Donaueschingen gilt nicht unbedingt als traditionelle oder typische Sportstadt. Natürlich, da gibt es seit Jahrzehnten das internationale Reitturnier. Doch das wird in der öffentlichen Wahrnehmung – wie der Name Fürst Joachim zu Fürstenberg-Gedächtnisturnier schon sagt – eher mit dem Adelsgeschlecht der Fürstenberger in Verbindung gebracht und weniger mit der Stadt, in der die Fürstenfamilie eines ihrer Schlösser bewohnt.

1974 gewannen die Donaueschinger Gewichtheber ihre erste deutsche Mannschaftsmeisterschaft – der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis in die 80er-Jahre anhielt. Rechts Kurt Wegmann, damals Abteilungsleiter.
1974 gewannen die Donaueschinger Gewichtheber ihre erste deutsche Mannschaftsmeisterschaft – der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis in die 80er-Jahre anhielt. Rechts Kurt Wegmann, damals Abteilungsleiter. | Bild: Franz Krickl

Doch in den 70er- bis in die frühen 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein sorgten starke Männer in Donaueschingen immer wieder für sportliche Schlagzeilen. Die Rede ist von den Gewichthebern. Und bei denen hatte in dieser Zeit einer das Sagen, der zwar selbst im Reißen 102,5 Kilo und im Stoßen 117,5 Kilo mit ausgestreckten Armen über den Kopf brachte und gelegentlich die zweite Mannschaft verstärkte, als Funktionär und Strippenzieher hinter den Kulissen aber noch viel stärker war: Kurt Wegmann, heute 84 Jahre alt.

Kurt Wegmann mit seiner Ernennungsurkunde in die „Hall of Fame“ (Ruhmeshalle) der „International Weightlifting Federation“, dem Weltverband der Gewichtheber. Der heute 84-Jährige prägte das Gewichtheben in Donaueschingen und machte auch auf internationaler Ebene Karriere als Funktionär und Kampfrichter.
Kurt Wegmann mit seiner Ernennungsurkunde in die „Hall of Fame“ (Ruhmeshalle) der „International Weightlifting Federation“, dem Weltverband der Gewichtheber. Der heute 84-Jährige prägte das Gewichtheben in Donaueschingen und machte auch auf internationaler Ebene Karriere als Funktionär und Kampfrichter. | Bild: Niederberger, Holger

Wegmann stand den Gewichthebern, die seinerzeit noch eine Abteilung unterm Dach des SV waren, viele Jahre vor. Unter seiner Leitung erreichten die starken Männer nicht nur zwei deutsche Mannschaftsmeisterschaften (1974 und 1976), der Verein machte sich auch als Ausrichter von vier Donau-Cups (1968, 1975, 1982, 1989), einer Welt- und Europameisterschaft für Junioren (1986) und einer Senioren-Weltmeisterschaft (1991) einen Namen. Wegmann war Cheforganisator dieser Großveranstaltungen, hatte er doch als Kampfrichter und Funktionär sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene Karriere gemacht, wie seine Aufnahme in die „Hall of Fame“ des Weltgewichtheberverbandes dokumentiert.

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Der in Zunsweier bei Lahr geborene Wegmann war auch bei mehreren Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften dabei und gerne berichtete er seinen Freunden in der Heimat, was er da so alles erleben durfte. Zum Beispiel die Geschichte von Rolf Milsers Olympiasieg 1984 in Los Angeles. Der Duisburger Schwergewichtler feierte seine Goldmedaille im Zimmer von Kurt Wegmann, der im olympischen Dorf einquartiert war. Milser selbst logierte rund 20 Kilometer außerhalb von LA. Doch dahin schafften es er sowie seine Betreuer, Helfer und die deutschen Funktionäre nicht mehr ...

Der Mittelgewichtler Bruno Wischnewski war in den 80er-Jahren einer der besten Donaueschinger Gewichtheber.
Der Mittelgewichtler Bruno Wischnewski war in den 80er-Jahren einer der besten Donaueschinger Gewichtheber. | Bild: Niederberger, Holger/ Franz Krickl

Seine Leidenschaft Gewichtheben lebt der Bundesverdienstkreuzträger Wegmann immer noch aus, als Gast bei den Landesliga-Heimkämpfen der Donaueschinger Heber. Mittlerweile müssen ihn Freunde mitnehmen, Autofahren bei Nacht, das mutet sich der frühere Post-Techniker nicht mehr zu. Da verfolgt er dann mit einer Handvoll Zuschauer das Geschehen. Vor 40 Jahren fanden sich noch bis zu 1400 Gäste in der Donauhalle ein, die ihre Helden an der Hantel anfeuerten.

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