Seine Termine hat Armin Frank in einem kleinen Büchlein, fein säuberlich mit Bleistift notiert, stets im Blick. Und es sind nicht wenige Einträge zu sehen. Der 77-Jährige ist zwar nicht mehr berufstätig, aber er engagiert sich vielerorts ehrenamtlich, vor allem in seiner Heimatgemeinde Mönchweiler. Hier ist er zum Beispiel seit über 15 Jahren als Vorsitzender bei der Generationenbrücke aktiv. Nicht weniger intensiv kümmert er sich im Innovationsnetzwerk Schwarzwald-Baar-Heuberg um die Förderung der regionalen Wirtschaft. Der Verein, den Frank bis 2018 als Vorsitzender führte, feiert in diesem Jahr zehnten Geburtstag.

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Im Gespräch mit dem SÜDKURIER blickt er zurück auf die Anfänge und erklärt, wie wichtig Innovationen für Wachstum, Beschäftigung und letztlich auch den Wohlstand der Region sind.

Innovationen: Ein mit Bleistift geführter Terminkalender vom Initiator des Innovationsnetzwerkes, das sich aktuell dem Schwerpunktthema Digitalisierung widmet, wie passt das zusammen? „Die Papiervariante ist sehr flexibel und hat den Vorteil, dass der Akku niemals leer ist“, erklärt Frank und lacht. „Ich nutze aber auch andere, digitale Terminkalender“, fügt er hinzu. Diese Vorgehensweise spiegelt in gewisser Hinsicht die Grundidee des Netzwerkes wieder: Offen gegenüber Innovationen und neuen Technologien zu sein und diese so zu nutzen, wie es jeweils Sinn macht. „Ich höre immer wieder, dass Unternehmer keine Zeit für Innovationen haben“, sagt Frank. Sich dem technologischen Wandel zu verschließen, ob aus zeitlichen Gründen oder aus Angst vor Veränderungen, sei jedoch ein fataler Fehler, da ist er sich sicher.

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Er sieht in der Digitalisierung viele Parallelen zum Untergang der Uhrenindustrie. Daher müsse es in Führungsetagen eine hochgestellte Aufgabe sein, den Blick in die Zukunft zu richten. Um der Wirtschaft dabei zur Seite zu stehen, setzt das Innovationsnetzwerk genau hier an, organisiert Netzwerkveranstaltungen zum Austausch und gegenseitige Besuche, um Einblick in andere Unternehmen, Branchen und Technologien zu bekommen. Auch Fortbildungen werden vom Verein gefördert. „Damit lässt sich die Angst vor Veränderungen am besten abbauen“, so Frank.

Anschluss nicht verlieren: Zehn Jahre Innovationsnetzwerk klingt nach einer langen Zeit. Betrachtet man die Rasanz des technologischen Wandels, dann wird klar, dass es vor zehn Jahren höchste Zeit war, ein Netzwerk zu gründen. Ein Studie zur Digitalisierung brachte zutage, dass sich die Industrieregion zwar auf einem guten Weg befindet, aber viele Betriebe, vor allem die kleinen, bis heute Nachholbedarf haben und ein zunehmend größeres Risiko tragen, von der Technologieentwicklung abgehängt zu werden (wir berichteten).

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Hat die Region also den Anschluss bereits verpasst? „Bei den Themen Blockchain und künstliche Intelligenz sind andere viel weiter als wir“, gibt Frank zu bedenken. Aufgeben kommt für ihn aber nicht in Frage. Und aussichtslos sei die Lage nicht. „Man muss es nur wollen.“ Nicht zuletzt seien Innovationen nur durch die Menschen selbst möglich. „Wir müssen schnell genug vorankommen, um in einem einigermaßen sinnvollen Zeitrahmen Lösungen für die Probleme dieser Welt zu finden, aber auch so langsam, dass wir die Kontrolle behalten. Das ist nicht einfach. Einfacher wird es, wenn wir uns austauschen“, wird Frank auf der Internetseite des Netzwerkes zitiert.

