Die Corona-Fälle bei der Stadt Singen steigen wieder stark an. Alleine acht Infizierte sind nach Massentests von mehr als 300 Personen bei der Firma 3 A Composites auf dem großen Alu-Firmengelände festgestellt worden. Dies bestätigt Marlene Pellhammer, Pressesprecherin des Landratsamtes Konstanz, auf SÜDKURIER-Anfrage. Fünf Beschäftigte der Firma weisen die Mutation-Variante auf. „Insgesamt verzeichnen wir in Singen 69 akute Mutationsfälle“, schildert Marlen Pellhammer.

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Corona-Fälle haben sich summiert

Joachim Werner, Geschäftsführer des Singener Werks von 3 A Composites erklärt das Testergebnis für seine Firma: „Die Zahl der an Corona-Infizierten hat sich seit Anfang des Jahres auf 20 summiert. Wir haben reagiert und selbst nochmals Schnelltests bei den nicht infizierten Beschäftigten durchgeführt. Sie fielen durchweg negativ aus.“ Etwa 400 Menschen sind im Betrieb, der sich auf die vielfältige Produktion von aus Aluminium hergestellten Verbundteilen (Alucobond) spezialisiert hat, beschäftigt.

Schichtbetriebe umgestellt

„Durch eine Umstellung der Schichtbetreibe konnten wir die Produktion aufrechterhalten, sodass wir den auch durch Corona etwas abflauenden Markt weiter gut bedienen können“, sagt Werner. Hohe Sicherheits- und Hygienestandards seien nochmals verschärft worden, betont der Geschäftsführer.

39 Neuinfektionen in vier Tagen

In Singen gab es in den vergangen vier Tagen 39 Neuninfektionen von Corona und Mutationsvarianten, in Engen im selben Zeitraum 19. „Wenn eine größere Anzahl von Menschen in Firmen infiziert werden und bei Mehrfach-Fällen in Familien, wie durch schnell ansteckende Mutationen, gehen die Zahlen rapide in die Höhe“, stellt Ute Seifried fest.

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„Bei vier oder fünf Infektionen, die direkt miteinander zusammenhängen, kann es sich auch um ausschließlich Familienmitglieder handeln“, berichtet der Engener Hauptamtsleiter Patrick Stärk. Er wisse derzeit nichts von einem größeren Infektionsherd in Engen, wie es in der Vergangenheit beispielsweise in Altenheimen der Fall gewesen sei.

„Wenn wir große Auffälligkeiten in Firmen oder sozialen Einrichtungen, wie mehrere zusammenhängende Infektionen feststellen, ordnen wir Massentests an.“Marlene Pellhammer, Pressesprecherin Landratsamt Konstanz
„Wenn wir große Auffälligkeiten in Firmen oder sozialen Einrichtungen, wie mehrere zusammenhängende Infektionen feststellen, ordnen wir Massentests an.“Marlene Pellhammer, Pressesprecherin Landratsamt Konstanz | Bild: Landratsamt Konstanz

Die hohen Corona-Zahlen der Stadt Singen beruhen auch auf einer Vielzahl von Infizierten in größeren Betrieben oder Einrichtungen, wie in einem Caritas-Haus. Bei den Firmen handelt es sich auch um auswärts ansässige, wie die Gerhard Haas GmbH in Stockach oder der Nahrungsmittelhersteller Hügli in Radolfzell. Ein Teil von ihnen hat den Wohnsitz in Singen. Es mussten deshalb auch zwei Mehrfamilienhäuser in der Singener Nordstadt und im Süden unter Bewohner-Isolation gestellt werden.

Bewohner verhielten sich in Quarantäne vernünftig

„Die Quarantäne ist inzwischen aufgehoben. Die Bewohner haben sich sehr vernünftig verhalten und die Anordnungen des zur Überwachung der Quarantäne bereitgesellten Sicherheitsdienstes befolgt“, erklärt die Singener Sozial-Bürgermeisterin Ute Seifried.

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Auch bei den noch aktuellen Mutationsfällen handle es sich fast ausschließlich um die britische Variante. „Sie verbreitet sich um ein Vielfaches schneller als die bisherige Corona-Infektion. Die Verläufe müssen deshalb nicht schlimmer sein. Manche ergeben auch keine oder nur geringe Symptome, wie unsere Erfahrungen sind, auch in Kooperation mit dem Gesundheitsamt“, schildert Ute Seifried.

„Wenn wir große Auffälligkeiten in Firmen oder sozialen Einrichtungen, wie mehrere zusammenhängende Infektionen feststellen, ordnen wir Massentests an. Die sollen ermitteln, wie viele Menschen sich zusätzlich infiziert haben“, berichtet Marlene Pellhammer.

Entwicklung der Corona-Infektionen

  • So viele neue Corona-Fälle gab es laut Informationen des Landratsamtes Konstanz in den Hegaugemeinden in den vergangenen sieben Tagen (akute Infektionen gesamt): Aach 1 (3), Büsingen 1 (1), Engen 26 (29), Gailingen 0 (0), Gottmadingen 12 (13) Hilzingen 5 (11), Mühlhausen-Ehingen 4 (5), Rielasingen-Worblingen 16 (26), Singen 64 (103), Steißlingen 12 (13), Tengen 2 (2), Volkertshausen 3 (4). In den vergangenen vier Tagen waren in der Stadt Singen mit 39 neuen Corona-Infektionen und Engen (19) die Zahlen besonders hoch. Bei einem Großteil davon handelt es sich um Mutanten-Varianten, vor allem die britische ist stark davon betroffen.
  • Vergleichswerte im Landkreis Konstanz: Die Stadt Singen liegt mit 103 akuten an Corona infizierten Menschen an der traurigen Spitze des Landkreises Konstanz. Im Vergleich dazu weist Konstanz 87 Fälle auf. Konstanz hat seit Ausbruch der Pandemie mit insgesamt 1945 Corona-Erkrankungen einen höheren Wert als Singen (1511), ist aber mit etwa 86.000 Einwohnern deutlich größer als die Hohentwielstadt (48.000). Im Landkreis Konstanz gibt es 405 akute Corona-Fälle. Der Inzidenzwert (Corona-Infizierte / 100.000 Einwohner) liegt bei knapp über 100. Diese Zahl entscheidet aktuell über regionale Auslegungen von Corona-Verordnungen.