aus gesampelten Einspielungen echter Instrumente zusammengesetzt und klingen täuschend ähnlich.

Warum ist ihm das Continuum Fingerboard lieber?

Dennoch schwört Neymeyer mittlerweile auf das Continuum Fingerboard, das er vor einem halben Jahr entdeckt hat. Es benutzt einen kleinen Block mit einer Neoprenschicht als Tastatur und leitet den Klang nicht, wie das ­Seaboard, auf herkömmliche Lautsprecher, sondern auf einen Lautsprecher aus Holz, das mitschwingt, den Klang quasi akustisch überformt. Die Software ist im Prinzip gleich, aber durch eine Fülle von Sensoren lassen sich auf dieser Tastatur kleinste Frequenzverschiebungen und Klangnuancierungen erzielen.

Dadurch ist dieses Instrument zwar erheblich schwerer zu spielen – um einen reinen Ton zu erzielen, muss man ähnlich genau üben wie bei einem Streichinstrument. Dafür begeistern Neymeyer aber die schier unendlichen Formungsmöglichkeiten der Klänge am einzelnen Ton selbst umso mehr. „Mit diesem Instrument kann ich beispielsweise perfekt Stimmungen ausdrücken, sogar eine Mikrotonkomposition beispielsweise von Skrjabin umsetzen, für ein Tasteninstrument geradezu ungeheuerlich“, schwärmt er. Dafür sei das neue Instrument allerdings auch extrem beschäftigungsintensiv. Es gebe nicht viele Musiker, die gleichzeitig wie er musik- und technikaffin sind. Für das Continuum Fingerboard existiert eine eigene Facebook-Gruppe mit rund 30 Mitgliedern, die sich gegenseitig anspornen, informieren und zu Workshops einladen. Er ist derzeit der einzige Deutsche unter ihnen.

Dieses Nischenwesen reize ihn ganz besonders, gesteht Neymeyer, der nach eigener Aussage mit den ersten Synthesizern der 80er Jahre groß geworden ist. „Von der neu entdeckten Technik war ich gleich total angefressen“, gesteht er. Er kennt auch die Erfinder und Bauer dieses Instruments persönlich, hat sie bei der Musikmesse in Berlin kennengelernt. „Das ist alles handgemacht, die Lautsprecher werden als signierte Einzelstücke gehandelt“, erklärt er, „einfach genial“.