An den Durchgangsstraßen von Espasingen, Ludwigshafen und Sipplingen könnte es demnächst ruhiger werden. Die Lärmaktionspläne für die drei Orte sind fertig und für Espasingen und Ludwigshafen auch beschlossen. Nun kann es konkrete Maßnahmen geben. Doch welche nun richtig sind, erregte im Stockacher Gemeinderat in Bezug auf Espasingen eine lebhafte Diskussion.

Die Debatte entspann sich an zwei Fragen: In welchem Umfang sollte man Tempo 30 beantragen? Und könnte eine rasche Entlastung der Bürger der lange gewünschten Ortsumfahrung schaden – nach dem Motto, jetzt seien die Bürger ja entlastet und den Straßenbau könne man wieder auf die lange Bank schieben? Entsprechende Befürchtungen hatte Wolfgang Reuther (CDU) geäußert. Verkehrsplaner Claus Kiener vom Ulmer Planungsbüro Modus Consult verneinte das: "Der Lärmaktionsplan baut Druck auf und zeigt, wie dringend man die Ortsumfahrung braucht."

In die Umfahrung als entscheidende Entlastung solle man alle Energie stecken, sagte Jürgen Kragler (CDU) und plädierte dafür, eine Entlastung zunächst ohne Tempo 30 zu versuchen. Er befürchtete Begehrlichkeiten an anderen stark befahrenen Straßen und führte auf Nachfrage an, dass flächendeckend Tempo 30 den Verkehrsfluss hindere. Roland Strehl (Freie Wähler) bemerkte in der Sitzung, man müsse die Bürger vor Gesundheitsgefahr schützen und dürfe das nicht aufschieben. Kragler antwortete, die Gesundheit der Bürger stehe für ihn nicht zur Disposition.

Durch Wolf-Dieter Karle (Freie Wähler) und Claudia Weber-Bastong (SPD) wurde auch die Frage aufgeworfen, was man Anwohnern etwa an der Radolfzeller Straße sagen könnte, warum Tempo 30 in Espasingen nun möglich sei, anderswo aber nicht. Bürgermeister Rainer Stolz antwortete, dass die Lärmaktionsplanung auch in der Kernstadt umzusetzen sei. Espasingen, Ludwigshafen und Sipplingen hätten den Anfang gemacht, weil es mit dem Projekt Ortsumfahrung Espasingen einen Anlass gegeben habe. Ohne Rechtsgrundlage wie den beschlossenen Lärmaktionsplan könne man Tempo 30 nicht einführen. Die Abstimmung fiel mit fünf Gegenstimmen für die Beantragung von Tempo 30 nachts aus – was laut Verkehrsplaner Kiener auch gute Aussichten auf Erfolg habe. Alle weiteren von Kiener vorgeschlagenen Maßnahmen hat der Gemeinderat angenommen (siehe unten).

Bereits am Abend zuvor war Kiener im Gemeinderat in Bodman-Ludwigshafen zu Gast. Auch dort stimmte das Gremium für den Lärmaktionsplan und erste Umsetzungen (siehe Kasten). Ratsmitglied Alessandro Ribaudo (CDU) warf die Frage auf, warum es in Sipplingen mit Tempo 30 klappe, aber in Ludwigshafen nicht. Kiener löste das Rätsel: Beide Gemeinden hatten vor Jahren vom Kurorterlass Gebrauch gemacht. Sipplingen hatte damals einen kurzen Bereich im Ortskern mit Tempo 30 gewählt. Ludwigshafen setzte die andere mögliche Variante mit einer längeren Strecke im Ort um, auf der Tempo 40 gilt. "Ein zusätzliches Limit bekommen wir nicht begründet", sagte Kiener.

Auch optische Einengungen von Straßen in Ludwigshafen wurden vorgeschlagen. Sonja Hildebrand (Freie Wähler) bemängelte, dass enger auch gefährlicher sei und der Lärm wachse, da Lastwagen herunterbremsen und wieder anfahren müssten. Bürgermeister Matthias Weckbach sah aber nur im Bereich von Tankstelle und Supermarkt am Ortsende Richtung Sipplingen ein Problem. "Dort mussten wir nachträglich die Abbiegespuren reinfriemeln", erklärte er. Die Gemeinde wolle den Punkt entschärfen, könne aber den Eigentümer eines Grundstücks nicht erreichen, was dazu nötig sei.