„Wir können so ziemlich alles drucken, was benötigt wird“, erzählen Alexander Emde aus Schönwald und Joshua Geißler aus Pfaffenweiler. Die beiden kennen sich erst seit wenigen Tagen, ziehen in der aktuellen Krise aber gemeinsam an einem Strang. Sie haben sich am 28. März mit 11 weiteren Mitstreitern aus über das Internet in einer regionalen Gruppe organisiert, um gemeinsam die bundesweite Initiative „Maker gegen Corona„ zu unterstützen. Sie alle besitzen sogenannte 3D-Drucker, mit welchen zuhause am Computer plastische Modelle ausgedruckt werden können. In der Corona-Krise stellen sie ihre privaten technischen Geräte in den Dienst der guten Sache. 200 Gesichtsschilde hat die Gruppe bereits gedruckt und diese dann Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen zur Verfügung gestellt.

Ein fertig montiertes Faceshield mit mehreren zusätzlichen Kopfbügeln.
Ein fertig montiertes Faceshield mit mehreren zusätzlichen Kopfbügeln. | Bild: MakerVsVirus.org

So funktionieren die Schilde

Ähnlich wie Abtrennungen an Supermarktkassen funktionieren auch die Gesichtsschilde. Die Halterung kommt aus dem 3D-Drucker. Daran lassen sich Gummibänder befestigen, die die Konstruktion am Kopf fixieren. Es gibt auch Modelle, die ohne Gummiband auskommen. An die Halterung muss nun nur noch eine stabile Klarsichtfolie angebracht werden. Dafür eigenen sich zum Beispiel handelsübliche Projektor-Folien.

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Fertig ist ein Faceshield, wie diese Schutzschilde in englischer Sprache genannt werden. Schilde erhöhen den Schutz vor Viren bei nahem Kontakt mit anderen Menschen. Der direkte Weg von Gesicht zu Gesicht wird durch die Folie blockiert. Zusätzlich können sogenannte Nase-Mund-Masken getragen werden, die zusätzlichen Schutz bieten.

Dominik Hense vom Hammertime Kassel, Initiator von MakerVsVirus.org, mit einem fertigen Faceshield vor der Übersichtskarte der registrierten Freiwilligen.
Dominik Hense vom Hammertime Kassel, Initiator von MakerVsVirus.org, mit einem fertigen Faceshield vor der Übersichtskarte der registrierten Freiwilligen | Bild: MakerVsVirus.org

Bundesweite Aktion

Die mittlerweile bundesweite Initiative wurde von Dominik Hense aus Kassel gegründet. Die zentrale Anlaufstelle des Projektes ist die Internetseite MakerVsVirus.org, was so viel bedeutet wie „Maker gegen Corona„. Als Maker werden Personen bezeichnet, die gerne neue Dinge herstellen, oder existierende umbauen, und dabei aktuelle technische Möglichkeiten einsetzten. Sie sine quasi die moderne Version der klassischen Heimwerker. Mittlerweile beteiligen sich rund 4000 Menschen in Deutschland an dem Projekt“, erzählen Emde und Geißler. diese sind wiederum in regionalen Gruppen organisiert, die den Druck und die Verteilung in der nahen Umgebung organisieren. Die Schutzschilde werden kostenlos oder kostendeckend angeboten. Das Netzwerk ist auf Geld- und Materialspenden angewiesen, um die vielen Drucker am Laufen halten zu können.

Im Vordergrund ein fertiges Faceshield neben einem Stapel Kopfteilen. Die provisorische Produktion läuft gut an.
Im Vordergrund ein fertiges Faceshield neben einem Stapel Kopfteilen. Die provisorische Produktion läuft gut an. | Bild: MakerVsVirus.org

Zur Dauerlösung soll diese schnelle Hilfe jedoch nicht werden. Dominik Hense vom Hammertime Kassel, der in der Zentrale die Fäden zusammenhält, sagt: „Die Initiative möchte flexibel und schlagkräftig auf kommende Herausforderungen reagieren, bis
kommerzielle Anbieter den Bedarf an größeren Mengen decken können.“ Dann könne man an anderer Stelle helfen, zum Beispiel bei der Produktion von Adaptern oder Ventilen für Beatmungsgeräte. „Wir hoffen, dass bald Unternehmen Spritzgussformen entwickelt haben, um die Teile schneller und kostengünstiger herzustellen“, fügt Emder hinzu.

Logo der Initiative MakerVsVirus
Logo der Initiative MakerVsVirus | Bild: MakerVsVirus.org

Regionale Gruppe

Das regionale Netzwerk im Schwarzwald-Baar-Kreis, auch Hub genannt, umfasst derzeit knapp 15 Personen. 100 Gesichtsschilde könnte die Gruppe täglich produzieren. Diesen Bedarf sehen die ehrenamtlichen Helfer derzeit aber noch nicht. 200 Schilde haben sie bereits produziert und ausgeliefert, zum Beispiel an kleinere Arztpraxen und an ein Pflegeheim in Furtwangen, das 60 Schilde bekommen habe.

