Ein Oberbürgermeister braucht viele Talente. Schlagfertigkeit ist eines davon. Drei Punkte sollten die OB-Kandidaten gleich zu Beginn des Wahl-Podiums des SÜDKURIER am Donnerstagabend im Franziskaner nennen, die sie von ihren Mitbewerbern unterscheiden. In den Raum geworfen hatte die Frage Redaktionsleiter Norbert Trippl. "Ich bin engagiert, belastbar und ehrlich", sagt die Leiterin der Technischen Dienste, Marina Kloiber-Jung. "Meine Versprechen werde ich halten."

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Der OB-Referent Jörg Röber wirbt für sich mit den Worten: "Ich kenne die Stadt, ich weiß, welches Potenzial sie hat, und ich bringe viele Ideen mit, was man anders machen kann." Fitnessstudio-Betreiber Gaetano Cristilli nimmt für sich in Anspruch, der Einzige zu sein, "der ein echter Villingen-Schwenninger ist. Ich habe in beiden Stadtbezirken gewohnt. Ich kenne jeden Stein und jede Straße." Für den Tuninger Bürgermeister Jürgen Roth liegt die Stärke genau im Gegenteil: "Ich komme von außen", sagt er. "Ich habe bereits Erfahrungen als Bürgermeister und ein großes Netzwerk."

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Anschließend fühlten die SÜDKURIER-Redakteure Claudia Hoffmann und Eberhard Stadler den Kandidaten bei den Themen auf den Zahn, die die Bürger der Doppelstadt derzeit am meisten bewegen. Und jeder der Kandidaten antwortete; jeder auf seine Weise. Während Jürgen Roth vor allem mit viel Elan punktet, antwortet Jörg Röber stets souverän, Marina Kloiber-Jung kompetent und nüchtern und Gaetano Cristilli wohl am emotionalsten.

Redaktionsleiter Norbert Trippl begrüßt die Gäste und Kandidaten beim Wahl-Podium des SÜDKURIER im Franziskaner
Redaktionsleiter Norbert Trippl begrüßt die Gäste und Kandidaten beim Wahl-Podium des SÜDKURIER im Franziskaner | Bild: Roland Sigwart

 

