„... einmalig in ganz Baden-Württemberg ...“ und „… ein letzter Schliff für Bonndorf ...“ – Bene Müller, Vorstand der Solarcomplex AG, begeistert sich für die geplante Erweiterung des Nahwärmenetzes der Löwenstadt. Nachdem der Bau eines weiteren Netzabschnitts wegen niedriger Ölpreise am Weltmarkt zwei Jahre auf Eis gelegt worden war, möchte die solarcomplex AG einen dritten Abschnitt „Bonndorf Ost“ nun 2019 angehen.

100 neue Kunden als Ziel

Bis zu 100 neue Kunden erhofft sich Bene Müller im „Nahwärmenetz Ost“, das die Siedlung zwischen der Schaffhauser Straße/B315 und der Dillendorfer Straße umfasst. Hierfür sei eine Trassenerweiterung von bis zu 3,5 Kilometern vorgesehen. Der Bau einer weiteren Heizzentrale sei nicht beabsichtigt, die solarcomplex AG werde das „Nahwärmenetz Ost“ an die Abwärmeanlage der Hans Adler OHG anschließen, die bereits das bestehende Netz Bonndorf II (Mitte) versorgt.

Wann rentiert sich die Erweiterung?

In zwei Informationsveranstaltungen möchte Bene Müller zusammen mit Projektingenieurin Veronica Paolino die Hauseigentümer über das geplante Projekt informieren. Eine allgemeine Faustformel besage, dass eine Netzerweiterung sich betriebswirtschaftlich lohne, wenn sich wenigsten die Hälfte der Hauseigentümer für einen Netzanschluss entscheiden, erläutert Bene Müller im Gespräch. Dies setze allerdings eine möglichst hohe Abnehmerdichte und kurze Wege zum Wärmelieferer, hier die Hans Adler OHG, voraus. Bene Müller rechnet der solarcomplex AG gute Chancen aus, denn in dem anvisierten Wohngebiet gebe es eine Vielzahl älterer Häuser mit Heizanlagen, bei denen eine Veränderung Sinn machen könnte.

Ökologische Gründe

Bene Müller hofft, die Hauseigentümer von einem Anschluss an den geplanten dritten Netzabschnitt zu überzeugen. Er führt die Logik der Vollkosten an. Die Abnehmer sollten Kosten für Reparatur und Wartung der bisherigen Anlagen sowie für den Schornsteinfeger ebenso im Blick haben wie für eine möglicherweise anstehende Neuanschaffung. Ein Anschluss an das Nahwärmenetz rechne sich deshalb möglicherweise. Zudem steige der Ölpreis am Weltmarkt wieder stark an.

An ökologischen Gründen führt er an, dass bei einem Durchschnittsverbrauch von 3000 Liter Heizöl jährlich je Haus bei 100 Abnehmern 300 000 Liter zusammenkommen. Dies entspreche einer Wärmemenge von 3,024 Millionen Kilowattstunden oder rund 847 Tonnen CO 2. Ob es gelinge, die erforderliche Anschlusszahl zu erreichen? Bonndorf sei weder ein allzu schwieriges noch ein allzu leichtes Feld, Menschen zum Umstieg und Nutzung regenerativer Energien zu überzeugen, hält sich Bene Müller neutral.

Wie viel soll investiert werden?

Bene Müller rechnet mit Investitionen der solarcomplex AG in das „Nahwärmenetz Ost“ von bis zu zwei Millionen Euro. Ein ausreichendes Interesse von potentiellen Abnehmern vorausgesetzt, könnten Tief- und Rohrleitungsbau 2019 begonnen und abgeschlossen werden. Die Wärmeabnehmer könnten dann frühestens 2020 ans Netz.

Bislang investierte die solarcomplex AG in die beiden Nahwärmenetze Bonndorf I (Weststadt; 2014; Investitionssumme rund fünf Millionen Euro) und Bonndorf II (Mitte; 2016; Investitionssumme rund vier Millionen Euro) an die neun Millionen Euro. Angeschlossen an diese beiden Netze seien, so Bene Müller, etwa 275 Gebäude. Diese werden im Westen durch das Nahwärmenetz Bonndorf I über eine Heizzentrale (Hackschnitzel) in der Bahnhofstraße sowie Abwärme der Dunkermotoren GmbH und in der Stadtmitte durch das Nahwärmenetz Bonndorf II über Abwärme der Hans Adler OHG versorgt.

Sollte es gelingen, den dritten Nahwärmenetzabschnitt zu verwirklichen, dann stehe die Stadt Bonndorf in ihrer kommunalen Größenordnung durch eine nahezu Komplettversorgung durch Nahwärme einmalig in ganz Baden-Württemberg da, so Bene Müller. Ein dritter Netzabschnitt gäbe Bonndorf den letzten Schliff der Versorgung über regenerative Energien.

Solarcomplex AG

Betrieben werden die Nahwärmenetze Bonndorf durch die solarcomplex AG, 2000 als GmbH gegründet und seit 2007 eine nicht-börsennotierte AG. Informationsveranstaltungen sind am Dienstag, 23. Oktober, und am Donnerstag, 15. November, jeweils um 19 Uhr in der Stadthalle. Die Sprechstunde ist am Dienstag, 27. November, 17 bis 19 Uhr, im Rathaus.