Energie aus regenerativen Quellen zu erzeugen, und dadurch zumindest einen Teil der Energieversorgung zu sichern und Klimaschutz zu betreiben, erscheint als Gebot der Stunde. Bonndorf und das Umland sind allerdings nur bedingt gesegnet mit zur Stromerzeugung geeigneten Windkraftstandorten, auch Wasserkraft kann nur bedingt genutzt werden. Dafür setzt man in gewissem Umfang auf Photovoltaik – und Bonndorf auf zwei Wärmenetze, die einen Teil der Haushalte mit Wärme aus erneuerbaren Energien versorgen.

  • Photovoltaik: In der Nutzung der Sonne zur Stromerzeugung reiht sich Bonndorf nach Angaben aus dem Energieatlas Baden-Württemberg mit einer Leistungsklasse von 2000 bis 3999 Kilowatt (kW) (Stand 2013) der auf Gebäudedächer installierten Anlagen ein in eine mittlere Größenordnung, in der sich auch Nachbarkommunen wie Ühlingen-Birkendorf, Lenzkirch und Stühlingen befinden. In Wutach und Grafenhausen sind Dachanlagen mit einer Leistungsklasse zwischen 1000 und 1999 kW installiert. In Bonndorf und Wutach agieren nicht nur Privatpersonen, sondern auch Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR), etwa in Dillendorf und Münchingen auf den ehemaligen Schulgebäuden (beide betrieben durch die Solarstrom Münchingen GbR). In der Nord- und der Weststadt Bonndorfs wird die Leistungsklasse für Solarstrom als meist sehr gut (95 bis 100 Prozent der maximal in der Region nutzbaren Einstrahlungsenergie) bis gut (80 bis 94 Prozent der maximal in der Region nutzbaren Einstrahlungsenergie) angegeben. Im Vogelgebiet (Osten) liegt diese meistens bei gut. Die Ortsteile Wittlekofen und Wellendingen, aber auch Gündelwangen weisen etliche Gebäude mit einer sehr guten Leistungsklasse auf.

Überhaupt keine Rolle spielen in der Region Solaranlagen auf Freiflächen – es gibt nach Angaben des Energieatlas keine (Stand 2013). Und dies, obwohl das Photovoltaik-Freiflächenpotential nach Auswertungen des Energieatlas zwischen Bonndorf und Ewattingen, aber auch westlich von Stühlingen sowie rund um Grafenhausen und Ühlingen-Birkendorf als geeignet ausgewiesen wird.

Der komplette Landkreis Waldshut wird per Definition als benachteiligtes Gebiet nach Maßgabe der Freiflächenöffnungsverordnung (FFÖ) beziehungsweise des Energieeinspeisungsgesetzes (EEG) eingestuft. In Baden-Württemberg können nach einer Verordnung zur FFÖ vom 7. März 2017 Anlagen mit einer jährlichen Leistung von bis zu 100 Megawatt (MW) den Zuschlag erhalten.

  • Windkraft: Zur Erzeugung von Strom durch Windkraftanlagen ist nach Angaben des Energieatlasses die Region zwischen Bonndorf/Wutach und Stühlingen in wenigen Bereichen nur bedingt geeignet, auf den Gemarkungen Grafenhausen und Ühlingen-Birkendorf nahezu gar nicht. Die größten nutzbaren Bereiche der Windkraft in dieser Region liegen südöstlich von Bonndorf und südlich/südöstlich von Münchingen. Auf Bonndorfer Gemarkung gibt es eine Anlage am Krummen Föhrle (nach Energieatlas bezüglich der Windhöffigkeit bedingt geeignete Fläche) sowie eine im Gewann Auf der Wacht gegenüber dem Gewerbegebiet Im Breitenfeld an der K 6516 (nach Energieatlas eine Fläche ohne Einschätzung der Eignung) Richtung Boll. Die Anlage neben der alten Straße nach Dillendorf aus dem Jahr 2005, mit einer Nennleistung von 480 kW je Stunde, wird betrieben durch die Krummes Föhrle-Windkraft GbR. Die Anlage Auf der Wacht, Baujahr November 1998 mit einer Nennleistung von 400 kW je Stunde, wird durch die Windkraft Bonndorf GbR betrieben. Die beiden Standorte seien zugegebenermaßen Schwachwindstandorte, erläuterte Uli Spielberger, Mitglied in beiden GbR und Geschäftsführer der Windkraft Krummes Föhrle. Allerdings schätzt er die Nähe zur Verbraucherregion als bedeutend ein. Der eingespeiste Strom müsse nicht über Land verschickt werden, sondern werde regional verbraucht. Darüber hinaus sei die regionale GbR nahezu frei von Verwaltungskosten – dies seien nicht zu unterschätzende Vorteile. Nach der Tilgung der Baudarlehen gehören beiden Anlagen vollständig den Gesellschaftern mit entsprechenden Gewinnausschüttungen. Der Tilgungszeitraum beträgt zwischen einem Jahrzehnt und 15 Jahren. Bislang haben beide Anlagen seit Bestehen 20 Millionen kWh Strom erzeugt.
  • Nahwärme: Die Nahwärmenetze Bonndorf I (Weststadt; 2014), betrieben mit einer Hackschnitzelanlage und einer Heizzentrale an der Bahnhofstraße, sowie Bonndorf II (Mitte; 2015), betrieben über industrielle Abwärme durch Nutzung von Flüssiggas über Blockheizkraftwerke, versorgen in der Kernstadt über eine 16 Kilometer lange Trasse 275 Gebäude mit Wärme. Jährlich 1,4 Millionen Liter Heizöl und 4200 Tonnen CO2 werden eingespart.

Bonndorf I hat eine Trassenlänge von rund zehn Kilometern, angeschlossen sind 165 Abnehmer. Investiert wurden rund fünf Millionen Euro. Der Ersatz von rund 800 000 Liter Heizöl jährlich entspricht rund 2400 Tonnen CO2. Bonndorf II hat eine Trassenlänge von rund sechs Kilometern, angeschlossen sind 110 Abnehmer.

Auch hierfür wurden rund fünf Millionen Euro investiert. Die verkaufte Wärmemenge entspricht rund fünf Millionen kWh jährlich, dies entspricht rund 600 000 Liter Heizöläquivalent oder 1800 Tonnen CO2.Geplant und betrieben werden die Nahwärmenetze durch die solarcomplex AG, im Jahr 2000 als GmbH von 20 Bürgern gegründet und seit 2007 eine nicht-börsennotierte AG. 2014 gab es rund 1000 Gesellschafter (Privatpersonen und Firmen). Fernziel ist die regionale Energiewende bis 2030.

  • Biomasse/Wasserkraft: Biomassefeuerungsanlagen mit einer Leistung von mehr als 1 Megawatt (MW) gibt es auf Bonndorfer Gemarkung nach dem Energieatlas keine, allerdings kleinere Anlagen. Ebenfalls gibt es auf der Gemarkung keine Wasserkraftanlagen, jedoch bei Ewattingen eine in der Wutach.