Frauen in der Feuerwehr sind im Landkreis Konstanz bis heute in der Minderheit. Frauen auf Führungsebene der Feuerwehr sind eine Seltenheit. Und eine Frau als Kommandantin gibt es bisher nur einmal im Kreis: Rebecca Schulz von der Werkfeuerwehr des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) Reichenau, und das bereits seit 2013.

„Ich bin schon stolz auf meine Karriere“, sagt die 44-Jährige lächelnd. Wobei sie auch betont: „Ich habe die Lehrgänge genauso absolviert und bestanden wie die Männer.“ Ihr sei nichts geschenkt worden.

Dumme Sprüche und rauer Umgangston

Im Gegenteil: Manchmal habe sie schon den Eindruck gehabt, dass sie sich als Frau doppelt habe beweisen müssen. Denn die Feuerwehren seien vor rund 20 Jahren, als sie 1999 in die Werkfeuerwehr und in die Konstanzer Feuerwehr eintrat, schon noch „schlichtweg eine Männerdomäne“ gewesen.

Da habe schon ein etwas rauer Umgangston geherrscht, und sie habe sich auch mal dumme Sprüche anhören müssen bei Lehrgängen an der Landesfeuerwehrschule. „Da musste man schon gewisse Kutteln haben und als Frau seinen Mann stehen“, erinnert sich Rebecca Schulz. Aber solche Sprüche hätten sie auch angespornt.

Weibliche Doppelspitze

Doch heute sei das alles generell moderater. Auf der Kommandantenebene im Landkreis sei sie gleich gut aufgenommen und akzeptiert worden. Und bei der Werkfeuerwehr gehe es harmonisch zu. Dort gab es bis 2018 sogar fünf Jahre lang eine weibliche Doppelspitze, als die heutige ZfP-Brandschutzbeauftragte Astrid Walter zweite Kommandantin war.

Und erleichtert werde ihre Aufgabe dadurch, dass der ZfP-Betriebsdirektor Jochen Reutter ebenfalls in der Werkfeuerwehr sei. Da gebe es einen einfacheren Dienstweg. Wobei ihr Ehemann Volker Schulz, Schriftführer bei der ZfP-Wehr, anmerkt: „Sie hat durch Leistung überzeugt. Sie hat sich nie in den Vordergrund gedrängt.“

Das bestätigt Rebecca Schulz lächelnd: „Die Mannschaft hat mich schon in dieser Position gesehen, als ich sie noch gar nicht hatte.“ Beide sind zudem in der Konstanzer Feuerwehr auch als Ausbilder aktiv.

Grund für Karriere war „mein Mann“

Ihre erste direkte Begegnung mit der Feuerwehrarbeit habe sie vor rund 25 Jahren bei einem größeren Brand in der Konstanzer Schwedenschanze gehabt, wo sie damals wohnte, berichtet Rebecca Schulz. „Das war sehr eindrücklich.“ Doch ob sie von sich aus zur Feuerwehr gegangen wäre, könne sie nicht sagen.

Der Grund war „mein Mann“, sagt sie schmunzelnd. Als sie 1999 als Krankenschwester im ZfP anfing, war dieser dort stellvertretender Kommandant und wie fast immer auf Nachwuchssuche. „Er hat mich in die beiden Feuerwehren geschleppt und mich eingeführt. So nahm das seinen Lauf.“

Zweimal Leistungsabzeichen in Gold

Nach und nach habe sie alle Basislehrgänge absolviert. Auch die zur Maschinistin und zur Atemschutzgeräteträgerin. Letzteres sei körperlich schon sehr anstrengend und früher noch nicht wie heute Standard für Feuerwehrleute gewesen. Doch ihre Motivation sei es gewesen: „Ich möchte auch ein Feuer von innen sehen. Ich möchte mitreden können.“ Das habe sie eigentlich bei allen Lehrgängen angespornt. „Ich war und bin sehr wissbegierig. Ich wollte begreifen – und eben mitreden können.“

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Es komme ihr heute bei ihren Aufgaben zugute, dass sie selbst alles von der Pike auf gelernt habe, meint Rebecca Schulz: „Ich kann mitdenken, ich kann mitfühlen.“ Und lächelnd und sichtlich stolz fügt sie an, dass sie zudem bei Wettkämpfen alle Leistungsabzeichen durchlaufen habe und sogar die so genannte Maus-Medaille, weil sie zweimal mit Gold bestanden habe. „Das haben nicht viele Frauen.“ Und kann sie ihren Weg auch anderen Frauen empfehlen? Rebecca Schulz antwortet spontan: „Auf jeden Fall.“

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