Die konstituierende Sitzung des Blumberger Gemeinderats am Donnerstag wurde überschattet vom Auszug von Stadtrat Hermann Zorbach aus Ärger darüber, dass er keinen Sitz und damit kein Mitspracherecht in den Ausschüssen erhält.

Streitbarer Stadtrat

Vorausgegangen waren zwei Briefe Zorbachs im Juni sowie am Abend vor der Sitzung an den Bürgermeister und die Fraktionen, die Zorbach im Gemeinderat vorlas. Darin bat er, die Hauptsatzung so zu ändern, dass die Sitze der Ausschüsse von zehn auf elf erhöht werden und den elftem Sitz ihm zuzubilligen.

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Dies, so der streitbare Stadtrat, entspräche auch dem Willen der Wähler, die ihn als Einzelperson gewählt hätten. In den Briefen kritisierte Zorbach auch, dass Bürgermeister Markus Keller auf eine Anfrage des SÜDKURIER zu seinem Anliegen erklärt hatte, die Besetzung der Ausschüsse habe wenig mit individuellen Interpretationen der Wahlergebnisse zu tun, sondern mit der Sitzverteilung nach Sainte-Lague/ Schepers. Zorbach nannte dies eine „zynische Äußerung“.

„Zynische Äußerung“

Bürgermeister Keller bedeutete ihm, dass er für so einen Antrag ein Sechstel des Gemeinderats benötige. Zorbach äußerte, dass man die Sitze auch durch Einigkeit besetzen könne. Doch dafür, so Keller, benötige man alle Stimmen, keine Gegenstimme.

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Im Gemeinderat war von so einer Einigkeit nichts zu spüren. Vielmehr wurde Zorbachs Vorgehen heftig kritisiert. Hannes Jettkandt, Fraktionssprecher der Freien Liste, hielt ihm aufgebracht entgegen, Zorbach, habe bei der Wahl 2,9 Prozent der Stimmen erhalten, der Gemeinderat habe 27 Sitze, die Besetzung der Ausschüsse erfolge gemäß der Stärke der Fraktionen.

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Seiner Meinung nach, so betonte Jettkandt, entspräche die Besetzung der Ausschüsse absolut dem Willen des Wählers. Die Zuhörer zollten Jettkandt Beifall. Auch FDP-Fraktionssprecher Werner Waimer kritisierte den Kollegen. Die Liste Zorbach habe 2275 Stimmen erhalten, die Liste der FDP 8057 Stimmen und die Liste der SPD 9106 Stimmen, trotzdem wolle Zorbach gleich viele Rechte, da beide Fraktionen abwechselnd einen Vertreter in den Ausschüssen stellten. Ihn ärgere „die Art und Weise, wie der Kollege Zorbach agiert“, so Waimer. Er verwahrte sich auch gegen Zorbachs Vorwurf, der Gemeinderat wolle Zorbach mundtot machen.

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Als Bürgermeister Keller erklärte, sie könnten die Besetzung der Ausschüsse jederzeit wieder ändern, meldete sich Stadtrat Zorbach noch einmal zu Wort: „Um meine Selbstachtung zu erhalten, beende ich für heute Abend die Sitzung.“ Bürgermeister Markus Keller blieb ruhig, ließ den Auszug ins Protokoll aufnehmen.

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