Er kommt mit dem Fahrrad, einem E-Bike und schwärmt: "Da könnte man richtig süchtig werden, ich bin ganz viel mit dem Rad unterwegs." Cem Yazici, bekannt auch als Jam von der Linde, ist der letzte OB-Kandidat, der sich am SÜDKURIER-Stand in der Villinger Innenstadt den Fragen der Bürger stellt.

Bild: Fröhlich, Jens

Anfangs ist wenig los, viele schauen interessiert, aber keiner traut sich so richtig, Cem Yazici eine Frage zu stellen. Der trinkt gelassen einen Espresso, bis Mario Forderung vorbeikommt.

Er verwickelt den OB-Kandidaten gleich in einen intensiven Dialog. Sein Anliegen: Die Straßeninfrastruktur rings um das neue Gewerbegebiet Salzgrube hinke dem Verkehrsaufkommen hinterher. "Die Stadtverwaltung hat das verschlafen, die Straßen aufzurüsten." Die langen Staus seien ein permanentes Ärgernis für jeden, der dort täglich unterwegs ist. "Ihre Forderung kann ich voll und ganz unterstreichen", antwortet Cem Yazici. Mittlerweile hat sich Werner Grießhaber am SÜDKURIER-Stand eingefunden.

Ihn bewegt die schlechte Busanbindung, die seine Tochter von der Wöschhalde nach Schwenningen hat. "Sie braucht über eine Stunde, bis sie in der Schule ist." OB-Kandidat Yazici nickt verständnisvoll und erläutert den Zuhörern seine Idee der Bürgernähe: "Ich würde in jedem Bezirk, in jedem Stadtteil eine Art Bezirkssheriff von den Bürgern wählen lassen. Diese sind dann drei Monate unterwegs und sammeln alle Anregungen der Bürger ein und leiten das direkt an den Oberbürgermeister weiter." So sieht Cem Yazici Bürgernähe garantiert.

Er wirbt vor allem damit, dass er unparteiisch sei: "Als Oberbürgermeister brauche ich die Verwaltung und die Fachleute." Als OB brauche man aber vor allem "Herz und Ohr, um den Bürgern zuzuhören." Da ist Mario Forderung ganz seiner Meinung: "Das Schlimmste wäre ein Verwaltungsfachidiot an der Spitze." Yazici plädiert für mehr "Wir-Denken". "Wenn ich sage, die da, ist das immer schlecht, das grenzt aus." Er spricht auch von "Wir als OB", nicht von "Ich als OB". Das gefällt den Zuhörern. Ingo Steinger will wissen, ob sich Yazici als Chef einer Doppelstadt oder einer gemeinsamen Stadt sieht.

Da sprudelt der OB-Kandidat geradezu über, das Zusammenwachsen der beiden großen Stadtbezirke ist für ihn ein Herzensanliegen: "Ich bin in Villingen aufgewachsen, war im Saba-Kindergarten, bin dann in Schwenningen zur Schule gegangen, später habe ich immer mal wieder in Villingen und dann in Schwenningen gelebt und gewohnt." Er kenne das mit dem Spagat zwischen V und S. Seiner Meinung nach braucht die Stadt mehr Aushängeschilder wie die Wild Wings und die Panthers. Dazu müsse man Talente besser fördern. Die Idee, die Wild Wings als VS-Team zu benennen, findet er "nicht schlecht".

Auf die Frage von Werner Grießhaber, wie er denn das Parkplatzproblem lösen würde, hat der Kandidat gleich eine Antwort parat: Freie Grundstücke wie das alte Stegmaier-Gelände beim Schwenninger Bahnhof würde er an private Investoren verkaufen, die dort ein fünf- oder sechstöckiges Parkhaus errichten könnten. Mittlerweile bleiben immer mehr Interessenten am Stand stehen. Erika Götz will wissen, warum es in Villingen-Schwenningen noch immer keinen Wohnmobil-Stellplatz gibt, eine Sache für die sich Cem Yazici auf jeden Fall einsetzen würde.

Völlig begeistert zeigt sich Cem Yazici von dem Vorschlag von Manfred Gäbler. Er regt an, dass mehr junge Leute bei älteren Menschen in die Wohnung ziehen. Diese leben oft alleine in großen Wohnungen und haben Schwierigkeiten, diese zu finanzieren. "Junge Leute suchen oft verzweifelt eine Unterkunft und so wäre allen geholfen." Vor allem könnte man sich gegenseitig helfen. Er habe als junger Mann in Hamburg bei einer Opernsängerin gewohnt und das habe wunderbar geklappt.