Wie wird sich die Stadt entwickeln? Über einen wichtigen Aspekt dieser Frage entscheidet der Stockacher Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch, 29. Juli. Denn dann steht der Bebauungsplan für die Goethestraße zur Abstimmung an. Es geht um den Straßenabschnitt vom Bahnübergang am Schiesser-Knoten bis zum Linde-Kreisel. Besonders umstritten ist die Bebauung des Grundstücks am Linde-Kreisel, auf dem derzeit das Telekom-Gebäude steht.

Dort steht ein Investor mit einem konkreten Projekt bereit. Nur wenige Bauvorhaben rufen in der Stadt so lebhafte Diskussionen hervor wie dieses. Denn dort sollte nach dem ursprünglichen Entwurf, der im Februar öffentlich wurde, ein Turm mit sieben Stockwerken und 24 Metern Höhe entstehen. Es regte sich vernehmlicher Widerstand in der Bevölkerung. Es gab eine Unterschriftensammlung, die Anlieger Rainer Vollmer maßgeblich initiiert hat.

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Zum Stand von Dienstagabend zählt Vollmer 921 Unterschriften allein von Stockacher Einwohnern, die sich gegen ein Bauprojekt in diesen Dimensionen wenden. Und er lässt durchblicken, dass auch namhafte Stockacher die Kritik per Unterschrift unterstützen. Hinzu kommen laut Vollmer noch 256 Unterschriften von Externen. Darunter seien Stockacher, die anderswo wohnen, oder Menschen, die in der Stadt arbeiten. „Das zeigt klar, dass es ein Thema der ganzen Stadt ist, nicht nur ein Nachbarschaftsinteresse“, sagt Vollmer.

Die Aktion richtet sich nicht gegen das Vorhaben an sich, sondern gegen die Gebäudehöhen – vor allem die des geplanten siebenstöckigen Turms, der auf dem Grundstück neben Vollmers Haus zugelassen wäre. Laut dem zuletzt im Mai öffentlich im Gemeinderat diskutierten Bebauungsplanentwurf wären dort 23,5 Meter, zuzüglich ein Meter für untergeordnete Technikaufbauten, erlaubt. Diese und die anderen auf dem Grundstück vorgesehenen Höhen stünden in keinem Verhältnis zum Charakter dieses Stadtgebiets, heißt es auf dem Blatt zur Unterschriftensammlung.

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Vollmer erneuert seinen Wunsch, für eine so zentrale Stelle wie in anderen Städten zuerst einen städtebaulichen Wettbewerb zu organisieren, ehe der Siegerentwurf als Grundlage für die Investorensuche diene. Im Fall der Goethestraße gibt es ein städtebauliches Konzept, das der Gemeinderat billigte – aber eben keine Alternativen. Vollmer ist allerdings klar, dass die Anlieger auch Kompromisse machen müssen.

Unbekannte haben kritische Plakate abgehängt

Er ist zwar die präsenteste, aber nicht die einzige Persönlichkeit, die das Bauvorhaben öffentlich kritisiert. Das Ehepaar Lattner hatte zwei Plakate am Tor zu seiner Grundstückszufahrt in der Goethestraße angebracht, die die Pläne kritisierten. Beide seien vor einiger Zeit von Fremden entfernt worden, sagt Oswin Lattner: „Offenbar ist jemand gegen unseren Protest“, lautet seine Einschätzung. Eines der Banner sei mit Kabelbindern befestigt gewesen. Diese seien sauber mit einem Feuerzeug abgesengt worden. Und beide Plakate seien an verschiedenen Tagen entfernt worden. Für ihn deutet das auf eine geplante Aktion hin. Die Plakate hat Lattner inzwischen in kleinerem Format ersetzt. Ihm gehe es nur um die Höhe des Gebäudes, betont auch Lattner.

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Zur Abstimmung kommt am 29. Juli indes ein Bebauungsplanentwurf mit den aus der jüngsten Beratung bekannten zulässigen Höhen. Der Turm am Linde-Kreise dürfte 23,5 Meter hoch werden, für die anderen Grundstücke bis zum Bahnübergang sind Höhen von 10,5 bis 18 Meter verzeichnet. Ein Hotel, das anstelle des früheren Hotels Linde entstehen könnte, dürfte 15 Meter hoch werden. Nur der Teil des Telekom-Gebäudes, der erhalten wird, und ein schmaler Gebäudeabsatz am östlichen Rand, in Richtung zu Vollmers Haus, sind niedriger eingezeichnet. In der Vorlage für die Sitzung wird weiterhin „ein vertikaler Baukörper der als Hochpunkt die städtebaulich prägnante Lage betont.“ Zahlreiche Stellungnahmen von Behörden und Bürgern sind in den begleitenden Dokumenten zur Sitzungsvorlage ebenfalls aufgeführt, mit 85 kritischen Beiträgen von Bürgern.

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Dass der Bebauungsplanentwurf politisch durchsetzbar ist, erwartet Bürgermeister Rainer Stolz indes offenbar nicht: „Aus heutiger Sicht kann ich erkennen, dass der Auslegungsbeschluss so nicht als Satzung bestätigt wird“, schreibt er auf Anfrage. Es werde wohl „nennenswerte Reduzierungen“ bei den Höhen der Gebäude nördlich der Goethestraße geben. Es habe intensive Debatten im Gemeinderat und in den Fraktionen gegeben, so Stolz weiter. Gleichzeitig habe der Gemeinderat auch mehrfach zum Ausdruck gebracht, an diesem zentralen Ort der Kernstadt ein Zeichen gegen die Wohnungsnot setzen und daher mit verdichteter Bebauung planen zu wollen.

Das Investorenunternehmen zeigt sich unterdessen kompromissbereit. Man habe mit dem Gemeinderat die Diskussionen verfolgt und gemeinsam weiter erörtert, schreibt Michael Schumacher von der Geschäftsführung von Betz Baupartner auf Anfrage: „Gegenstand dabei waren auch geänderte Gebäudehöhen.“ Und er fügt hinzu: „Ich bin zuversichtlich, dass eine gute Lösung für Stockach erreicht wird.“