Rund 500 Kindergartenplätze fehlen aktuell: 390 für Kinder aus Villingen-Schwenningen, 100 für Kinder aus dem Umland, deren Eltern aber in der Stadt arbeiten. Der SÜDKURIER befragte die OB-Kandidaten, die aktuell Wahlkampf machen, wie sie mit dem Thema als Oberbürgermeister umgehen und welche Lösungsvorschläge sie anbieten.

  • Marina Kloiber-Jung: "Ich bin ja Mutter zweier Kinder und kenne das Verteilungsproblem bei den Kindergartenplätzen aus erster Hand", berichtet die einzige OB-Kandidatin. Sie habe sich fast in jeder Einrichtung der freien Träger vorgestellt, zunächst ohne jeden Erfolg. Dann sei es ihr gelungen, doch noch Kindergartenplätze zu bekommen. Der Platzmangel war nach Auffassung von Kloiber-Jung durchaus absehbar. Die Stadt, findet die 36-Jährige, sollte die bestehenden Einrichtungen ausbauen. "Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, die vorhanden sind." Und: "Die Stadt muss noch viel stärker die freien Träger der Kindergärten fördern." Um pädagogisches Fachpersonal in ausreichender Zahl zu gewinnen, müsse die Stadt ihre marketingtechnischen Instrumente schärfen. Wichtig sei ein nachhaltiges Programm, um die Stadtverwaltung durch gute Arbeitsbedingungen und flexible Arbeitszeiten zu einem attraktiven Arbeitgeber zu machen.
  • Gaetano Cristilli: Dieser Mangel sei ein großes Problem. Er will ihn als Oberbürgermeister schnell beheben. Zunächst sollten alle größeren Gebäude, die der Stadt gehören, untersucht werden, ob dort vorhandene freie Flächen für einen Kindergarten-Raum taugen. Er denkt dabei zum Beispiel an Grundschulen und an die Rathäuser in den kleineren Stadtbezirken. Wenn dort die Verwaltung zum Beispiel drei Zimmer beanspruche, andere Bereiche aber leer stünden, könnten dort Kindergarten-Gruppen untergebracht werden. In einigen Wohngebieten wäre möglicherweise auch eine Container-Lösung angebracht. Als Beispiel nennt er das Schilterhäusle, wo er selbst wohnt, als erster baute und wo jetzt 1300 Menschen leben, darunter viele Kinder. Sollte es dort zu Engpässen kommen, wäre ein Container für eine bestimmte Zeit zu diskutieren. "Da müssen wir flexibel reagieren", betont er.
  • Jörg Röber: Er berichtet, dass er bei seinen Wahlkampfauftritten immer wieder auf das Thema angesprochen werde – nicht nur von den direkt betroffenen Eltern, sondern auch von Großeltern, deren Enkel einen Platz benötigen. Zunächst einmal geht er davon aus, dass die Stadt mit den nun eingeleiteten Maßnahmen auf einem gutem Weg sei. Er führt die geplanten Neubauten von St. Elisabeth, der Wilhelmspflege, den Awo-Kindergarten an der Möglingshöhe auf, der zweiten Einrichtung am Klinikum auf oder verweist auf den Kindergarten, der an der Polizeihochschule entstehen soll. Ob möglicherweise auch Container kurzfristig helfen, würde er mit den Fachleuten klären. Da dürfe es keine Denkverbote geben, andererseits werden mit mir "keine Abstriche an der Qualität" gemacht. Er betont allerdings auch, dass mit dem Ausbau neues Personal notwendig sei. "Wir befinden uns derzeit in einem massiven Wettbewerb mit dem Umland." Da überall in etwa derselbe Lohn gezahlt werde, müsse sich die Stadtverwaltung als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Daher sei auch ein Betriebskindergarten für städtische Mitarbeiter wichtig, der aktuell im Gebäude des früheren französischen Kindergartens vorgesehen ist.
  • Jürgen Roth: "Ich habe das Thema in meiner Gemeinde schon seit Jahren", berichtete Jürgen Roth, der Tuninger Bürgermeister. Dort habe er mit dem Aufbau zusätzlicher Kindergartenplätze rechtzeitig begonnen, sodass sich derzeit das Problem nicht stelle. Ein Rezept, wie man mit einem Fingerschnipsen das Problem in VS lösen könne, gebe es nicht. Er selbst würde prüfen lassen, ob die Kindergärten der Stadt und der freien Träger in der Lage seien, ihre Kindergruppen zumindest befristet zu vergrößern. Dieser Ansatz hätte den Vorteil, dass die Stadt Hilfskräfte einstellen könnte, die die vorhandenen Erzieherinnen unterstützten. Denn Fachkräfte seien aktuell kaum zu bekommen. Außerdem seien die Raum-Reserven und Erweiterungsmöglichkeiten zu prüfen. Weiter würde er prüfen, ob man zusätzliche Waldkindergarten-Gruppen schaffen könne, sei es in den Waldkindergärten, aber auch in konventionellen Kindergärten. Dies sei aber ebenfalls nur möglich, wenn Fachpersonal zur Verfügung stehe. Außerdem wichtig: Die Stadt müsse die Ausbildung von Tagesmüttern und -vätern weiter verstärken.