Die Nutzer und Betreiber von Shisha-Bars haben in den vergangenen Wochen ein Wechselbad der Gefühle erlebt: Erst durften sie monatelang nicht öffnen, dann war eine Woche alles wie vor dem Lockdown, dann kam eine Mail der Stadt Singen: „Nach einer Woche ohne Einschränkungen (...) wurde mit sofortiger Wirkung beschlossen, dass im Innenbereich nicht mehr geraucht werden darf“, sagt Zafer Capar, Besitzer des Le Mirage. Getränke und Speisen durften weiterhin in beiden Bereichen verkauft werden.

Seit Montag gelten wieder neue Regeln, es gibt endlich die ersehnte Lockerung.

Gastronomiebetriebe wie die Shisha-Bar Le Mirage in der Singener Innenstadt dürfen seit Mitte Mai wieder geöffnet haben. Nicht nur für Restaurants, auch für Bars war diese Entscheidung ein wichtiger Schritt in Richtung Normalität.

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Allerdings zählten die Regelungen nicht für alle Bereiche der Gastronomie: Shisha-Bars, also Nachtlokale, die Wasserpfeifen anbieten, konnten den Betrieb bis zum vergangenen Montag nicht wie gewohnt aufnehmen.

Außer in der ersten Öffnungswoche, da durften Wasserpfeifen sowohl im Innen- wie auch im Außenbereich angeboten werden. Voraussetzung dafür war ein negativer Corona-Test, eine Impfung oder Genesung – wie in jedem Gastrolokal.

Abstand und Hygiene werden zum Thema

Grund für die erneuten Einschränkungen war der Infektionsschutz. Allerdings nicht der erhöhte Aerosolausstoß, der durch das Ausatmen des Pfeifenrauchs verursacht wird, so der Barbesitzer. Das wäre nur ein Gerücht gewesen, das von vielen enttäuschten Barbesuchern verbreitet wurde.

Vielmehr ging es um Abstandsregelungen im Innenbereich, die teilweise nur schwer eingehalten werden konnten und oft hätten mehrere Personen dasselbe Mundstück und denselben Schlauch verwendet.

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„Ich würde nicht sagen, dass die Stadt gegen Shisha-Bars vorgeht. Die Regelungen sind nachvollziehbar und wurden immer gut mit uns abgesprochen“, sagt Capar. Der Betriebsleiter ist gleichzeitig auch Besitzer mehrerer Friseursalons in Singen. „Ich fände es schade, wenn andere Gewerbe wieder schließen müssten, nur weil sich Shisha-Bars nicht an die Regelungen halten.“

Regeln unterscheiden sich je nach Stadt

Was zusätzlich für Unruhe sorgte, waren die ungleichen Öffnungsschritte in Singen, Radolfzell und Konstanz. Während in Singen weiterhin im Außenbereich Shisha geraucht werden durfte, waren die Pfeifen in Radolfzell komplett verboten.

In Konstanz hingegen durften die Wasserpfeifen im Innen- und Außenbereich ohne Einschränkungen verkauft werden.

Junge Shisha-Bar trifft es besonders

Die Phönix Shisha-Bar in Singen litt besonders unter den Verordnungen. Das Lokal eröffnete im Januar 2020 und durchlebte somit mehrere Corona-bedingte Schließungen.

Barbesitzer Sonni Tariq ist deprimiert: „Dadurch, dass keine Shishas im Innenbereich verkauft werden durften, haben wir nur 50 Prozent des normalen Besucheraufkommens erreicht“, erklärt er. Es würde kaum Kunden geben, die im Innenbereich nur etwas Trinken möchten.

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„Die Einbußen, die wir vor allem in den letzten sieben Monaten Lockdown gemacht haben, können so niemals eingeholt werden“, sagt Tariq. Auf die versprochenen finanziellen Zuschüsse der Regierung wartet der Barbesitzer bis heute vergebens.

Die Außenbereiche der Shisha-Bars mussten an die neue Verordnung angepasst werden.

Pavillons im Le Mirage

In der Le Mirage Shisha-Bar wurden Pavillons aufgestellt, um Gäste auch bei Nieselregen bewirten zu können. Doch das Wetter der vergangenen Wochen machte es schwer, Pfeifenraucher überhaupt empfangen zu können.

So geht Shisha-Rauchen im Freien auch bei Nieselregen: Die Shisha-Bar Le Mirage hat Pavillons aufgestellt.
So geht Shisha-Rauchen im Freien auch bei Nieselregen: Die Shisha-Bar Le Mirage hat Pavillons aufgestellt. | Bild: Anina Kemmerling

Die Besucher seien ausgeblieben, so Tariq von der Phönix Shisha-Bar. Er würde sich wünschen, dass eine Überdachung des Außenbereichs von der Stadt oder dem Regierungspräsidium bereitgestellt werden würde.

Außerdem ist er anders als sein Branchenkollege überzeugt davon, dass Shisha-Bars nicht gefährdender sind als andere Bar- oder Restaurantbetriebe. Eine Be- und Entlüftungsanlage würde durchgehend für reine Luft sorgen. Abstände, wie auch die Einzelnutzung von Pfeifen, Schläuchen und Mundstücken könnten ebenfalls überprüft werden.

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Dass die Vorlagen bei einer Inzidenz von unter zehn zu streng waren, darin sind sich wiederum beide Shisha-Bar-Besitzer einig. „Es ist absurd, dass wir innen keine Pfeifen anbieten dürfen, im selben Schritt aber Bordelle in Baden-Württemberg wiedereröffnen“, sagt Tariq.

Normalbetrieb seit Montag

In den vergangenen Tagen hat sich die Situation nun weiter verbessert. Seit Anfang der Woche ist das Rauchen in den Innenräumen wieder erlaubt.

Sonni Tariq von der Phönix Shisha-Bar freut sich über die Lockerung. Aus seiner Sicht kam sie zu spät.
Sonni Tariq von der Phönix Shisha-Bar freut sich über die Lockerung. Aus seiner Sicht kam sie zu spät. | Bild: Orkun Kaya

Die Verordnung des Landes Baden-Württemberg lässt die Barbetreiber aufatmen. „Blickt man auf die jetzigen Inzidenzwerte, war das der einzig richtige Schritt. Auch wenn er meiner Meinung nach zu spät kam“, sagt Tariq. Auch die Testpflicht und das Vorlegen eines Impf- oder Genesenen-Nachweis sind seit Montag nicht mehr notwendig.

Automat als Rettung

Einen besonderen Weg in der Krise ging der Alex Shisha-Shop in der Singener Südstadt. Um trotz Corona-Beschränkungen für Kunden da sein zu können gab es einen Lieferservice und es wurde ein Automat vor die Ladenfläche in der Berliner Straße gestellt, der Pfeifenliebhabern die Möglichkeit bietet, außerhalb der Öffnungszeiten Tabak und Kohle kaufen zu können.

„Leider wurde der Automat erst mit Ende des Lockdowns im April 2021 fertiggestellt. Umso mehr hat uns die positive Rückmeldung überrascht. Vor allem an Sonn- und Feiertagen sind die Verkaufszahlen über den Automaten hoch“, sagt Alex Gruber, Besitzer des Shisha-Ladens.