  • Bildung: Kita-Plätze schaffen wollen sie alle, angesichts 350 fehlender Plätze in der Doppelstadt auch keine überraschende Neuigkeit. Die entscheidende Frage also ist, wie soll das alles finanziert werden? Mit Abstrichen in anderen Bereichen, wenn es nach Marina Kloiber-Jung geht. Der Bedarf sei da, also müsse die Stadt für die entsprechenden Plätze sorgen. Kita-Plätze sind das eine, Schulen das andere. Auf die Frage, ob sie eine Garantie geben können, die Schulen in den Ortschaften zu erhalten, egal, wie viele Schüler es in den nächsten Jahren sein werden, antworteten alle Kandidaten mit einem entschiedenen "Ja". Die Schulen, da waren sich alle einig, seien "identitätsbildend" für die Teilorte.
  • Stadtstruktur: Was ihre Außenwirkung betrifft, gleicht die Doppelstadt derzeit mehr einer grauen Maus, als einem strahlenden Schwan oder einem stolzen Adler – wie man das ändern könne, darin waren sich die Kandidaten zumindest im Ansatz einig. Wichtig sei, dass die Bürger selbst mit der Stadt zufrieden seien. "Wir müssen selber stolz sein", sagt Gaetano Cristilli. Damit das der Fall ist, müsse die Verwaltung den Bedürfnissen der Bürger nachkommen. "Kita-Plätze, Straßen, all das muss erfüllt werden, dann strahlt die Zufriedenheit der Bürger auch nach außen", sagt Kloiber-Jung. Ein entscheidender Punkt für Jürgen Roth dafür: "Die Kultur im Gemeinderat muss neu justiert werden."
    Die SÜDKURIER-Redakteure Eberhard Stadler und Claudia Hoffmann löchern die OB-Kandidaten Jürgen Roth, Marina Kloiber-Jung, Gaetano Cristilli und Jörg Röber (von links) beim SÜDKURIER-Wahl-Podium im Franzsikaner rund zwei Stunden zu Themen wie Kita-Plätze, sozialer Wohnraum und Unterstützung für Vereine. Bilder: Roland Sigwart
    Die SÜDKURIER-Redakteure Eberhard Stadler und Claudia Hoffmann löchern die OB-Kandidaten Jürgen Roth, Marina Kloiber-Jung, Gaetano Cristilli und Jörg Röber (von links) beim SÜDKURIER-Wahl-Podium im Franzsikaner rund zwei Stunden zu Themen wie Kita-Plätze, sozialer Wohnraum und Unterstützung für Vereine. Bilder: Roland Sigwart | Bild: Roland Sigwart
  • Straßen und Verkehr: Wer derzeit im Wahlkampf Straßensanierung sagt, der muss auch Dünnasphalt-Sanierung sagen. Zumindest, wenn es nach Jürgen Roth geht. Es wäre seine Methode der Wahl. "Es ist nicht die Lösung aller Probleme, aber es wäre eine schnelle Lösung." Kloiber-Jung setzt eher auf eine genauere Analyse. "Unterschiedliche Schäden", sagt sie, "bedürfen unterschiedlicher Sanierungsarbeiten". Ebenfalls ein großes Thema sind die Parkplätze. Zumindest für die meisten. Während Gaetano Cristilli sagt, dass eine Stunde freies Parken zwar gut wäre, "aber wer bezahlt das?", und, dass er außerdem noch nie Parkprobleme hatte, das Problem also nicht als dringend erachte, spricht Jürgen Roth sich dafür aus, das alte Tonhallenareal künftig als Parkplatz zu nutzen.
    OB-Kandidatin Marina Kloiber-Jung
    OB-Kandidatin Marina Kloiber-Jung | Bild: Roland Sigwart
  • Wirtschaft und Handel: Einig waren sich die Kandidaten hinsichtlich der Frage, wie die Innenstädte attraktiver werden können. Der Handel müsse gestärkt werden, so der Tenor. Wie das erreicht werden könne, da gingen die Meinungen dann auseinander. Für Röber muss vor allem "das Einkaufserlebnis gestärkt werden". Und zwar mit einem funktionierenden City-Management, das beispielsweise eine Kooperation von Handel und Parkmöglichkeiten vorsieht. Eine bessere Zusammenarbeit würde auch Kloiber-Jung anstreben. Allerdings die der Händler untereinander. "Es muss ein besseres Verzahnungskonzept geben", sagt sie. "Gleiche Öffnungszeiten zum Beispiel oder Einheitsparkpreise." Um die Leerstände zu bekämpfen, müssten vor allem die Mietpreise gesenkt werden, das finden sowohl Roth als auch Cristilli. Und, so Cristilli: "Die Verwaltung muss aufhören, den Händlern Knüppel zwischen die Beine zu werfen."
    OB-Kandidat Gaetano Cristilli
    OB-Kandidat Gaetano Cristilli | Bild: Roland Sigwart
