Er ist schon seit geraumer Zeit als potenzieller Bewerber im Gespräch. Er werde seine Bewerbungsunterlagen gleich zu Beginn der Bewerbungsfrist am 7. Juli am Villinger Rathaus einwerfen, kündigte der Mann an, dem der CDU-Stadtverband bereits im Vorfeld seine Unterstützung ausgesprochen hatte.

Dieser Fall ist nun eingetreten, und Jürgen Roth äußerte gestern bei einem Pressegespräch im Café Häring in Schwenningen seine Freude, dass er auf die Unterstützung der Christdemokraten bauen könne. Zugleich stellte er aber fest, dass Kommunalpolitik „keine Parteipolitik“ sei, sondern sich „vor allem an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger orientieren“ müsse.

Warum er sich bewirbt, darauf hat Roth eine klare Antwort. Mit 55 Jahren sei dieses Amt für ihn „eine einmalige Chance und eine neue Herausforderung“. Er habe damit die Möglichkeit, sich „zwei Amtszeiten in den Dienst der Stadt zu stellen“. Er sei in Villingen-Schwenningen geboren, aufgewachsen und fühle sich „der Stadt sehr, sehr verbunden“. Weit über 30 Jahre seines Lebens habe er in der Doppelstadt verbracht, sagte Roth, der mittlerweile in Tuningen lebt. „Ich kenne Villingen-Schwenningen aus der Innen- und Außenperspektive.

Die Bürger in Tuningen, die er 15 Jahre als Bürgermeister regiert hat, seien seinen Plänen mit Bedauern, aber auch mit viel Verständnis begegnet, berichtet er. Gestern Abend wollte Roth auf einer Bürgerversammlung in Tuningen seinen Entschluss, in VS zu kandidieren, der Bevölkerung mitteilen. Im Gegensatz zu Fitnessstudio-Betreiber Gaetano Cristilli (51), der am vergangenen Freitag als erster seine Bewerbung für das Amt des VS-Oberbürgermeisters angekündigt hat (wir berichteten), unterstreicht der gebürtige Villinger Jürgen Roth seine Erfahrung als Politiker und Verwaltungschef.

„Ich habe die Führungserfahrung, ich habe die Verwaltungserfahrung, ich bin in viele regionale und überregionale Netzwerke eingebunden und arbeite aktiv in diesen“, betont er. Roth ist nicht nur Rathaus-Chef in Tuningen mit insgesamt 40 bis 50 Voll- und Teilzeitkräften, er ist unter anderem auch Vorsitzender der Denkfabrik „Digitale Infrastruktur im ländlichen Raum Baden-Württemberg“, er ist im Kreistag erster Stellvertreter des Landrats, seit zehn Jahren Kreistagsmitglied und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, außerdem Vorsitzender des Rot-Kreuz-Kreisverbandes und stellvertretender Vorsitzender des Breitband-Zweckverbandes Schwarzwald-Baar. Die Liste lässt sich noch um einige weitere Ehrenämter und Führungstätigkeiten erweitern.

Insofern, sagt Roth, habe er sich mit „allen wesentlichen Themen“ einer Stadt befasst, „die das Zusammenleben in einer Gemeinschaft ausmachen“. Er kenne sich in der kommunalen Verwaltung und in kommunalen Finanzen aus. Auf die Herausforderung der OB-Tätigkeit sieht er sich durch seine vielfältigen Aufgabengebiete und durch „meine langjährige Führungs- und Verwaltungserfahrung vorbereitet“.

Was heißt das inhaltlich? Die Themen Breitbandausbau und Digitalisierung gehören „zu meinen Leidenschaften“, sagt Roth. Hierin sieht er einen wichtigen Schwerpunkt seiner Tätigkeit, sollte er OB werden. Ein weiterer Schwerpunkt sei die Unterhaltung der Infrastruktur, vor allem bei Straßen und Schulen, sowie der weitere Ausbau der Kindergärten. Letztere seien der entscheidende Ansatz, um die Integration von Zugewanderten sicherzustellen. Die Ortsverwaltungen würde Jürgen Roth keinesfalls abschaffen, im Gegenteil, eher noch stärken. Die vom Gemeinderat eingeschlagene Zentralisierung eines Teils der Stadtverwaltung auf dem Mangin-Gelände bezeichnete Roth als „kluge Idee“. Die Unterschiede der Stadtbezirke betrachtet Roth als „Reichtum“, die es zu stärken gelte. Das Oberzentrum insgesamt müsse gestärkt werden, davon profitiere die gesamte Region.

Er stehe für „Transparenz im Handel“, betont Roth. „Verwaltungshandeln ist in meiner Welt Dienstleistung für die Menschen“. Wichtig sei eine „Kommunikation auf Augenhöhe“ mit den Bürgern und den Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Neugierig und gespannt zeigte er sich auf die kommenden Wahlkampfwochen. Vor allem wolle er mit vielen Bürgern und Interessensvertretern sprechen, um zu erfahren, wo diese der Schuh drückt, was sie bewegt, welche Bedürfnisse sie haben. Leben wolle Roth, der ein Haus in Tuningen bewohnt, künftig in der Doppelstadt. Allerdings will er sich, sofern er gewählt wird, erst in Ruhe nach etwas Passendem umsehen, stellte er klar.