Die Folgen des heißen, trockenen Sommers beschäftigen die Gemüter. Landwirte beklagen Ernteausfälle, Politiker schnüren Hilfspakete, Verbraucher befürchten Preissteigerungen bei Lebensmitteln. Am meisten jedoch ängstigt viele Menschen, dass dieser außergewöhnliche Hitzesommer nur der Anfang eines Klimawandels ist, der uns allen noch viele Veränderungen bisheriger Lebensgewohnheiten abverlangen könnte. Wir fragten nach, wie die Erntebilanz in Bonndorf und Wutach aussieht.

Für Hochleistungsmilchkühe ist eine konstante Futterqualität unerlässlich. Wenn die Sonne das Gras verdorrt, sind Alternativen gefragt. Bilder: Martha Weishaar
Für Hochleistungsmilchkühe ist eine konstante Futterqualität unerlässlich. Wenn die Sonne das Gras verdorrt, sind Alternativen gefragt. Bild: Martha Weishaar

Die Region um Bonndorf trifft es nicht ganz so heftig wie andere Gebiete der Bundesrepublik. Das ist die gute Nachricht. Im Gegensatz zu Nord- und Ostdeutschland regnete es hier doch immer wieder mal, wenn auch deutlich weniger als notwendig wäre. Schlimmer als die Ernteausfälle infolge von Hitze und Trockenheit sind die Verluste durch Hagelschäden.

Totalausfall durch Hagel

Elmar Meister aus Ewattingen beklagt nach zweimaligem Hagel auf einigen seiner Felder Totalausfälle. „Ohne Hagel wäre das Jahr beim Getreide gut gewesen“, sagt der auf Milchvieh spezialisierte Landwirt auf Nachfrage der Badischen Zeitung. So aber bleibt ihm beim Weizen nur noch das Stroh. Braugerste hatte, je nach Lage des Ackers, zwischen 20 und 75 Prozent weniger Ertrag, bei Hafer und Raps gab es ebenfalls erhebliche Einbußen und auch der Mais weist starke Schäden auf. Zwar ist Elmar Meister gegen Hagelschäden versichert, doch einen vollkommenen Ausgleich bietet die Versicherung nicht. Beim Grünfutter schmälerten Hitze und Trockenheit den Ertrag.

Um mit dem vorhandenen Futter über den Winter zu kommen, verkauft Elmar Meister Vieh. „Die Bullen hätte ich gerne erst in drei Monaten verkauft, aber schon jetzt zeichnet sich ein Preisrückgang beim Rindfleisch ab und ich befürchte, dass das erst der Anfang ist“, sagt der 54-Jährige. Eine solche Situation habe es auf seinem Hof, der nunmehr in der dritten Generation bewirtschaftet wird, noch nie gegeben. Dass die Wetterextreme sich häufen, steht für Elmar Meister außer Frage. Das zeigt sich unter anderem auch daran, dass sich die Erntezeit um drei bis vier Wochen nach vorne verlagert hat.

Wasserverbrauch steigt

Zwischen 20 und 30 Prozent Ertragseinbußen beim Getreide verzeichnet auch Pirmin Gantert, der gemeinsam mit seinem Sohn Christian und Frau Brigitte den Aussiedlerhof hinter dem Bonndorfer Friedhof bewirtschaftet. Dazu kommen zwischen 15 und 40 Prozent Ertragsminderung durch Hagelschäden beim Mais. Dennoch sagt Pirmin Gantert: „Ich möchte keine Hilfsgelder in Anspruch nehmen. Die sollen diejenigen kriegen, die es noch härter trifft.“ Der Milchbauer hat bereits im Frühjahr, als sich außergewöhnliche Trockenheit abzeichnete, Maßnahmen ergriffen. Ganterts pflanzen viel Ackerfutter an. Bei den tiefen Wurzeln spielt Trockenheit keine so große Rolle, außerdem ist die Fruchtfolge für die Böden gut. Ackerfutter gewährt in Kombination mit Silofutter zudem konstante Futterqualität für die 140 Milchkühe.

Von manchem Getreide gab es infolge von Hagelschäden in diesem Jahr außer Stroh nichts zu ernten.
Von manchem Getreide gab es infolge von Hagelschäden in diesem Jahr außer Stroh nichts zu ernten.