  • Kultur: Hochkultur oder Vereinsarbeit – wo künftig die Schwerpunkte in der Kulturarbeit liegen sollen, da gingen die Meinungen auseinander. Jürgen Roth plädierte dafür, einen neuen Schwerpunkt auf die alternative und kleine Kultur zu legen. "Die wurde bisher vernachlässigt, die müssen gestärkt werden." Für Jörg Röber steht die Jugendkultur an erster Stelle: "Hier braucht es mehr als ein neues Jugendkulturelles Zentrum", sagt er. "Hier muss Geld investiert werden." Großveranstaltungen, wie sie in anderen Städten bereits etabliert sind, beispielsweise in Tuttlingen der Hornberger Sommer, möchte Marina Kloiber-Jung in die Doppelstadt bringen. Cristilli setzt in Sachen Kultur auf Verbindendes. "Wir brauchen mehr Events wie die Kulturnacht. Ein Fest der Nationen im Zentralbereich zum Beispiel." Ein weiteres Themenfeld: Die Diskussion um die Stolpersteine. "Ich möchte das nicht übers Knie brechen", sagt Jörg Röber. "Man muss versuchen, einen breiten Konsens zu finden." Für einen Kompromiss sprechen sich auch Cristilli und Kloiber-Jung aus. Wie der aussehen soll, das, sagt Cristilli, könne er heute auch nicht sagen. Jürgen Roth sagt: "Die Entscheidung gegen die Stolpersteine ist demokratisch getroffen worden, das muss man jetzt aushalten." Jetzt müsse man mit einem Mahnmal beginnen.
    OB-Kandidat Jörg Röber
    OB-Kandidat Jörg Röber | Bild: Roland Sigwart
  • Vereine: Jedem Verein, jeder Organisation, die die Kandidaten im Wahlkampf besucht haben, haben sie ihre Unterstützung ausgesprochen. Das mag wahlkampftechnisch sinnvoll, in der OB-Realität jedoch schwer umsetzbar sein. Es muss also auch mal die Frage gestellt, werden, was sie als OB denn nicht unterstützen würden? Jürgen Roth antwortete erst taktisch klug, er wolle nicht den Lückenschluss der B 523 verhindern, sagt er. Außerdem wolle er keine Seilbahn und sich nicht "aktiv für ein Freibad in Schwenningen einsetzen." Marina Kloiber-Jung griff die Seilbahn und das Freibad auf, das wolle auch sie nicht. Außerdem wolle sie "keine hauptamtliche Feuerwehr und keine autonome Busse". Die Seilbahn will auch Gaetano Cristilli nicht. Ebenso spricht er sich gegen einen festen Ratssaal im neuen Verwaltungsgebäude aus. Dann bediente er sich noch der Rothschen Taktik und sagte: "Ich will nicht, dass das Schwenninger Freibad nicht wieder aktiviert wird." Jörg Röber kommt ohne doppelte Verneinung aus und sagt: "Ich will keine Haushaltsreste in der Höhe, wie wir sie jetzt haben, ich will keine Seilbahn und kein Freibad für Schwenningen."
    OB-Kandidat Jürgen Roth
    OB-Kandidat Jürgen Roth | Bild: Roland Sigwart
  • Publikumsfragen: Klaus Hässler, der Leiter der Kunsteisbahn GmbH, wollte nicht nur wissen, wie die Kandidaten das umstrittene Stadtentwicklungsgutachten Isek einschätzen, sondern auch deren Visionen hören. Richtig spannend wurde es, als gleich mehrere Besucher die aktuell schwierige Lage am Villinger Klinikum, dem größten Arbeitgeber der Stadt ansprachen. Den Auftakt machte der Villinger Matthias Reiner, den interessierte, wie die Kandidaten "einem personellen Notstand" am Klinikum entgegenwirken möchten. Das blieb dazu nicht die einzige Frage, für alle Kandidaten kam die Problematik doch recht überraschend, denn letztendlich können sie sie nicht allein, sondern nur in Kooperation mit Landrat und Aufsichtsrat lösen.
    Am Ende hatten auch die Zuschauer die Möglichkeit, Fragen an die Kandidaten zu stellen. Hier wollen Ida Schmidt, Clara Maier und Ronja Röttele (von links), Schülerinnen von St. Ursula, wissen, wie Jugendliche besser in die politischen Entscheidungen eingebunden werden können.
    Am Ende hatten auch die Zuschauer die Möglichkeit, Fragen an die Kandidaten zu stellen. Hier wollen Ida Schmidt, Clara Maier und Ronja Röttele (von links), Schülerinnen von St. Ursula, wissen, wie Jugendliche besser in die politischen Entscheidungen eingebunden werden können. | Bild: Roland Sigwart
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