Unser Bild zeigt einige Unterstützer der Aktion aus der Region: Die 3D-Drucker von Alex, Daniel, Andreas und Jens mit Töchterchen (von links) arbeiten derzeit für den guten Zweck.
Unser Bild zeigt einige Unterstützer der Aktion aus der Region: Die 3D-Drucker von Alex, Daniel, Andreas und Jens mit Töchterchen (von links) arbeiten derzeit für den guten Zweck. | Bild: MakerVsVirus.org

Unterstützt wurde die Gruppe dabei von Gemeinden wie Triberg, Schonach und Furtwangen, die die Klarsichtfolien gespendet haben. Auch dem Schwarzwald-Baar Klinikum habe man eine Lieferung angeboten. Eine Lieferung ging in den Raum Offenburg. Auf der Internetseite MakerVsVirus.org kann man auf einer Karte alle aktiven Gruppen in Deutschland einsehen und kontaktieren. Weitere Gruppen gibt es demnach in Titisee-Neustadt und im Kreis Tuttlingen.

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3D-Druck

Je nach Modell und verwendetem Material kostet ein Schild-Druck 50 Cent bis einen Euro. Etwa 30 Minuten bis zu einer Stunde sind die Geräte pro Gesichtsschild beschäftigt. Unser Video zeigt die Entstehung im Zeitraffer.

Video: Michael Colditz

Türhaken, um Klinken zu öffnen, oder einen Einkaufswagen kontaktlos zu schieben, kosten nur 15 Cent in der Produktion.

Mit solchen Haken können Türklinken oder Einkaufswagen kontaktlos bewegt werden.
Mit solchen Haken können Türklinken oder Einkaufswagen kontaktlos bewegt werden. | Bild: Fröhlich, Jens

Vorlagen

Um solche 3D-Modelle drucken zu können, benötigen die Geräte spezielle Druckdateien, die alle nötigen Raummaße des Endproduktes enthalten. Solche, mit CAD-Programmen erstellten Vorlagen können im Internet kostenlos heruntergeladen werden. „Das Modell Prusa RC3 braucht über eine Stunde im Druck“, so Emde. Dafür sei sie stabiler und langlebiger.

Das Modell Prusa RC3 benötigt über eine Stunde im Druck, ist dafür stabiler und langlebiger.
Das Modell Prusa RC3 benötigt über eine Stunde im Druck, ist dafür stabiler und langlebiger. | Bild: Fröhlich, Jens

„Die Version eines Konstrukteurs aus Schweden (3dVerkstan) braucht weniger als 30 Minuten.“

So sieht ein fertig montiertes Gesichtsschild aus.
So sieht ein fertig montiertes Gesichtsschild aus. | Bild: Fröhlich, Jens

Als Materialien kommen Polylactid (PLA) oder PETG, ein mit Glycol modifiziertes Polyethylenterephthalat (PET), zum Einsatz. Diese Stoffe werden vom Drucker erhitzt und dann Schicht für Schicht zu einem 3D-Modell verarbeitet.

Probleme

Da man kein eingetragener Verein sei, gestalte sich die Spendenabrechnung etwas schwierig, erzählen Emde und Geißler. Häufig helfen sie daher einfach kostenlos auf eigene Rechnung. Ein weiteres Problem seien Abmahnungen. Man müsse daher genau darauf achten, wie man die Schilde bezeichnet. Weniger ein Problem, vielmehr ein Ärgernis, seien die Wucherpreise, die einige findige Händler derzeit auf großen Handelsplattformen für Schutzausrüstung verlangen würden. „Haken werden dann zum Beispiel für sieben Euro angeboten, für die Gesichtsschilde wird teilweise noch viel mehr verlangt.“

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Emde kenne einige Mitstreiter, die ihrerseits mit günstigen Angeboten versuchen würden, diesem Geschäft mit der Not entgegenzuwirken. Auch habe es schon Anfragen von Personen gegeben, die versucht hatten über die Maker-Gruppe günstig an fertige Modelle zu kommen, um diese dann später teuer weiterzuverkaufen. Daher liefere man die fertigen Schilde mittlerweile nur noch persönlich sowie an vertrauenswürdige Adressen und Einrichtungen aus.

Kontakt

Wer die Gruppe unterstützen möchte, oder Bedarf an Schutzschilden anmelden möchte kann sich per Email an makerjoshi.hub@gmail.com an die regionale Gruppe wenden. Alle Informationen zum Projekt sowie die Kontaktadressen aller regionalen Gruppen finden Sie im Internet: www.makervsvirus.org

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