Idee: „Ich habe schon immer vernetzt gearbeitet“, erzählt Frank. Dass ein technischer Wandel ganze Industriezweige lahmlegen kann, das hat der 77-Jährige während seiner gesamten beruflichen Laufbahn immer wieder am eigenen Leib erfahren. Zum Beispiel nach seiner Ausbildung zum Rundfunk und Fernsehtechniker in den 1960er Jahren, als die Halbleitertechnik den alten Röhrenfernsehern in wenigen Jahren den Rang abliefen. In der Folge absolvierte er ein Physik-Ingenieur-Studium und heuerte 1969 bei Kienzle Apparate an. Dort war er federführend an der Entwicklung mehrere Patente beteiligt und ab 1971 sogar für den Bereich Innovations- und Technologiemanagement im Unternehmen verantwortlich. Die Abteilung beobachtete und bewertete neue Technologien und Produkte, lotete Marktchancen für Kienzle aus. „Schon damals war Netzwerken wichtig“, erzählt er über diese Zeit, in der er viele Betriebe und Branchen der Region kennen lernte, ehe er sich beruflich neu orientierte und Mitte der 1980er Jahre beim Elektro-Konzern Thomson anheuerte. Nur kurze Zeit später verließ er die Region, arbeitet in die Pfalz in einer Firma für Datenspeichertechnik und gründete ein eigenes Unternehmen.

Gründung: „Als ich im Jahr 2000 nach zwölf Jahren wieder zurück nach Mönchweiler kam, fiel mir auf, dass sich in Sachen Netzwerken kaum etwas bewegt hatte“, erinnert er sich. Austausch und Kooperationen gab es kaum. Viele Unternehmen schirmten sich eher ab, was heute zum Glück anders sei. Durch die Arbeit des Netzwerkes seien Kooperationen zur Kultur geworden. Den Grundstein dafür legte Frank am 26. Januar 2009, als er dem damaligen Geschäftsführer der regionalen Wirtschaftsförderung, Heinz-Rudi Link, ein Konzept für ein Innovationsnetzwerk in der Gewinnerregion vorlegte.

Alexander Bullinger plant einen Livestream beim innoXday.
Alexander Bullinger plant einen Livestream beim innoXday. | Bild: Fröhlich, Jens

Zusammen trommelten sie rund ein Dutzend Unternehmer zusammen, die nach vielen Besprechungen erste Netzwerkveranstaltungen auf die Beine stellten. Das Netzwerk begann zu wachsen. „Als Projekte im Bereich E-Mobilität anstanden, zu der man eine Rechtsform benötigte, gründeten wir 2013 den gemeinnützigen Verein mit rund 30 Mitgliedsunternehmen“, ergänzt der zweite Vorsitzende Alexander Bullinger.

Erfolge: Auswirkungen der Netzwerk-Arbeit sind nur schwer messbar. Sichtbar ist jedoch, dass viele Unternehmer die Notwendigkeit von Veränderungen erkannt haben. Heute beschäftigen sich knapp 100 Mitgliedsunternehmen über den Verein mit den Themen der Zukunft. „Es gibt viel mehr Austausch und und eine neue Offenheit“, so Frank. Und daraus entwickeln sich immer wieder Innovationen. Als Beispiel nennt er ein Maschinenbauunternehmen, das mit der Einführung von Virtual Reality Zeit und Kosten spart. So werden Maschinen virtuell erlebbar, ohne dass sie aufwändig und kostenintensiv zu Messen transportiert werden müssen.

Glückwünsche: Im folgenden Video gratulieren Unternehmer und Unterstützer dem Innovationsnetzwerkes zum zehnten Geburtstag:

Video: Innovationsnetzwerk

 

Innoxday

Unter dem Titel „Innoxday“ findet die große Geburtstagsveranstaltung am Mittwoch, 9. Oktober, ab 9 Uhr in der Neuen Tonhalle in Villingen und parallel in der Schwenninger Neckarhalle statt. Neben Vorträgen und Diskussionsrunden wird es Arbeitsgruppen zu verschiedenen Zukunftsthemen geben. Über einen Livestream werden Vorträge und Ergebnispräsentationen in die jeweils andere Halle übertragen. Zudem warten ein Rahmenprogramm und ein Buffet auf die Teilnehmer. Für die Veranstaltung in der Tonhalle ist eine kostenlose Anmeldung nötig. Noch gibt es freie Plätze. Der SÜDKURIER ist Medienpartner.

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