Vom Piks in den Oberarm habe ich bei der Impfung nichts gespürt. Vielleicht, weil man als Krankenpfleger gegen Stiche, Schläuche und Sonden abstumpft – selbst wenn man seit Jahren nicht mehr in der Pflege arbeitet, sondern nur in Zeiten der Pandemie hier und da aushilft. Mein erster Gedanke nach der Impfung: „Das war wesentlich angenehmer als ein Corona-Rachenabstrich.“

Das ist der Einleger für den Impfpass und bestätigt die Impfung gegen das Corona-Virus bei Uli Zeller, Mitarbeiter des SÜDKURIERs und des Emil-Sräga-Pflegeheimes in Singen, dessen Mitarbeiter und Bewohner auf Wunsch von einem mobilen Impfteam geimpft wurden.
Das ist der Einleger für den Impfpass und bestätigt die Impfung gegen das Corona-Virus bei Uli Zeller, Mitarbeiter des SÜDKURIERs und des Emil-Sräga-Pflegeheimes in Singen, dessen Mitarbeiter und Bewohner auf Wunsch von einem mobilen Impfteam geimpft wurden. | Bild: Uli Zeller

Am Tag nach der Impfung tat mir der Arm an der Einstichstelle etwas weh und ich war müde. Fürs Gähnen schiebt man als Kleinkind-Papa jedoch nicht vorschnell einer Impfung die Schuld in die Schuhe. 100 Personen wurden geimpft – dennoch konnte ich nach gut zwei Stunden wieder nach Hause. Mit dem wertvollen Saft in der Blutbahn. Ein reibungsloser Ablauf bei einem noch nicht eingespielten Team. Respekt!

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Viele meiner eigenen Gedanken habe ich auch bei Heimbewohnern und Altenpflegekräften wiedergefunden. „Hoffentlich ist der Spuk bald vorbei. Das wäre ein schönes Ostergeschenk, wenn alles wieder normal wäre. Auch ohne Langzeiterfahrungen mit dem Medikament vertraue ich auf die Impfung„, sagt etwa Heimbewohnerin Angela Tonder.

Viele Mitarbeiter lassen sich impfen, aber nicht alle

Vielen Mitarbeitern des Emil-Sräga-Hauses ging es so wie Nachtwache Karin Strehle. Sie sei froh, dass man das Impfteam so schnell in das Emil-Sräga-Haus habe bekommen können. Und Präsenzkraft Uwe Forschner ergänzt: „Ich hatte zunächst Befürchtungen wegen eventueller Nebenwirkungen. Aber das ist sicher das kleinere Übel als an Covid19 zu erkranken.“ Es gab jedoch auch Mitarbeiter, die sich gegen die Impfung entschieden haben. Eine davon ist Präsenzkraft Isabella Honsel. „Der Impfstoff wurde so schnell hergestellt. Mir ist das zu unsicher. Ich möchte lieber noch abwarten“, sagt sie.

Nein, es waren keine Impfgegner, die sich im Hof des Emil-Sräga-Hauses aufgestellt hatten. Im Gegenteil: „Danke an alle, die es möglich gemacht haben, dass wir mit großer Hoffnung ins Jahr 2021 gehen dürfen“, war auf dem Schild zu lesen, das Präsenzkraft Irmgard Weggler und Nico Bassler (Bundesfreiwilligendienst) in den Händen hielten.
Nein, es waren keine Impfgegner, die sich im Hof des Emil-Sräga-Hauses aufgestellt hatten. Im Gegenteil: „Danke an alle, die es möglich gemacht haben, dass wir mit großer Hoffnung ins Jahr 2021 gehen dürfen“, war auf dem Schild zu lesen, das Präsenzkraft Irmgard Weggler und Nico Bassler (Bundesfreiwilligendienst) in den Händen hielten. | Bild: Uli Zeller

Zwei Menschen standen mit einem Transparent am Morgen der Impfung auf dem Hof. Zunächst für Impfgegner gehalten, entpuppten sich die gesichtslosen Gestalten hinter ihren FFP2-Masken als Mitarbeiter. „Danke an alle, die es möglich gemacht haben, dass wir mit großer Hoffnung ins Jahr 2021 gehen dürfen“, stand auf dem Transparent, das Präsenzkraft Irmgard Weggler und Nico Bassler (Bundesfreiwilligendienst) in Händen hielten.

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Pflegedienstleiterin Corinna Feininger zeigte sich sichtlich berührt von dieser Bekundung und dankte den Mitarbeitern und dem Impfteam. Gemeinsam mit Heimleiter Dominik Eisermann und zahlreichen weiteren helfenden Händen hatte sie sich zuvor tagelang durch Berge von Formularen gewühlt. Viele Stunden Gespräche mit Betreuern dementer Heimbewohner waren ebenfalls notwendig. Auch Landrat Zeno Danner gratulierte dem Team des Pflegeheimes. „Danke allen, die in dieser Pandemie vorangehen. Ich wünsche Ihnen einen guten halbimmunen Start ins neue Jahr“, betont Danner.

Licht am Ende des Tunnels

Auch für Heimleiter Dominik Eisermann bedeutete dieser Tag viel, wie er im Gespräch mit dem SÜDKURIER erklärt. „Diese Impfung ist das Licht am Ende des Tunnels. Wir können viel beruhigter arbeiten und auch wieder deutlich besser schlafen“, sagt Eisermann. Der ersehnte Lichtblick für die Heimbewohner werde hoffentlich bald spürbar eintreten. Das Pandemiejahr mit Besuchseinschränkungen, Abstand und Mund-Nasen-Schutz sei für viele schwer gewesen. Natürlich, denn Einsamkeit kann einen Menschen zugrunde richten.

Heimleiter Dominik Eisermann, Emil-Sräga-Haus Singen: „Diese Impfung ist das Licht am Ende des Tunnels. Wir können viel beruhigter arbeiten und auch wieder deutlich besser schlafen.“
Heimleiter Dominik Eisermann, Emil-Sräga-Haus Singen: „Diese Impfung ist das Licht am Ende des Tunnels. Wir können viel beruhigter arbeiten und auch wieder deutlich besser schlafen.“ | Bild: Uli Zeller

Abseits der Impfung erzählen mir die Kollegen, dass einer Heimbewohnerin neulich eine Weihnachtskarte vorgelesen wurde. Darin wurde ihr das Mitleid bekundet, weil vor zwei Jahren ihr Ehemann Dieter (Name und Situation verändert) gestorben ist. Nach dem Vorlesen sagte die Heimbewohnerin: „Legen Sie die Karten bitte dahin. Ich möchte sie Dieter noch zeigen.“ Einsamkeit verschlimmert unter Umständen solche demenziellen Symptome. Solche Situationen werden hoffentlich bald wieder besser aufgefangen, wenn die Impfung Beziehungen wieder möglich macht.

Der Auftakt ist gemacht

Das Impfteam des Impfzentrums Freiburg unter der Leitung von Tobias Lumpp war am Tag zuvor bereits in Lörrach im Einsatz. In Singen wurden sie unterstützt von der der pandemiebeauftragten Ärztin des Landkreises Konstanz Birgit Kloos und Doktor Jörg Axmann, der das Heim ärztlich betreut. Die Impfaktion dauerte mehrere Stunden. Mein Piks hingegen nur ein paar Sekunden.