Vor unserem ausführlichen Gespräch haben wir Cem Yazici vor der Videokamera einige einleitende Fragen gestellt und ihn gebeten, sich kurz vorzustellen. Das Video können Sie sich hier anschauen.

Video: Sandro Kipar

Warum treten Sie hier in Villingen-Schwenningen bei der Wahl für einen neuen Oberbürgermeister an?

Ganz ehrlich, es war ein Hilfeschrei von den Leuten. Ausgangspunkt war das Video mit meinem Parkproblem. Das Video dazu haben über 80 000 Menschen gesehen. Dann kam die Frage, ob ich mir nicht vorstellen könnte, zu kandidieren. Ich wusste da noch gar nicht, wann genau die Wahl ist. Jeder in VS kennt mich, die Leute sagen zu mir, Du bist für uns.

Jetzt mal ganz ehrlich bitte: Haben Sie überhaupt Lust auf Wahlkampf?

Es sieht vielleicht sehr unkonventionell aus, wie ich mich verhalte. Die anderen Kandidaten müssen sich vorstellen, mich kennt jeder und ich kann mich nicht verstellen. Ich will den Zeitgeist von heute zeigen, durch das Internet kann man Anerkennung finden und vielleicht ja auch Oberbürgermeister werden. Man sagt ja, die Wahlkampfkosten betragen einen Euro je Einwohner. Ich habe noch gar nichts ausgegeben. Ich möchte zeigen, dass das auch anders geht, ohne Sponsorengelder und ohne Mitarbeiter für den Wahlkampf.

Nennen Sie drei Örtlichkeiten in VS, die Sie gerne ändern würden und begründen Sie das jeweils kurz bitte.

Erstens: Die beiden Rathäuser. Wir brauchen ein zentrales Rathaus, und das auf der grünen Wiese zwischen V und S. Das bringt die Stadt VS wieder etwas zusammen. Ich möchte nicht mehr das Wort Doppelstadt hören beispielsweise, das hört sich für mich zu sehr nach Doppelmoral an. Zweitens: Statt den Bädern in den beiden großen Stadtbezirken wünsche ich mir ein zentrales Hallen- und Freibad. Dann gehen die Leute nicht mehr in Villingen oder Schwenningen zum Schwimmen sondern in Villingen-Schwenningen ins VS-Bad. Ganz nebenbei spart das Kosten. Dazu muss natürlich die Busverbindung stimmen, die Radwege müssen gut sein. Drittens: Wenn ich abends durch Villingen spaziere, wünsche ich mir eine noch bessere Beleuchtung. Es hat hier so schöne Fassaden an den Häusern, die Türme, die Stadtstruktur mit der Mauer. Das muss betont werden,
das geht mit moderner Beleuchtung.

Viele unterstellen Ihnen, Sie kandidieren zu Werbezwecken in eigener Sache. Warum sollte man Sie ernst nehmen?

Die Menschen kennen mich, das Oberflächliche, das was ich tue, was ich besitze. Sie sehen mich auch als Schauspieler und Comedian. Sie sehen auch, dass ich ein Geschäftsmann, Gastronom, Unternehmer bin, die Leute sehen, ich mache alles mit viel Leidenschaft. Leidenschaft wiederum ist etwas, was einem Spaß macht, eventuell sehen sie da: Der macht doch nur Spaß. Aber ich nehme das total ernst mit dem Amt des Oberbürgermeisters von VS.

Schulen sind wichtige Stützen der Bildungspolitik. Erläutern Sie doch bitte anhand von Beispielen aus VS, was Sie dabei bewegt.

Ich hatte noch das Glück, in einer Zeit zur Schule zu gehen, wo die Infrastruktur an den Bildungseinrichtungen komplett in Takt war. Wenn ich heute die Schulen anschaue, die ich inspiziert habe, sehe ich fatale Umstände, die über Monate und Jahre schon vorherrschen. Auf mich wirkt das, als strahlten die Gemäuer den WC-Geruch aus. Da darf man nicht lange herumdiskutieren. Zur Not muss man hier mit Abriss und Neubau reagieren. Das Wohlempfinden der Jugend ist doch für die Zukunft der Stadt so wichtig. Die Liebe zur Stadt entsteht in den Jugendjahren. Ich will keine Abwanderung, sondern dass es Gründe gibt, VS zu lieben.

Wie würden Sie das Problem der fehlenden Kindergartenplätze in Villingen-Schwenningen lösen?

Hier darf man nicht lange herumdebattieren. Ich bin ein Macher, ich rede nicht lange um den heißen Brei herum. Wenn wie jetzt 500 Plätze fehlen, würde ich mit 700 fehlenden Plätzen planen. das ist wichtig für die Familien. Hier muss investiert werden und wir müssen eine familienfreundliche Stadt bleiben. Es muss doch gelingen, für solche Dinge eine Attraktivität herzustellen.

Wie würden Sie die Position Villingen-Schwenningens als Oberzentrum in der Region stärken?

Wir müssen definitiv bei Kunst und Kultur mehr tun, wir müssen investoren- und unternehmerfreundlicher werden, dass uns nicht, wie in der Vergangenheit, Unternehmer hier abwandern.

Braucht die Stadt eher ein Finanzdezernat oder eines für Kultur?

Ehrlich: Ich fände es besser, einen Nachtbürgermeister zu haben. Der lernt dann auch die Subkultur kennen und die Szene. Er sieht, wie viele Leute von außerhalb hierher kommen und so hätten wir schon den Bereich der Kultur gut abgedeckt.

Sie sagen, VS-Ratssitzungen sind lustiger als Ihre Comedyshows. Welche Ratsdebatte haben Sie denn verfolgt und was fiel Ihnen dabei auf?

Das war vor ein paar Jahren im Beethovenhaus. Debattiert wurde der Abriss dieses wichtigen Gebäudes. Es fiel in der Debatte die Bemerkung, man müsse Korridore schaffen, also Wege, um voranzukommen. Die alten Schwenninger haben sich darüber lustig gemacht.

Sind Sie Schwenninger Gastronom oder VS-Gastronom?

VS-Gastronom, definitiv.

Was halten Sie von der Idee, eine Seilbahn zwischen Villingen und Schwenningen zu bauen?

Witzig, aber sehr unnötig und sehr kostenaufwändig. Lieber das Geld für Kindergärten, Schulen und Straßensanierungen ausgeben.

Fragen: Norbert Trippl