Charlotte und Bernhard Everke waren enttäuscht, hatten sie doch die große Edelsteinausstellung (28. Juni bis 13. Juli 1986) in der Donauhalle mit ganz viel Herzblut und noch mehr Fachwissen vorbereitet. Und das über zwei Jahre lang. Doch das Besucherinteresse war zunächst mau. Bis ein Journalist im Landesteil seiner Zeitung einen Artikel über die große Schau veröffentlichte und den Wert der gezeigten Diamanten, Saphire, Rubine und Smaragde mit einer Milliarde Mark taxierte. Diese Zahl war zwar frei erfunden, doch ab dann strömten die Massen in die gute Stube der Stadt Donaueschingen und am Ende der Ausstellung hatten die Edelsteine die Augen von 13.000 Besuchern zum Glänzen gebracht. Das Fernsehen und Zeitungen aus ganz Deutschland berichteten über das Ereignis, selbst die „Praline“, eher ein Fachblatt für Oben-Ohne-Fotos, widmete den Kostbarkeiten eine ganze Seite.

Weißt Du noch? Ex-OB Bernhard Everke (81) und seine Frau Charlotte (75) waren Ideengeber und treibende Kräfte der großen Edelsteinausstellung in der Donauhalle im Jahr 1986. Für die SÜDKURIER-Serie „Gedächtnis der Region“ haben sie in ihren Fotoalben gestöbert.
Weißt Du noch? Ex-OB Bernhard Everke (81) und seine Frau Charlotte (75) waren Ideengeber und treibende Kräfte der großen Edelsteinausstellung in der Donauhalle im Jahr 1986. Für die SÜDKURIER-Serie „Gedächtnis der Region“ haben sie in ihren Fotoalben gestöbert. | Bild: Niederberger, Holger

Überhaupt: Die Frage nach dem Marktwert der funkelnden Exponate war im Vorfeld der Schau die am häufigsten gestellte. Doch Bernhard Everke und seine Frau schwiegen sich darüber aus. Erst als die mal ganz kleinen und mal beeindruckend großen Edelsteine wieder zurück in Idar-Oberstein waren, rückten sie mit einer Zahl raus: Rund 15 Millionen Euro hätte mit dem Verkauf der „Edelsteine aus aller Welt“, so der Titel der Ausstellung, erzielt werden können. Allein in der Smaragd-Vitrine lagen Schmuckstücke im Wert von zwei Millionen Mark. Als Bernhard Everke nach Ende der Schau diese Zahlen nannte, relativierte er aber sofort deren Bedeutung: „Nicht die 15 Millionen Mark Wert sind wichtig, sondern die Schönheit der Natur.“

Das Prunkstück der Ausstellung: ein gelber Diamant mit fünf Karat. Um ihn genau anschauen zu können, war an der Vitrine eine Lupe angebracht.
Das Prunkstück der Ausstellung: ein gelber Diamant mit fünf Karat. Um ihn genau anschauen zu können, war an der Vitrine eine Lupe angebracht. | Bild: privat

Woher die guten Kontakte zu den zwölf Firmen der Idar-Obersteiner Diamant- und Edelsteinindustrie, aus deren Fundus die Ausstellungsstücke stammten? Charlotte Everke stammt aus der Stadt im Hunsrück, ihr Großvater arbeitete als Edelsteinschleifer. Und Bernhard Everke war bis zu seiner Wahl zum Donaueschinger OB im Jahr 1973 (die Amtszeit endete 2004 mit dem Eintritt in den Ruhestand) Stadtrechtsdirektor und Wirtschaftsförderer in Idar-Oberstein. Dem Ehepaar gelang es zwar, die Edelsteinfirmen dazu zu bewegen, ihre Schätze in der Öffentlichkeit zu präsentieren, doch um die Konzeption und Organisation musste es sich selbst kümmern, natürlich mit Rückendeckung aus dem Rathaus.

Die Donauhallen waren verdunkelt, damit die in Vitrinen mit Scheinwerfern angestrahlten Edelsteine gut zur Geltung kamen. Gut bewacht war die Ausstellung auch. Nachts patrouillierten zwei Polizisten durch die Donauhalle, ein weiterer hielt den Außenbereich im Auge. Tagsüber wechselten sich zehn Polizisten ab. Die über 2000 Edelsteine hatten einen Wert von 15 Millionen Mark.
Die Donauhallen waren verdunkelt, damit die in Vitrinen mit Scheinwerfern angestrahlten Edelsteine gut zur Geltung kamen. Gut bewacht war die Ausstellung auch. Nachts patrouillierten zwei Polizisten durch die Donauhalle, ein weiterer hielt den Außenbereich im Auge. Tagsüber wechselten sich zehn Polizisten ab. Die über 2000 Edelsteine hatten einen Wert von 15 Millionen Mark. | Bild: Privat

Besucher der Ausstellungen dürften sich noch erinnern: Die Donauhalle war abgedunkelt, damit die Edelsteine im Licht der Reflektoren richtig zur Wirkung kamen. „Für die verschiedenen Steine war verschiedenes Licht erforderlich“, berichtet Charlotte Everke und ihr Mann weiß noch genau, dass auch Kaltlicht-Reflektoren zum Einsatz kamen – weil besonders Opale wärmeempfindlich seien und bei Feuchtigkeit matt werden könnten.

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Da die Gefahr bestand, dass die Edelsteine auch Diebe anziehen könnten, waren Everkes höchst nervös. Tatsächlich ließen sich zwielichtige Gestalten in der Ausstellungshalle blicken. Zwei Frauen fielen der Polizei auf und eine Überprüfung ergab, dass sie zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben waren. Auch ein Mann verhielt sich verdächtig. Seine Kontrolle zeigte, dass er wegen Diebstahls gesucht worden war. Beunruhigend auch der Hinweis eines Besuchers an OB Everke, dass man sogar in der Hamburger Unterwelt von der Edelsteine-Schau im fernen Donaueschingen spreche.

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