Paukenschlag im Oberzentrum. Oberbürgermeister Rupert Kubon (SPD) wird sich nicht um eine dritte Amtsperiode als Verwaltungschef von Villingen-Schwenningen bewerben. Dies sagte der 60-Jährige am Freitag in einem Pressegespräch. Freunde und Wegbegleiter zeigen sich überrascht, verstehen aber auch diesen Schritt.

Kubon erklärte, er werde sich künftig pastoral im Oberzentrum verstärkt engagieren. Der verheiratete Vater von zwei Töchtern will die Kirche künftig als ständiger Diakon unterstützen. Entsprechende Fortbildungen absolviert der Rathauschef schon bislang, erste Gottesdienste könne er in rund drei Jahren feiern, kündigte er weiter an. „Ich sehe meine Tätigkeit als Dienst an den Menschen und eben darin sehe ich mich auch in der Zukunft.“

Kubon will in Villingen wohnen bleiben, 2019 will er wieder beim Theater am Turm auf der Bühne mitspielen. Bis zum Jahresende wolle er „die Arbeit keineswegs auslaufen lassen“.

Mitte Januar hatte Kubon in seiner Neujahrsrede erklärt, seine Entscheidung, ob er wieder kandidieren werde, sei noch offen. Er habe „deshalb damit begonnen, auszuloten, wie weit in unserer Stadt Gemeinsames trägt, ob es gelingen kann, gemeinsam diese Zukunft der Stadt zu gestalten“. Kubon wies am Freitag von sich, dass ihn ein Zuviel an Gegenwind von einer weiteren Kandidatur abgehalten haben könnte. Fakt ist: Über Fastnacht wurde er von sehr vielen Seiten unüberhörbar und heftig verspottet.

Kubon begründet sein Nein zu einer weiteren Kandidatur so: Er habe „viele Gespräche geführt, vor zehn Tagen ist die Entscheidung gefallen.“ Kubon sagte, er sei „stolz auf die Entwicklung des Oberzentrums. Villingen-Schwenningen ist eine prosperierende Stadt“.

Der OB hat mit seiner Entscheidung lange gewartet. Es gab mehrfach markantes Murren über seine Unentschlossenheit. Genau dieses Zögern wurde ihm auch bei der Fastnacht vorgehalten. Es gab sogar einen Themenwagen dazu. Kubon steuerte diesen Eindrücken am Freitag entgegen. Er sagte: „Ich bin von sehr vielen Menschen weit über mein politisches Umfeld hinaus gebeten worden, mich erneut im Herbst zur Wahl zu stellen.“ Den großen und maßgeblichen Moment habe es bei seiner Entscheidungsfindung „nicht gegeben“. Vielmehr sei er zur Einsicht gelangt, dass es seiner Federführung bei zahlreichen Projekten nicht zwingend bedürfe. „Sie können sicher sein, dass mir die Abwägung bis heute schwerfällt und ich bedauere sehr, viele Menschen enttäuschen zu müssen.“

Nicht abgeschlossene Projekte

Mit Kubons Nein zur dritten Kandidatur im Oberzentrum steht fest: Die 1600 Mitarbeiter der Stadtverwaltung bekommen zum 1. Januar 2019 einen neuen Chef. Die Sparkasse Schwarzwald-Baar bekommt einen neuen Verwaltungsratsvorsitzenden, kraft Amtes ist dies der Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen ebenso wie er als Vorsitzender den Aufsichtsgremien bei den Stadtwerken, dem Spitalfonds und auch beim Klinikum Schwarzwald-Baar angehört. Im neuen Krankenhaus teilt sich der VS-OB den Aufsichtsvorsitz im Jahresturnus mit dem Landrat.

Kubon hinterlässt große und nicht abgeschlossene Projekte: Das Markanteste ist die von ihm angestoßene Zusammenfassung der Stadtverwaltung auf dem Villinger Kasernenareal Mangin. Hier soll es einen Neubau geben und eine Neunutzung denkmalgeschützter Gebäude. Das von dem gebürtigen Friedrichshafener eingeleitete Stadtentwicklungskonzept ist noch in der Diskussionsphase (Seilbahn; Standortmarketing, City-Management).

Kubon glaubt, ein Nachfolger könnte diese Vorhaben weiterführen. Speziell zum Thema Verwaltungs-Zusammenführung auf dem Mangin-Gelände sagte er: „Ich werde alles dafür tun, dass es gut läuft.“ Kubon gab sich Mühe, seine Erklärung gefasst und betont tiefenentspannt zu präsentieren. Bezogen auf das offene Vorhaben auf dem Kasernengelände entfuhr es ihm dann aber doch: „Das ist wichtig für die Stadt – aber nicht wichtig für mich.“

Eröffnet ist mit Kubons Nein zur dritten Kandidatur auch ein hoch politisches Jahr. Der Noch-Rathaus-Chef sagte am Freitag, „die Leute reißen sich ja nicht um diesen Job“. Als Rathaus-Chef sei man „für alles verantwortlich und immer im Feuer“.

Wer die Nachfolge antreten werde? „Es ist mir egal, von welcher Partei der neue Oberbürgermeister ist, wichtig ist, dass die Qualität stimmt.“ Nach Informationen des SÜDKURIER aus gut unterrichteten Kreisen bleibt einer der immer wieder diskutierten möglichen Kandidaten bei seinem Nein. Bürgermeister Detlev Bührer (CDU) bekräftigte am Freitag noch einmal seine bereits geäußerte Haltung. Auch angesichts Kubons Rückzug stehe er nicht für eine OB-Kandidatur zur Verfügung. Der Bürgermeister genoss den Freitag entspannt auf der Skipiste, heißt es. Im VS-Rathaus machten sich im Dezernat eins erste Sorgen und auch Traurigkeit breit. Wer wird der neue Rathaus-Chef – das ist nicht nur in der Stadtverwaltung nun das Thema des Jahres. Die OB-Wahl ist am 7. Oktober.

 

Zur Person

Rupert Kubon amtiert in seinem 15. Amtsjahr als Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen. Der 60-jährige verheiratete Vater von zwei Töchtern kam im Jahr 2003 ins Oberzentrum. Er setzte sich bei der Wahl gegen zwei Mitbewerber durch. Im Jahr 2010 wurde er bei der OB-Wahl im Amt klar bestätigt. Kubon ist Mitglied der SPD. In seine Amtszeit fallen die Meilensteine wie der Neubau des Klinikums, einhergehend mit der Neuordnung des kommunalen Krankenhauswesens im Kreis, die erfolgreiche Ausrichtung der Landesgartenschau 2010 und große und schwierige Schulsanierungen wie beim Hoptbühl-Gymnasium. Die Kinder- und Jugendarbeit der Stadt wurde entscheidend neu strukturiert und erheblich ausgeweitet. Außerdem startete er Initiativen zur Weiterentwicklung der großen Zusammenarbeit der Kirchen aus unterschiedlichen Bistümern und Landeskirchen in der Stadt. Beschlossen ist vom Rat auf sein Betreiben die Neunutzung großer, früherer Kasernenflächen. Unter anderem soll auf dem Villinger Gebiet Mangin, unweit der alten Saba, ein großer Verwaltungsneubau entstehen. (tri)

Video von der Pressekonferenz und Interview mit OB Kubon

 

Video: Jens Fröhlich

 

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