Glücklicherweise konnte man noch auf Futterreserven vom Vorjahr zurückgreifen. Denn die Wiesen wurden dieses Jahr weitestgehend von der Sonne versengt. „Die Hitze war schlimmer als die Trockenheit“, sagt Brigitte Gantert. Als sich abzeichnete, dass sich das Korn infolge Trockenheit nicht optimal entwickeln würde, häckselte man einen Teil des Getreides, um es dem Futter beizumischen. Für den Eigenbedarf reicht die Getreideernte trotz allem, für den Verkauf blieb gleichwohl nichts übrig. Stroh, das in diesem Jahr ebenfalls knapp ist, kaufte der Landwirt bereits Ende Mai aus Frankreich zu. Extrem gestiegen ist derweil der Wasserverbrauch.

„Allein im Juli verbrauchten wir 700 Kubikmeter Wasser“, berichtet der Landwirt. Der durchschnittliche Monatsbedarf liegt bei 500 Kubikmeter. Eine Hochleistungskuh trinkt täglich zwischen 150 und 180 Liter Wasser, wenn es heiß ist entsprechend mehr. Ganterts hoffen nun, dass sie wenigstens ihren Mais ohne weitere Hagelschäden ernten können. Dass 2018 kein einmaliger Ausnahmefall, sondern eine Auswirkung des Klimawandels ist, steht für Pirmin und Brigitte Gantert außer Frage. „Früher hagelte es alle zehn Jahre mal, jetzt haben wir alle zwei Jahre Hagelschäden. Die Zukunft wird für die Jungen eine große Herausforderung.“

Wiesen sind verdorrt

Als „leicht unter dem Durchschnitt“ beziffert Friedrich Bündert aus Wittlekofen seine diesjährige Getreideernte. Ihm bereiten vor allem die verdorrten Wiesen Probleme, da ihm das Gras für die 85 Milchkühe seines Biolandbetriebes fehlt. Allenfalls in schattigen Waldrandlagen blieben die Wiesen grün. „Es müsste lange und viel regnen“, sagt der Vorsitzende des BLHV-Ortsverbands. Er muss nun Futter zukaufen. Der Mais entwickelte infolge der Trockenheit auf seinen Feldern nur Kümmerkolben, wird also ebenfalls weniger Ertrag bringen. Aus Sicht des Müllers ist die regionale Getreidequalität trotz Hitzesommer hervorragend, der Ertrag durchschnittlich. „Dadurch, dass es schon im Frühjahr so trocken war, wurzelte das Getreide tiefer.

Der Regen Ende Mai und Anfang Juni kam genau zur richtigen Zeit, die Körner konnten sich schön ausbilden“, sagt der Wellendinger Müllermeister Daniel Blattert. Probleme verursachte vielmehr der Hagel auf Wutacher Feldern, die so etwas wie die „Kornkammer“ des Einzugsgebietes der Blattert-Mühle sind. Aus Wutach fehlen der Wellendinger Mühle 300 Tonnen Getreide, davon allein 200 Tonnen Weizen. Für die Eigenproduktion reichen die Getreidelieferungen dennoch. Signifikante Auswirkungen auf den Preis erwartet Daniel Blattert trotz allem nicht. „Europaweit war die Getreideernte gut, auch wenn es in Nord- und Ostdeutschland eine Katastrophe war.“

Klimawandel

Während der eine oder andere Landwirt die Ertragseinbußen als unternehmerisches Risiko bewertet, sind andere mit Ernteausfällen von 30 und mehr Prozent durchaus existenzgefährdet. Wie viele im Landkreis Waldshut das sind, weiß man derzeit noch nicht genau. Michael Martin, Bezirksgeschäftsführer der BLHV-Geschäftsstelle Waldshut, rechnet frühestens Ende Oktober mit verlässlichen Zahlen. Die Politik müsse sich aber überlegen, wie sie der Landwirtschaft dauerhaft bei klimabedingten Ernteausfällen helfen könne. Als Möglichkeiten nennt er Risikorücklagen, die Züchtung hitzeresistenter Pflanzen oder auch Mehr-Gefahren-Versicherungen für Landwirte.

„Es gehören neue Pakete geschnürt, um die Betriebe zu entlasten“, fordert Martin. Kurzfristig könnte die Aussaat von Zwischenfrucht auf öffentlichen Vorrangflächen oder das Verfüttern von Apfeltrester die Futterknappheit abmildern. Im Landwirtschaftsamt Waldshut wartet man derweil auf Anweisungen des Regierungspräsidiums. Dass auf seine Behörde viel Arbeit zukommt, wenn verlässliche Zahlen über die Ernteausfälle vorliegen, steht für den stellvertretenden Amtsleiter Alexander Wegerhof jedoch außer Frage.