Herr Metzger, wie stehen Sie zu den Windparks Länge und Ettenberg?

Grundsätzlich befürworte ich den Ausbau von Windenergie. Natürlich unter der Bedingung, dass der Naturschutz dabei gewissenhaft abgearbeitet wird. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die beiden Firmen Solarcomplex und Green City Energy beim zweiten Genehmigungsverfahren besonders darauf achten werden, die gesetzlichen Bestimmungen im Bereich Natur- und Artenschutz zu erfüllen. Positiv stimmt mich, dass Bene Müller (Vorstandsmitglied von Solarcomplex) angekündigt hat, dass es eine gemeinsame Umweltverträglichkeitsprüfung für die beiden Windparks geben wird.

Länge ein Wildtierkorridor

Die Länge gilt als Wildkorridor von internationaler Bedeutung. Wenn in Baden-Württemberg die letzten größeren Waldgebiete der Windkraft geopfert werden, hat dies eine massive Einwirkung auf die Tierwelt. Rechtfertigt das Ziel Windkraft-Ausbau so einen Eingriff?

Wir brauchen die Windenergie, um der Klimakrise zu begegnen. Wenn wir diese nicht eindämmen, wird auch das Artensterben, in dem wir uns derzeit befinden, weiter voranschreiten. Der Wildkorridor ist eine Computer-Berechnung. Er zeichnet also nicht eins zu eins den Weg der Wildtiere nach, sondern bietet uns Menschen eine Orientierung. Wie Sie selbst sagen, handelt es sich, um ein großes Waldgebiet. Die Tiere, die von den Windkraftanlagen gestört werden, haben also Möglichkeiten auszuweichen.

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Die Firma Solarcomplex hat als federführender Investor für den Windpark Länge dort im Februar 2018 für sieben Standorte gerodet. Jetzt sollen nur noch sechs Windräder erstellt werden, dafür soll an zwei Standorten eventuell neu gerodet werden. Ist diese Zerstörung von Natur noch zu rechtfertigen? Wer steht für solche Fehler grade?

Der größte Schaden am Wald entsteht gerade durch den Klimawandel. Erst letzte Woche hat uns die Veröffentlichung des Waldzustandsberichts vor Augen geführt, wie besorgniserregend die Situation ist. So hat sich der Kronenzustand der Bäume, welcher ein Maß für ihre Vitalität ist, noch mal verschlechtert. Wir brauchen also die Energiewende und zwar schnell. Gleichzeitig sind kleinere lichte Flächen in geschlossenen Wäldern auch gut für die Biodiversität. Kommen also auf den unnötig gerodeten Flächen erst einmal die Sträucher hoch, so ist das zum Beispiel ein Zugewinn für die Haselmaus.

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Welches Ziel ist für Sie wichtiger: der Naturschutz oder der Klimaschutz?

Man darf den Naturschutz und den Klimaschutz nicht gegeneinander ausspielen. Wichtig ist es Lösungen zu finden, wie wir beides miteinander vereinbaren können. Lösungen finden wir aber nur, wenn wir miteinander reden und auf die Ansichten des jeweils anderen eingehen.

Beim Thema Energiewende ist viel von neuen Energien zu hören und zu lesen, aber wenig, dass man auch den Energieverbrauch überdenken und reduzieren könnte. Haben Sie dazu einen Ansatz?

Eine Möglichkeit den Energieverbrauch zu reduzieren, ist unsere Bestandshäuser noch besser zu isolieren. Wir sind hier in Baden-Württemberg bereits auf einem guten Weg. Gleichzeitig bremst der Mangel an Handwerkern die energetische Sanierung unnötig aus. Auch aus diesem Grund möchte ich das Handwerk im Landtag stärken, damit wir den Klimaschutz mit Hilfe des Handwerks in die Praxis umsetzen.

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Wie und wo wollen Sie das Thema Nachhaltigkeit angehen?

Das Thema Nachhaltigkeit muss in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen angegangen werden. Mir ist es wichtig zu betonen, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz keine Wirtschaftskiller sind, sondern bei konsequenter Umsetzung dafür sorgen werden, dass Baden-Württemberg auch in Zukunft gut aufgestellt ist-

Wo sind Ihre Ansätze für Mobilität in der Region?

Wir müssen den ÖPNV weiter ausbauen und die Vernetzung und Abstimmung zwischen den verschiedenen Mobilitätsformen verbessern – hier kann uns die Digitalisierung helfen. Mit dem bw-Tarif haben wir den Verkehr über Verbundsgrenzen im Schnitt um 25 Prozent günstiger gemacht. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir insbesondere bei den kurzen Wegen, die wir zurücklegen, vom Auto auf das Fahrrad umsteigen. Deshalb fördern wir den Ausbau von Fahrradwegen und stärken auch den Fußverkehr. Mir ist es weiterhin ein wichtiges Anliegen, dass es auch in jeder größeren Gemeinde Angebote für (E-)Car-Sharing gibt.

Fragen: Bernhard Lutz